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Erhard-Bräunig-Preis : Mehr Akzeptanz für Autismus

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Die Schwaanerin Rosita Mewis setzt sich für Menschen mit der Behinderung ein

Große Überraschung für Rosita Mewis: Die Schwaanerin wurde für den Erhard-Bräunig-Preis nominiert. Der Preis – benannt nach dem mecklenburgischen SPD-Politiker Erhard Bräunig – wird in diesem Jahr erstmals an vorbildliche Ehrenamtler verliehen.

Rosita Mewis ist eine der Kandidatinen für den mit 5000 Euro dotierten Preis. Sie ist eine von zwei Vorsitzenden des Landesverbandes Autismus Mecklenburg-Vorpommern. Gemeinsam mit ihrem 28 Mitglieder starken Verband kümmert sie sich ehrenamtlich um die Bedürfnisse und Anliegen von Autisten und deren Angehörigen. Ihre Hauptziele: „In erster Linie geht es um das Networking“, so Rosita Mewis. Es sei wichtig, möglichst viele Partner an einen Tisch zu kriegen und auch andere Vereine, die vielleicht überschneidende Ziele und Interessen haben, zu mobilisieren.

So seien förderliche Kooperationen möglich. Außerdem möchte sie das Verständnis Autismus wecken. Denn das Bewusstsein für die Behinderung sei in vielen Köpfen noch nicht angekommen. „Es geht hierbei um die Sensibilisierung für das Thema. Und das nicht nur bei medizinischem und pädagogischem Personal, sondern generell“, so Rosita Mewis. Dafür bietet der Landesverband häufig Tagungen, Lesungen und Dokumentarfilme an – vor allem in Rostock. Rosita Mewis würde sich jedoch auch mehr solche Aktionen in den anderen Städten des Landes wünschen. „Mir wäre es wichtig, Tagungen auch in Schwerin, Greifswald und Stralsund anbieten zu können. Dafür bedarf es aber auch der Kooperation mit den örtlichen Selbsthilfegruppen und den Gesundheitsämtern vor Ort.“

Zudem bemüht sich der Verband um Öffentlichkeitsarbeit, nicht zuletzt um Spenden zu sammeln und sein Netzwerk für noch bessere Umsetzung geplanter Projekte auszubauen. So hat der Landesverband Autismus zum Beispiel einen dreitätigen Deeskalationsworkshop für eine Mutter mit einem autistischen Kind finanziert. Die Hilfe, so Rosita Mewis, könne auf vielen Ebenen erfolgen. Auch solche kleinen Aktionen könnten den Betroffenen und ihren Angehörigen große Erleichterung verschaffen.

Rosita Mewis’ Weg zum Vorsitz des Landesverbandes ist persönlich geprägt. Denn die heutige Rentnerin hat selbst einen frühkindlich-autistischen Sohn, der auf eine ständige Betreuung angewiesen ist. Bis vor zwei Jahren wurde er zu Hause gepflegt, nun lebt der 38-Jährige in einem Wohnheim.

Damals habe sie sich unendlich hilflos mit der Situation gefühlt, denn in der DDR sei Autismus als Krankheit nicht anerkannt gewesen. Hilfestellungen und Beratungen blieben aus. Rosita Mewis wollte diese Erfahrung anderen Eltern mit autistischen Kindern nicht zumuten und engagierte sich zuerst in einer Selbsthilfegruppe. Daraus entstand dann 2009 der Landesverband.

Direkt nach der Wende war der Informationsbedarf über Autismus groß und der Landesverband organisierte das erste Feriencamp für Autisten. Auch heute ist die Nachfrage groß. „An den Verband treten ständig Interessierte, zum Beispiel aus medizinischen Einrichtungen, heran“, sagt Rosita Mewis. Ein Ziel sei auch die Weiterbildung von Heilerziehungspflegern und Pädagogen. Dafür organisierte der Verband ein Pilotprojekt in einer Ausbildungsstätte beim medizinischen Institut in Rostock – mit sehr guter Resonanz.

Rosita Mewis plant, weiterhin im Verein tätig zu bleiben. „Das ist mir ein wichtiges Anliegen“, so die Rentnerin. Ziel ist es nun, Workshops zu speziellen Themen des Autismus zu organisieren, die Vernetzung weiter anzukurbeln und Experten aus der Medizin und Psychologie hinzuzuziehen.

Eine weitere Nominierung für den Bräunig-Preis erhielt übrigens Monika Thomsen, die sich mit dem Verein Bützower für Gambia engagiert.

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erstellt am 27.Okt.2016 | 12:00 Uhr

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