Baumgarten : Mit Fotos Kinderzeit verstehen

So bleiben bleien Erinnerungen lebendig: Immer mal wieder schaut Manü Matz in das Fotoalbum mit Aufnahmen aus den ersten Jahren ihres Lebens.
So bleiben bleien Erinnerungen lebendig: Immer mal wieder schaut Manü Matz in das Fotoalbum mit Aufnahmen aus den ersten Jahren ihres Lebens.

Manü Matz hütet das Album mit Aufnahmen aus ihren ersten Lebensjahren, das einst ihre Mutter angelegt hat

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29. März 2020, 19:00 Uhr

„Wenn Du selbst Kinder hast, überlegst du plötzlich, wie war das mit der eigenen Kindheit“, sagt Manü Matz aus Baumgarten. Denn es sei leichter, Dinge zu verstehen, die die eigenen Kinder tun, wenn wir wissen, wie das in der eigenen Kindheit war. Doch wie war diese eigene Kindheit? Manü Matz konnte lange Zeit diese Frage nicht so richtig beantworten, zumindest bezogen auf die Zeit bis zu ihrem achten Lebensjahr. Erst ein Fotoalbum half ihr dabei. Ihr allererstes, das sie einst von ihrer Mutter bekam.

Manü Matz ist vor 45 Jahren in Neubrandenburg geboren, aufgewachsen und dort auch zur Sportschule gegangen, machte ihr Abitur und lernte erstes Bauzeichnerin, danach Veranstaltungskauffrau. Als sie in der ersten Klasse war, trennten sich ihre Eltern. „Ich weiß, dass es damals nicht leicht war für mich. Vielleicht war diese Trennung auch das traumatische Erlebnis für mich, was alle meine vorherigen Erinnerungen auslöschte. Ich weiß nicht mal mehr, wie meine Mutter und mein Vater damals aussahen.“

Das Fotoalbum sei ihr deshalb besonders wichtig, an dem sie sich heute festhalten kann. „Und ich denke auch, dass ich deshalb zur Fotografie gekommen bin und heute bevorzugt Kinder porträtiere. Denn ich weiß, hinter einem Foto steckt immer eine Geschichte, eine Situation, mehr noch eine Emotion, an die man sich als Erwachsener beim Betrachten der Bilder wieder erinnert.“

Ab der 2., 3. Klasse kann sich Manü Matz wieder erinnern. Sie weiß noch, wie stolz sie war, als sie ihre Halbgeschwister auf dem Arm tragen durfte, weiß noch, wie erkältet sie war und wie schmerzlich Ohrenentzündungen sind. Und sie weiß auch noch, wie sie mit ihrem Stiefvater oft stundenlang in der Dunkelkammer gesessen und Bilder entwickelt hatte.

Zunächst allerdings hatte Manü Matz die Malerei als Hobby gepflegt, bevorzugt Porträts gezeichnet. Als sie dann in ihrem zweiten Beruf als Veranstaltungskauffrau tätig war, griff sie immer wieder zur Kamera, um Bühnenszenen zu fotografieren. Dafür kaufte sie ihre erste Kamera, die Malerei trat in den Hintergrund. „Die Malerei ist eine Momentaufnahme, die Fotografie kann eine Geschichte erzählen“, sagt Manü Matz.

Mit der Kamera probierte sie viel aus und schrieb akribisch die Daten der Fotos auf. Irgendwann folgten Weiterbildungen in Sachen Fotografie und irgendwann wurde die Fotografie ihr Beruf. Heute lebt die 45-Jährige in Baumgarten, hat sich nun, nach eigenen Geschäften in Güstrow und zuletzt in Bützow, in ihrem Haus ein Atelier eingerichtet.

Manü Matz möchte mit ihren Fotos das Besondere zeigen. Sie fotografiert alles, aber, wie schon erwähnt, fotografiert sie am liebsten Kinder. Ihr Atelier biete ihr dafür die perfekte Plattform. „Ich lasse die Kinder erst einmal spielen. Bei mir gibt es keine gestellten Fotos. Die Aufnahmen sollen ehrlich sein, ungezwungen, kindlich eben.“ Deshalb könne es passieren, dass die Kinder stundenlang spielen, während sich die Fotografin mit der Mutter unterhält. Dabei verliert Manü Matz das kindliche Spiel nicht aus den Augen, um dann im richtigen Moment auf den Auslöser zu drücken. „Schließlich soll das Kind sich auch im Erwachsenenalter an genau diesen Tag, diese Situation und alles drumherum erinnern können und sich nicht in dem Foto als Fremde sehen“, erklärt die 45-Jährige.

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