Alltag einer Pflegekraft : „Man braucht ein dickes Fell“

Medikamente für die Bewohner zusammenstellen gehört für Diana Eikelberg zur täglichen Arbeit.
Medikamente für die Bewohner zusammenstellen gehört für Diana Eikelberg zur täglichen Arbeit.

Diana Eikelberg arbeitet als Pflegekraft im Haus Eichengrund in Bützow. Freud und Leid liegen in ihrem Alltag eng beieinander

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04. März 2016, 05:00 Uhr

Den ganzen Tag Urin und Kot alter Männer und Frauen wegwischen und dafür auch noch schlecht bezahlt werden: Damit verbinden viele den Beruf der Pflegekraft. Diana Eikelberg aus Neu Bernitt kann sich nicht vorstellen, jemals wieder einen anderen Beruf auszuüben. Denn für sie mache das Arbeiten mit alten Menschen mehr aus, als sie nur zu waschen.

Die gelernte Einzelhandelskauffrau wagte vor rund sechs Jahren den Wechsel in die Pflegebranche. Schon immer wollte sie beruflich mit Menschen zu tun haben. Vor allem aber möchte Diana Eikelberg ihnen helfen. Nach einem einwöchigen Praktikum im Haus Eichengrund in Bützow war ihr klar: „Das möchte ich machen.“ Es folgten zwei Jahre als Pflegehilfskraft bis sie die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft absolvierte.

Doch trotz ihrer Entschlossenheit hatte Diana Eikelberg Startschwierigkeiten. „Ich wusste nicht, ob ich mit den vielen Gerüchen klar komme“, sagt sie. Vor allem erwachsenen Menschen eine Windel an- und auszuziehen, wäre für sie ungewohnt. Mittlerweile sei diese Tätigkeit für sie Routine.

Dass sich die Bewohner wohlfühlen, sehe Diana Eikelberg als ihre Hauptaufgabe an. „Ich fühle mich hier wie in einer großen Familie“, sagt sie. Zu sehen, wie sich die Bewohner freuen, wenn sie ihre Schicht antrete, mache Diana Eikelberg glücklich. Auf die Kleinigkeiten komme es an. „Für mich ist es ein guter Tag, wenn ich jemandem eine Freude bereiten konnte. Das sind manchmal ganz einfache Dinge, wie etwa einer Bewohnerin ein bestimmtes Handtuch zu bringen.“ Die Dankbarkeit der Männer und Frauen sei Diana Eikelbergs Motivation, ihren Beruf auszuüben.


Auch Bewohner haben mal schlechte Tage


Doch nicht nur Freude sondern auch Kummer, Leid und Tod zu erfahren, gehören zum Beruf der Altenpflegerin dazu. „Natürlich bin ich traurig, wenn ein Bewohner verstirbt, aber das Gefühl will ich nicht mit nach Hause nehmen.“ An schöne Erlebnisse erinnere sich Diana Eikelberg jedoch gerne zurück. So habe sie mit einem Bewohner auf einem Fest im Haus Eichengrund ein Tänzchen gewagt. „Er war schon über 90 Jahre alt und hatte sichtlich Freude an der Aktion“, erzählt sie.

Wer in diesem Beruf Fuß fassen möchte, der müsse es auch wirklich wollen, so Diana Eikelberg. Ein Praktikum zu absolvieren, helfe bei der Entscheidung. Denn auch wenn die Pflegefachkraft stets versucht, alle Bewohner froh zu stimmen, gibt es auch weniger schöne Momente, mit denen sie umgehen müsse. „Jeder hat mal einen schlechten Tag – auch unsere Bewohner. Dann fängt schon mal einer an, zu schimpfen. Man braucht also ein dickes Fell für den Beruf“, sagt sie.

Nicht zu verachten sei neben der Pflege das Maß an Wissen, dass sich angehende Pflegekräfte aneignen müssen. In der Ausbildung lernte Diana Eikelberg nicht nur die Bewohner zu verstehen , sondern büffelte auch für Anatomie und Medizin und lernte ihren Arbeitsalltag zu organisieren.

„Ich denke, der Beruf ist in der Gesellschaft nicht beliebt, dabei ist die Pflege doch so wichtig. Gerade Mecklenburg-Vorpommern wird immer älter und unsere Bewohner sind dankbar, hier Unterstützung zu finden. Es ist gut, dass es solche Pflegeeinrichtungen wie das Haus Eichengrund gibt“, sagt Diana Eikelberg.

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