Bützow : Mit Blaulicht zur Grundschule

Die Maronen – ein baugebundenes Kunstwerk des Hallenser Bildhauers Peter Michael – wurden einst für die Kopernikus-Schule angefertigt. Heute macht die Sitzgruppe vor der Bauruine einen bemitleidenswerten Eindruck.
Die Maronen – ein baugebundenes Kunstwerk des Hallenser Bildhauers Peter Michael – wurden einst für die Kopernikus-Schule angefertigt. Heute macht die Sitzgruppe vor der Bauruine einen bemitleidenswerten Eindruck.

Die Maronensitzgruppe vor der ehemaligen Kopernikus-Schule wird versetzt

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19. März 2016, 05:00 Uhr

Nun also doch: Die Maronensitzgruppe bekommt einen neuen Standort. Schon nächste Woche ist der trostlose Anblick wohl Vergangenheit.

Die Sitzgruppe an der früheren Kopernikus-Schule ist seit langem Thema in der Stadt. Bützower hatten sich immer wieder dafür stark gemacht, dass das Kunstobjekt versetzt wird. Sogar Interessenten, die das Kunstobjekt kaufen wollten, hätten sich bei Martin Kanitz, der das Grundstück vor gut zwei Jahren samt Sitzgruppe gekauft hatte, gemeldet. Im vergangenen Frühjahr landete das Thema schließlich auf der Tagesordnung einer Stadtvertretersitzung, wo die Entscheidung fiel, dass die Sitzgruppe an die Grundschule versetzt werden soll. Danach passierte wenig, das Thema ruhte. Die Stadtverwaltung war nach dem Tornado – der nur wenige Wochen nach dem Beschluss wütete – mit den Aufräum- und Reparaturarbeiten beschäftigt. Doch fast ein Jahr später kommt nun wieder Bewegung in das Projekt.

Der Schulhof mit grünem Klassenzimmer wurde nach dem Wirbelsturm neu geplant. Darin sei auch die Sitzgruppe eingeordnet worden, informiert Bauamtsleiterin Doris Zich.

„In der nächsten Woche werden wir auf dem Schulhof einen Aushub machen“, kündigt Gerhard Schmidt, Geschäftsführer der Cable Engineering Nord GmbH mit Sitz in Güstrow , an. Schmidt hatte sich vor mehr als einem Jahr bereit erklärt, die Maronen zu versetzen – ohne, dass dadurch Kosten für die Stadt entstehen. Und auch ein Jahr später steht er fest zu seinem Wort und steckt mitten in den Vorbereitungen, nachdem nun alle nötigen Absprachen mit der Stadt getroffen wurden. Der Bagger stehe schon bereit, sodass es nun auch wirklich losgehen kann.

Das entstandene Loch wird nach dem Abtransport des Objektes mit Kies verfüllt und verdichtet, klärt Schmidt auf. So sei kein Punktfundament nötig. Anschließend steht die größte Herausforderung an: der Transport. Unterstützung bekommt er dabei vom EGN-Baumarkt in Bützow. Und auch die Polizei ist mit im Boot, denn die Sitzgruppe wird auf der Straße für Behinderungen sorgen. „Sie wollen uns dann mit Blaulicht begleiten“, sagt Gerhard Schmidt. Sobald die Maronen am neuen Standort angekommen sind, bekommen sie einen Bauzaun „und werden dann instand gesetzt“, so der Bützower.

Vorher reparieren zu wollen, mache wenig Sinn, denn „beim Transport kann ja noch mehr beschädigt werden“, erklärt Schmidt. Stadtvertreter Peter Müller (SPD) habe seine Hilfe für die Reparaturen zugesagt, sodass mit etwas Glück nach den Osterferien das Langzeitprojekt Maronensitzgruppe doch noch ein gutes Ende findet. Er sei froh und glücklich, dass Martin Kanitz so viel Geduld hatte. Dieser hatte das Kunstobjekt zur Sicherheit absperren lassen, damit es trotz der Arbeiten an den Gebäuden keinen weiteren Schaden nimmt.

 Unikum in jeder Hinsicht - ein Kommentar von Sabine Herforth

„Gut Ding will Weile haben“, heißt es so schön in einem Sprichwort. Aber im Fall der Maronensitzgruppe brauchte es eher einen langen Atem. Viele Bützower wollten das Kunstobjekt vor dem Verfall bewahren, stießen immer wieder Diskussionen an. Zuletzt spukte das Thema über ein Jahr durch Sitzungen, Beratungen und auch unsere Redaktion – nicht selten wurde die Diskussion von einem Augenverdrehen begleitet.   Denn was diese Sitzgruppe angeht, spalten sich wahrlich die Gemüter. Für die einen ein in die Jahre gekommenes Kunstwerk, das den Aufwand nicht lohnt. Für die anderen ein Schatz, der unwiederbringbar verloren ginge.  Doch beide Seiten vereint, dass mit dem neuen Standort zumindest die Debatten ein Ende haben sollten.

Die Schule jedenfalls kann sich über ein Unikat freuen, dass sonst kein anderer zu bieten hat.

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