zur Navigation springen
Bützower Zeitung

23. November 2017 | 16:13 Uhr

Qualitz : Musik kennt keine Grenzen

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Zum „Liedertausch“ kamen Menschen aus verschiedenen Nationen in Qualitz zusammen

svz.de von
erstellt am 02.Dez.2015 | 10:00 Uhr

Der kleine Raum, vielleicht grade einmal 20 Quadratmeter groß, ist erfüllt mit Stimmengewirr und Lachen. Dann hebt Omar Daher die Hand. Der Asylbewerber aus Syrien stimmt ein Lied aus seiner Heimat an. Erst vorsichtig und dann immer kräftiger stimmen andere Männer und Frauen im Raum mit ein. Deutsche, Tschetschenen, Somalis, Ukrainer. Es braucht nicht viele Worte, Musik verbindet. Das wird hier ganz deutlich.

Zum „Liedertausch“ hatte der Allerhandverein jetzt in sein Vereinsgebäude nach Qualitz eingeladen. Der wurde vor etwas mehr als einem Jahr aus der Taufe gehoben. Er mietete ein altes Bauernhaus und bietet dort seitdem vielfältige Möglichkeiten. Es gibt einen Chor, eine Tischlerwerkstatt und viele andere Angebote auf künstlerischem und kreativem Gebiet. Ziel war und ist es, die vielfältigen Möglichkeiten, die Talente und Interessen von Menschen auf dem Lande, zu verbinden – und das generationsübergreifend, unabhängig davon, woher jemand kommt.

Wie das funktioniert, das wird beim Liedertausch sichtbar. Während die Frauen und Männer auf Deutsch und Englisch, mit Händen und Füßen, die Texte von Lieder erarbeiten, spielen im Nebenraum die Kinder mit Bauklötzern oder malen mit Buntstiften.

Omar Daher hat zwei Liedzeilen Wort für Wort auf eine weiße Tafel geschrieben. Erst in arabischer Schrift, dann in latainischer. Nun erklärt er die Aussprache. Minuten später singen die Frauen und Männer gemeinsam das Lied des Syrers. Darin geht es um eine Nachricht. Ist es eine gute, dann gebe sie weiter. Ist es ein schlechte, so behalte sie für dich. „So etwa ist der Inhalt“, erklärt Gerd Schliemann. Der Bützower, auch Mitglied des Chores „Die Brücke“, ist nicht nur wegen seiner musikalischen Leidenschaft nach Qualitz gekommen. Seit August 2014 unterrichtet er Deutsch für Asylbewerber. „Ich habe selbst einmal fünf Jahre in Äthiopien gearbeitet. Ich bin dort sehr gut aufgenommen worden. Jetzt möchte ich etwas zurückgegeben.“ Und er möchte ein Zeichen setzen für die Integration.

Barbara Wetzel, die den Chor des Allerhandvereins leitet, hat die Regie übernommen. „Abendstille überall, nur am Bach die Nachtigall ...“ singt sie vor. Minuten später erklingt ein Kanon durch den Raum. Und als alle inne halten, stimmt jemand aus der zweiten Reihe den „Farbfilm“ von Nina Hagen an. Da gibt es kein Halten mehr. Es wird gesungen, geklatsch, gelacht ...

Mittendrin Dequa aus Somalia. Die junge Mutter, kam vor 16 Monaten mit ihren beiden Kindern nach Deutschland, erzählt sie in Deutsch. Jetzt wurde ihr Asylantrag bestätigt. Sie ist überglücklich. Nun ist sie auf der Suche nach einer Wohnung für ihre kleine Familie.

Der gemütliche Nachmittag, der mit einer gemeinsamen Kaffeetafel begann, neigt sich dem Ende entgegen. Während die großen und kleinen Gäste den Heimweg antreten, ist Barbara Wetzel noch immer ganz berührt. „Das war einfach super. Ich war die Tage zuvor so aufgeregt“, gesteht sie. Dass die Idee vom Liedertausch so toll funktioniert, sei überwältigend.

„An dieser Stelle muss man aber auch mal der Kreisverwaltung ein großes Kompliment machen. Wir hatten um einen Fahrkostenzuschuss gebeten. Ein formloser Antrag auf einem halben Blatt Papier hat ausgereicht. Das Geld war sofort da.“

Und sie hat schon neue Teilnehmer für ihren Chor gefunden. Einige möchten zumindest zur nächsten Chorprobe kommen. Und noch etwas steht fest: Im Januar wird es eine Neuauflage geben vom Liedertausch in Qualitz.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen