Bützow : Mehr als reine Berufsberatung für Jugendliche

Eine Belohnung für die gute Mitarbeit: Die Jugendlichen der Jugendberufsagentur Bützow machen unter der Führung von Fritz Hossmann einen Ausflug mit einem Drachenboot auf dem Bützower See.
Eine Belohnung für die gute Mitarbeit: Die Jugendlichen der Jugendberufsagentur Bützow machen unter der Führung von Fritz Hossmann einen Ausflug mit einem Drachenboot auf dem Bützower See.

In Bützow haben Heranwachsende eine Anlaufstelle, die eine Zukunftsperspektive bietet.

svz.de von
09. Juni 2018, 10:00 Uhr

Vom Zeitungs- und Buchautor zum Gondoliere: Fritz Hossmann, der viele Leser mit seinen „Geschichten aus dem Schuhkarton“ begeistert, zeigt Jugendlichen, wie man auf einem Drachenboot richtig vorwärts kommt. „Das ist eine Belohnung für die Jugendlichen“, sagt Grit Kunkel-Broese von der Jugendberufsagentur Landkreis Rostock. In der Bützower Außenstelle ist sie Ansprechpartnerin für Jugendliche von 15 bis 27 Jahren, die Unterstützung auf dem Weg ins Berufsleben benötigen. Seit knapp einem Jahr greift ihr dabei Gudrun Lidzba unter die Arme.

Gemeinsam helfen sie Jugendlichen dabei, Zukunftsperspektiven zu entwickeln und erste Schritte hin zu einer Ausbildung zu machen. Dabei gilt es für sie erstmal, das Vertrauen ihrer Schützlinge zu gewinnen. Ohne funktioniert es nicht, wissen sie. „Wir schauen erstmal, welche Probleme es gibt, bevor wir über Ziele sprechen. Oft haben Jugendliche Schulden, waren lange arbeitslos oder haben anderweitige Probleme. Wir nehmen sie ernst, hören uns ihre Sorgen an. Wir sind an die Schweigepflicht gebunden und geben nichts weiter“, erklärt Grit Kunkel-Broese.

„Wir müssen sehr kleinschrittig vorgehen. Der erste Schritt ist meistens, die Jugendlichen dazu zu bringen, sich an eine Terminabsprache zu halten. Danach, einen persönlichen Zugang zu ihnen zu finden“, sagt Gudrun Lidzba. Wenn sie gut mitmachen, dann darf eine Belohnung wie eine Fahrt auf dem Drachenboot nicht fehlen. Diese Form der Unterstützung sorgt für Erfolg. Im vergangen Jahr hat die Jugendberufsagentur in Bützow ein Drittel ihrer Klienten an einen Ausbildungsbetrieb oder in Einstiegsqualifikationen vermittelt.

„Letzteres sind quasi bezahlte Praktika in einem Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten. In diesen gehen die Jugendlichen auch schon zur Berufsschule. Und wenn alles gut klappt und sie im Anschluss eine Ausbildung bekommen, dann kann diese auch entsprechend verkürzt werden“, erklärt Frank Milbradt.

Als Ausbildungsberater und Koordinator für Berufsorientierung der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern ist er regelmäßig in Bützow, vermittelt den Heranwachsenden die Vielfalt der Handwerksberufe. „Mein Motto ist immer: Theoretisch kannst du alles werden, praktisch auch. Wenn ich die Heranwachsenden frage, wie viele Ausbildungsberufe im Handwerk sie kennen, kommen sie meistens so auf 20. Tatsächlich gibt es aber über 130 Ausbildungsmöglichkeiten“, so Frank Milbradt.

Ein Beispiel für den Erfolg dieser Mischung aus Zuhören und Sozialpädagogik auf der einen und Berufsberatung auf der anderen Seite ist der 20-jährige Brian Völker aus Bützow. Seit einem Jahr kommt er zur Jugendberufsagentur, hat in der Zeit zwei Praktika gemacht – , eines bei der Tafel, eines bei einem Bäcker. Die Arbeit in der Backstube hat ihn vollends begeistert.

„Mittlerweile freue ich mich regelrecht auf die Arbeit. Ich habe vor, auch eine Ausbildung zum Bäcker anzufangen“, sagt Brian Völker. Bei ihm sei die Motivation von alleine gekommen. „Es ging mir mit der Zeit auf den Keks, dass ich zu Hause war, während Freunde und Bekannte in der Schule oder auf der Arbeit waren.“ Und so hat er auch seinen Schulabschluss nachgeholt.

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