Schwaan : Muss nun die Aula weichen?

Das Mehrgenerationenhaus soll nun nicht, wie ursprünglich geplant, hinter dem Sportplatz (Grafik) entstehen, sondern an der jetzigen Aula angegliedert werden.  Grafik: Masterentwurf
Das Mehrgenerationenhaus soll nun nicht, wie ursprünglich geplant, hinter dem Sportplatz (Grafik) entstehen, sondern an der jetzigen Aula angegliedert werden. Grafik: Masterentwurf

Neubauprojekt auf dem Schulgelände sorgt im Bauausschuss für Unmut / Mitglieder beklagen schleppende Informationspolitik

svz.de von
18. September 2015, 17:18 Uhr

Ein Mehrgenerationenhaus für Schwaan – ein solches Konzept stellten im Frühjahr dieses Jahres zwei Studentinnen aus Berlin einem kleinen Kreis aus Schul- und Stadtvertretern vor (SVZ berichtete) – damals noch unter dem Titel Campus der Generationen. Im Zuge ihrer Masterarbeit planten die Frauen ein mehrgeschossiges Gebäude für die Stadt Schwaan, das auf dem Gelände der Prof.-Franz-Bunke-Schule errichtet werden soll. „Wir haben die Ausarbeitung der Studentinnen dann an zwei Bauplanungsbüros gegeben. Es zeigte sich, dass der Bau so nicht realisierbar ist. Deshalb mussten wir umdenken“, sagt Birgit Nehls, Leiterin für Bau und Liegenschaft in Schwaan.

Ausschussmitglieder fühlen sich übergangen

Seitdem liegt das Projekt auf Eis. In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr wurden nun erstmals die Mitglieder mit der Planung konfrontiert. „Wir wissen bisher nur das, was die Zeitung über das Projekt berichtete“, sagt Thomas Präfke, Vorsitzender des Bauausschusses. Einige der Ausschussmitglieder reagierten auf das Thema gereizt, fühlten sie sich doch in der Planung übergangen und vor vollendete Tatsachen gestellt.  Vollendet sei jedoch noch gar nichts, so  die Reaktion der Leiterin für Bau und Liegenschaften.

Um den Versammelten den Inhalt des Projektes näher zubringen, suchte Maren Lüth, Lehrerin an der Prof.-Franz-Bunke-Schule, das Gespräch mit den Ausschussmitgliedern. „Unsere Schüler sind auf die Straße gegangen und haben die Bürger gefragt, was ihnen in Schwaan fehlt. Die meistens wünschten sich einen geeigneten Raum für Großveranstaltungen in der Stadt“, sagt Lüth. In dem Multifunktionsgebäude, wie das Mehrgenerationenhaus nun genannt wird,  soll unter anderem ein Festsaal   Platz für bis zu 600 Personen bieten.   „Wir würden auch unsere Feierlichkeiten zur Einschulung dort abhalten wollen. Bisher mussten wir immer auf die Turnhalle ausweichen“, sagt Lüth.

Schadstoffbelastung zwingt zum Umplanen

Doch weniger die Nutzung  als vielmehr die Konsequenz, die mit dem Bau des  Gebäudes verbunden ist, beschäftigte die Ausschussmitglieder. Von der ursprünglichen Planung, das Gebäude separat neben der Schule zu errichten, mussten die Verantwortlichen Abstand nehmen.  „Unsere Wunschvorstellung war, das Gebäude hinter dem Sportplatz zu errichten. Aber wegen der dortigen Schadstoffbelastung durch die ehemalige Mülldeponie ist dies nicht möglich“, erklärt Lüth. Diese Variante wurde bereits vor dem Konzept der Studentinnen ad acta gelegt.

Eine weitere Möglichkeit, das Mehrgenerationenhaus  mittig auf dem Schulhof an die Schule anzugliedern, wäre zu eng gebaut.  „Doch ein Anbau an das Schulgelände ist die vernünftigste Variante. Die Schule muss  barrierefrei umgebaut werden. Ein Fahrstuhl in den Neubau zu integrieren, wäre eine praktische Lösung. Über das Multifunktionsgebäude kämen dann körperlich eingeschränkte Mädchen und Jungen  in die Schule“, führt Birgit Nehls aus.

Die kostengünstigste Möglichkeit für den Bau   sei, die Aula abzureißen, um an selbiger Stelle den  Neubau anzusetzen. Diese Variante sorgte bei einigen Ausschussmitgliedern  für Missstimmung. Die Kommentare reichten von klarer Ablehnung –  „Da stimme ich nicht für“  – bis „Der Abriss der Aula würde mich schmerzen“. Den Vorschlag der Mitglieder, die Aula umzubauen statt abzureißen, entgegnete Nehls mit dem Einwand, dass ein Umbau höhere Kosten verursache. „Ein Mehrgenerationenhaus ist toll. Aber was weg ist, ist weg“, sagte Stadtvertreterin Ingelore Fiedler (Die Linke).

Schulleiter Hans-Ulrich Pabusch wollte auf SVZ-Nachfrage keinen Kommentar dazu abgeben, solange der Abriss der Aula keine feststehende Tatsache ist.

Planung fehlt derzeit noch die Tiefe

Neben dem Umstand, die Aula zu verlieren und somit auch das Schulgebäude in seiner ursprünglichen Gestaltung zu verändern, ärgerte es die anwesenden Mitglieder vor allem, bisher nicht in die Planung diese Projektes einbezogen worden zu sein.

Ein Projekt, das auf das Interesse verschiedener Ausschüsse stoße, solle deshalb in Zukunft in einer größeren Runde vorgestellt und diskutiert werden, so Thomas Präfke.

Nun heißt es,  die Planung des Multifunktionsgebäudes zu vertiefen. Es müssen Entscheidungen getroffen werden, wie  das Gebäude genau zu gestalten sei. Da geht es zum Beispiel um eine Antwort auf die Frage, ob eine Mensa oder nur eine Abgabeküche in dem Haus zu integrieren sei, so Nehls. Auf dieser Grundlage erstelle das Rostocker Bauplanungsbüro AIB eine genaue Auflistung aller Kosten.  Diese werden dann  in Schwerin an entsprechender Stelle eingereicht, um Fördermittel für den Bau zu beantragen. „Wenn wir diese bekommen, können danach die Eckdaten nicht mehr geändert werden“, erklärt Nehls.

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