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Bützower Zeitung

20. August 2017 | 21:17 Uhr

Bützow : Maurerkluft und Prüfungsstress

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Marleen-Theres Gieseking absolviert eine Ausbildung zur Maurerin / Zusätzlich macht sie in Wismar den Bachelor in Bauingenieurwesen

Wenn Marleen-Theres Gieseking abends nach Hause kommt, spürt sie die Arbeit des Tages in allen Knochen. Kein Wunder, muss sie doch Mauern aufbauen und wieder abreißen, Straßen pflastern oder Tiefbauarbeiten erledigen. Die 20-Jährige macht eine Ausbildung zur Maurerin. Damit ist sie eine von sehr wenigen Frauen, die diesen Berufszweig einschlagen. In ihrem Jahrgang sei sie die einzige, ein Lehrjahr weiter gebe es noch eine, erzählt die Bützowerin.

Die Ausbildung hat es in sich, ist nicht nur körperlich, sondern auch fachlich anspruchsvoll. Denn Marleen-Theres hat sich für einen dualen Weg entschieden. So arbeitet sie nicht nur auf den Gesellenbrief hin, sondern studiert an der Hochschule Wismar zusätzlich noch Bauingenieurwesen. Den praktischen Teil absolviert sie im Abc Bau Ausbildungscentrum der Bauwirtschaft in Rostock. Gemeinsam mit anderen Lehrlingen hat sie im vergangenen Jahr die Grundlagen des Maurerberufs erlernt. In einer eigenen Halle stapeln die Auszubildenden Stein auf Stein, abends werden die Übungsmauern dann wieder abgerissen. Darüber hinaus hat Marleen-Theres schon einen Dachstuhl gezimmert und unter anderem Einblicke in Tief-, Straßen- und Trockenbau erhalten.

Das Studium stand im vergangenen Jahr an zwei Tagen in der Woche im Mittelpunkt. In Wismar lernte Marleen-Theres unter anderem die Grundlagen der Bauphysik und der Baukonstruktion kennen. Für eine Hausarbeit habe sie gerade ein komplettes Haus geplant. Dabei kommt ihr das duale Lernsystem zugute. „Das Wissen aus dem praktischen Teil hilft schon extrem“, sagt Marleen-Theres.

„Die Inhalte der Ausbildung sind sehr vielfältig“, sagt Vater Maik Gieseking, der die Firma MG Massivbau Ideen leitet, die auch Marleen-Theres’ Ausbildungsbetrieb ist. „Das eröffnet Möglichkeiten, die es in dem Berufszweig früher so nicht gegeben hat. Damit kann sie auch international arbeiten.“ In welchem Feld sie sich später spezialisieren möchte, weiß Marleen-Theres jetzt noch nicht. Sie könne sich aber vorstellen, an das Bachelorstudium später auch noch den Master ranzuhängen.

Auf die Idee, überhaupt in diese Richtung zu gehen, kam Marleen-Theres allerdings erst auf den zweiten Blick. Eigentlich wollte sie Köchin werden, nach einem Praktikum hat sie sich noch einmal umentschieden. Vom Vater ging schließlich der Vorschlag aus, es im handwerklichen Bereich zu versuchen.

Die ersten zwei Semester hat Marleen-Theres schon hinter sich, in der vergangenen Woche ging die Prüfungsphase zu Ende. Neben der Arbeit zu lernen sei zwar anstrengend, aber sie habe sich an das Pensum gewöhnt, sagt die 20-Jährige. Gewöhnen musste sie sich auch an die körperlichen Anstrengungen, die ihr der praktische Teil abverlangt. „Ich hatte anfangs Muskelkater an Stellen, an denen ich vorher gar keine Muskeln gespürt habe.“ Bei allzu schweren Arbeiten würden ihr die Männer in ihrem Jahrgang auch schonmal behilflich sein. Vorurteile spielen da keine Rolle.

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