Schwaan : „Museum ist nicht tot“

Im Gespräch über Tarnogrockis Kunst: Museumsleiter Heiko Brunner zeigt den Gästen nach der Buchvorstellung die Werke des Künstlers, die dem Schwaaner Museum gehören.  Fotos: Nicole Groth
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Im Gespräch über Tarnogrockis Kunst: Museumsleiter Heiko Brunner zeigt den Gästen nach der Buchvorstellung die Werke des Künstlers, die dem Schwaaner Museum gehören. Fotos: Nicole Groth

Museumsleiter Heiko Brunner und Kunsthistorikerin Lisa Jürß präsentieren Werksverzeichnis zu Otto Tarnogrocki

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22. Januar 2016, 10:00 Uhr

Ein Künstler rückt in den Fokus der Forschung: Bis vor einigen Jahren war Otto Tarnogrocki den Mitarbeitern der Schwaaner Kunstmühle noch unbekannt. Der Zufall brachte es mit sich, dass Museumsleiter Heiko Brunner und Kunsthistorikerin Lisa Jürß die Forschung um den vergessenen Künstler aufnahmen. Ihren Wissensstand mit einer Darstellung der bisher bekannten Werke des Künstlers konnten die beiden in gebundener Form zusammentragen. In der Kunstmühle stellten Brunner und Jürß am Mittwochabend erstmalig ihre Publikation „Otto Tarnogrocki – Ein Malerleben in Mecklenburg und Pommern“ einem interessierten Publikum vor.

„Unsere Forschung ist noch nicht beendet, aber das ist nun unser aktueller Stand“, sagt Brunner. Einem Rostocker Ehepaar sei es zu verdanken, dass Brunner auf Tarnogrocki aufmerksam wurde. Das Ehepaar habe Kontakt zur Familie Tarnogrocki gehabt und pflege das Grab des Künstlers in Nienhagen. Diese Begegnung sollte den Stein zur Tarnogrocki-Forschung ins Rollen bringen.

In Zusammenarbeit mit Kunsthistorikerin Lisa Jürß sammelte Brunner Informationen über das Leben und Wirken des Künstlers. 1875 in Lobsen – heute Lobzenica in Polen – geboren, hielt sich Tarnogrocki Ende des 19. Jahrhunderts für Studienarbeiten in Schwaan auf. Aus dieser Zeit seien Werke erhalten, deren Motive eindeutig der Schwaaner Umgebung zugeordnet werden können. In seinem künstlerischen Werdegang habe Tarnogrocki unter anderem bei Claude Monet gelernt und im Louvre kopiert.

1944 wurden viele Werke des Künstlers in seiner damaligen Heimat in Polen zerstört oder sind seitdem verschollen. Er sei ein fleißiger Maler gewesen. „In der Literatur heißt es, seine Werke stapelten sich meterhoch. Wir schätzen, er hat etwa 1500 Bilder gemalt. Davon sind uns aber bisher nur 80 Exemplare bekannt“, so Brunner.

Bei der Recherche zu dem ehemaligen Schwaaner Künstler sind Brunner und Jürß auf interessante bis amüsante Geschichten gestoßen. Das Verhältnis des Künstlers zur Mutter sei schwierig gewesen. Da sie mit der Berufswahl ihres Sohnes nicht einverstanden war, habe sie Gerüchte verbreitet, er hätte Gehirnerweichung und Fallsucht. Das hielt Tarnogrocki nicht von seiner Arbeit ab.

„Was an seinen Werken fasziniert, ist die hohe Qualität“, sagt Jürß. Tarnogrocki gehöre zu den Malern, die keine Entwicklung in ihren Werken erkennen lassen. „Solche Künstler finden ihre Art zu malen und bleiben dabei“, so die Kunsthistorikerin. Er habe auf die deutsche impressionistische Art gemalt, die nicht den Grad der Abstraktion erreicht habe wie bei den französischen Künstlern. „Er hat sich auf unspektakuläre Themen konzentriert wie Gebäude, Landschaften oder Straßenzüge“, sagt Jürß. Insbesondere seine Ölgemälde seien reich an Licht. „Sie haben eine solche Ausstrahlung, wirken luftig und versprühen Heiterkeit“, so die Kunsthistorikerin. Doch auf die Ölmalerei legte Tarnogrocki sich nicht fest. Auch Aquarelle gehörten zu seinem Repertoire. „Aus einer Bierlaune heraus hat er auch einmal Bilder mit Schuhwichse gemalt, weil der Kellner einfach nichts andere da hatte“, sagt Brunner.

Im vergangen Jahr stellte die Schwaaner Kunstmühle erstmalig die Werke des Künstlers aus. Die meisten Arbeiten seien Leihgaben aus anderen Museen wie etwa dem Pommerschen Landesmuseum in Greifswald. Das Museum sei im Besitz von 14 Werken Tarnogrockis gekommen. „Dann bekamen wir einen Anruf aus Greifswald. Sie wollten sich bei uns über Tarnogrocki informieren. Das war schon was. Als kleines Museum einmal schlauer zu sein als die Großen“, sagt Brunner.

„Museum ist nicht tot. Die Recherche zu Tarnogrocki hat uns Spaß gemacht“, so Brunner. Freuen würden sich der Museumsleiter und die Kunsthistorikerin, wenn ihre Publikation Grundlage weiterer Ausstellungen werde.

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