Wismarer WErkstätten in Bützow : Mitarbeiter erobern neue Räume

Heiko Simolka montiert Gewindebuchsen für die Sohlen von Spezialschuhen, die später Betonbauer tragen.  Fotos: Ralf Badenschier
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Heiko Simolka montiert Gewindebuchsen für die Sohlen von Spezialschuhen, die später Betonbauer tragen. Fotos: Ralf Badenschier

Menschen mit Behinderung haben jetzt noch bessere Arbeitsbedingungen

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15. Januar 2016, 08:00 Uhr

Äußerlich hat sich das markante Gebäude mit seinem spitzen Eingangsbereich aus Glas nicht verändert. Doch im Inneren des ehemaligen Existenzgründerzentrums am Nebelring im Bützower Gewerbegebiet hat sich in den zurückliegenden Monaten einiges getan. Heute ist es die Arbeitsstätte für 62 Mitarbeiter der Wismarer Werkstätten. Und die sind tätig unter anderem für renommierte Unternehmen in Deutschland.

Heiko Simolka drückt mit einer Spezialvorrichtung kleine Gewindebuchsen in eine Gummisohle. Später kommen da Spikes hinein. Diese sind Grundlage für Spezialschuhe für Betonbauer, erklärt Marion Drechsel. Sie ist die Hausleiterin der Wismarer Werkstätten in Bützow. Mit den insgesamt 145 Mitarbeitern ist es der größte Standort der gemeinnützigen GmbH, die Menschen mit Behinderung eine Arbeit gibt.

Nachdem die ursprünglichen Werkstatträume am Nebelring nicht mehr ausreichten, erwarb die GmbH das ehemalige Existenzgründerzentrum auf der anderen Straßenseite. Im vergangenen Jahr sind dort die letzten Unternehmen ausgezogen. Seitdem wurde viel Geld in die Hand genommen, um die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter der Wismarer Werkstätten zu verbessern. „Es war hier sehr laut“, erklärt Mitarbeiter Maik Menzel. Er führt durch die neuen Räume, ist Mitglied des Werkstattrates. „Da kommt man nicht irgendwie rein, sondern wird ganz demokratisch gewählt“, erzählt er. Es gibt regelmäßig Werkstattgespräche, wo über Probleme der Mitarbeiter gesprochen wird. „Doch wir reden auch über Feste und Feiern“, erklärt Menzel.

Gegen die Lautstärke in den neuen Arbeitsräumen habe man ein Mittel gefunden. Die Decken wurden abgehängt, die Räume verschönert. Noch ist nicht alles fertig. In einem wird zum Beispiel noch gemalert.

Der Vorteil des neuen Hauses sei außerdem, dass kleinere Arbeitsbereiche zur Verfügung stehen. „Das ist gerade für unsere Mitarbeiter, die psychische Einschränkungen haben, eine Verbesserung der Arbeitsqualität“, erklärt Marion Drechsel. Sie arbeiten in kleinere Gruppen, haben Rückzugsorte. Gute Voraussetzungen, um auch gute Arbeit zu leisten. Immerhin ist man unter anderem für große Autokonzerne tätig, ebenso für Möbelhersteller. So montieren die Frauen und Männer elektrische Schalter für Audi, VW oder Mercedes. Auch der Möbelhersteller Palmberg lässt in Bützow arbeiten. Es entstehen unter anderem Dekorfächer. Dafür müssen schmale, biegsame Holzblätter geschliffen, beklebt, gebohrt und dann zusammengefügt werden. Aus drei einzelnen Kartons, die gefaltet werden müssen, entsteht eine Kartonbox für medizinische Labortests. Mit dieser Box können zum Beispiel Reagenzgläser sicher transportiert werden können, erklärt Maik Menzel. Alle Tätigkeiten sind so ausgelegt, dass sie den individuellen Fähigkeiten der Mitarbeiter angepasst sind. Ziel ist es, Menschen mit Behinderung die Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen, die Persönlichkeit zu entwickeln, ihre Selbstständigkeit zu erhöhen und sie ins soziale Umfeld zu integrieren.

Mitarbeiter aus Bützow aus dem Bereich Garten- und Landschaftsbau pflegen zum Beispiel Objekte der Wemag und der Eurawasser Nord GmbH. Andere Mitarbeiter konnten auf dem ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden, sind in Gärtnereien, Autowerkstätten oder in der Tiernothilfe tätig, erzählt Marion Drechsel.

Dieses Jahr ist für die Werkstätten ein besonderes: Sie bestehen seit 25 Jahren. Das soll auch in Bützow groß gefeiert werden.

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