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Drogenprozess in Rostock : Milde Strafen für Beihilfe beim Drogenanbau

vom
Aus der Onlineredaktion

Landgericht Rostock verkündet Urteil im Prozess wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln

svz.de von
erstellt am 03.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Das Landgericht Rostock hat die Urteile gegen Thi Trai (40) aus Rostock und Hong Nguyen (47) aus Hameln verkündet. Wegen Beihilfe zum unerlaubten Handeltreiben mit Betäubungsmitteln wurde Thi Trai zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Der 47-Jährige erhielt eineinhalb Jahre und eine Geldbuße von 3600 Euro. Eine Strafe wegen uneidlicher Falschaussage zog das Gericht in sein Urteil mit ein. Die Freiheitsstrafen wurden für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Die beiden Angeklagten waren Zeugen in einem großen Drogenprozess, der vor dem Landgericht von September 2011 bis Mai 2012 geführt wurde. Der damalige Hauptangeklagte, ein in Rostock lebender Vietnamese, hatte in Tarnow und in Gnemern einsam gelegene Gehöfte angemietet, um Cannabisplantagen aufzubauen. Dazu bediente er sich armer Landsleute, die unter unmenschlichen Bedingungen als Gärtner auf den Plantagen arbeiten mussten. Sie sprachen kein Wort Deutsch und er nahm ihnen ihre Pässe ab. Er erhielt damals eine Haftstrafe von sieben Jahren und neun Monaten.

Für das Gericht gab es keine Zweifel daran, dass die Angeklagte Thi Trai, seine damalige Lebensgefährtin und jetzige Ehefrau, in den Plan eingeweiht war. Sie wusste von beiden Häusern und mietete ein Schließfach bei der Ostseesparkasse an, in dem die Pässe ihrer Landsleute verwahrt und große Geldsummen gebunkert wurden. Sie selbst profitierte in erheblichem Maße von den Einnahmen der Drogenverkäufe.

Hong Nguyen wirkte als Strohmann. Er war in Peine von einem Landsmann angeworben worden. Er unterschrieb den Mietvertrag für das Einfamilienhaus in Gnemern, zahlte monatlich 700 Euro Miete für das Gehöft und schloss den Stromvertrag ab. Als Zeuge in dem großen Drogenprozess hatte er wahrheitswidrige Aussagen gemacht. Er hätte nichts gewusste und sei auch bei der Unterzeichnung des Mietvertrages für Gnemern nicht dabei gewesen.

Das Gericht ging von insgesamt 120 Kilogramm Marihuana aus, die in Tarnow und Gnemern geerntet worden waren. Für 3500 Euro je Kilogramm wurden die Drogen im In- und Ausland verkauft. 420 000 Euro seien insgesamt eingenommen worden, die eingezogen wurden.

Hong Nguyen und Thi Trai legten Geständnisse ab, die das Gericht zu ihren Gunsten wertete. Beide Angeklagten sind zudem nicht vorbestraft. Hinzu kam die lange Verfahrensdauer, für die sie nicht verantwortlich sind, und Hong Nguyen hat einen Teil des großen Schadens, der durch den Cannabisanbau in den Häusern angerichtet wurde, ersetzt. Das Gericht bezog auch die günstigen Sozialprognosen der Angeklagten mit ein. Thi Trai machte in Vietnam ihr Abitur und erhielt eine Apotheker-Ausbildung in Hanoi. Heute ist sie Nageldesignerin. Hong Nguyen arbeitet als Küchenhilfe und ist zweifacher Familienvater.

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