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Bützower Zeitung

17. Dezember 2017 | 09:20 Uhr

Schlemmin : Musik macht sie munter und agil

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Therapeut Manfred Stein musiziert und singt regelmäßig gemeinsam mit Senioren

svz.de von
erstellt am 10.Feb.2016 | 12:00 Uhr

„Gehirnzellen sterben nicht ab, sie verkümmern. Dem möchte ich entgegenwirken“, sagt Musiktherapeut Manfred Stein. Im zweiwöchigem Rhythmus besucht er den Seniorenlandsitz Schlemmin, um zu musizieren und zu singen. Dabei gibt er aber nicht den Alleinunterhalter, sondern bezieht die Bewohner aktiv mit ein. Jeder nimmt sich ein Instrument in die Hand und dann kann es losgehen.

Wenn der Musiktherapeut nach Schlemmin kommt, hallen vorzugsweise Volkslieder und Schlager durch das Haus. Stein: „Natürlich achte ich darauf, dass ich Lieder aus der Jugendzeit der Bewohner spiele. Denn sie sollen Spaß an der Therapie haben“ – und den haben sie. So hielt es die 63-jährige Waltraud Riewe bei der Musiktherapie am Montag nicht lange auf ihrem Stuhl. Zu dem Schlager-Klassiker „Marina“ legte sie eine kleine Tanzeinlage aufs Parkett. Aber auch die anderen Teilnehmer kamen im Rahmen ihrer Möglichkeiten in Bewegung. Ob die Rassel im Takt zu schwingen oder auf die Trommel zu schlagen, zu klatschen oder mit den Füßen zu stampfen – Manfred Stein versucht jeden aktiv mit einzubringen.

„Es geht bei der Therapie weniger um die Lieder selbst, sondern mehr um den Takt und Rhythmus“, so Stein. Durch die Musik gelangen Impulse ins Gehirn der Männer und Frauen, von denen einige an Demenz erkrankt sind. Das lässt die Bewohner letztlich aktiver werden. „Wir merken noch Tage danach, dass die Bewohner agiler im Alltag sind“, sagt Nicole Weidemann vom Seniorenlandsitz Schlemmin.

Manfred Stein therapiert nicht nur Heimbewohner. Zu seinen Patienten gehören unter anderem auch geistig behinderte Menschen und Wachkoma-Patienten. „Wichtig für den Beruf des Musiktherapeuten ist es vor allem, dass er empathiefähig ist und intuitiv handeln kann“, sagt Stein. Er müsse auf seine Patienten individuell reagieren können. Besonders ratsam sei es, bei einer Therapiesitzung Augenkontakt zu halten, denn das beziehe die Menschen in das Geschehen mit ein. So animiert der Therapeut die Patienten immer wieder, mitzusingen und zu musizieren. Verschiedene Übungen sollen das Gedächtnis trainieren. So müssen sich die Patienten etwa konzentrieren, an bestimmten Stellen eines Liedes ihren instrumentalen oder gesanglichen Einsatz zu geben. Zwischen den Liedern gibt es kurze Gespräche mit den Männern und Frauen, es werden kleine Scherze und auch weitere Übungen gemacht.

Manfred Stein absolvierte seine Ausbildung zum Musiktherapeuten per Fernstudium. Seit 2008 kommt er regelmäßig nach Schlemmin. „Diese Therapiemöglichkeit gibt es noch nicht so lange. Schlemmin hatte damals die Vorreiterrolle“, sagt er. „Mit den Steins haben wir einen Sechser im Lotto. Seine Frau, Gerda Stein, arbeitet bei uns als Beschäftigungstherapeutin. Sie macht ganz tolle Arbeit“, sagt Manuela Effler, Geschäftsführerin des Seniorenlandsitzes.

Manfred Stein ist als Musiktherapeut im ganzen Land unterwegs. Darüber hinaus ist als Musiker aktiv. „Viermal im Jahr finden bei uns Feste statt. Manfred ist immer mit dabei und macht Musik“, so Effler.

Zurzeit leben 38 Bewohner im Schlemminer Pflegeheim. „Die Therapie ist freiwillig. Jeder der möchte, kann bei der Musiktherapie dabei sein, aber keiner muss“, sagt Nicole Weidemann.

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