Künstlerkolonie Schwaan : Malende Frauen sind nun bekannt

Mecklenburgisches Dorf im Sommer – ein Ölbild auf Leinwand von Hedwig von Germa. Sie zählt zu den vermutlichen Malerinnen zu Zeiten der Künstlerkolonie. Repro: Nicole Groth (2)
1 von 2
Mecklenburgisches Dorf im Sommer – ein Ölbild auf Leinwand von Hedwig von Germa. Sie zählt zu den vermutlichen Malerinnen zu Zeiten der Künstlerkolonie. Repro: Nicole Groth (2)

Die Schwaaner Kunstmühle kann Malerinnen aufgrund ihrer Motive der Künstlerkolonie zuordnen. Bilder sind zu besichtigen

svz.de von
31. März 2016, 08:00 Uhr

Frauen erobern sich den Platz in einer Männerdomäne: Galten bisher nur Maler der Schwaaner Künstlerkolonie zugehörig, kommen nun Anzeichen für das Schaffen weiblicher Künstler in der Warnowstadt ans Tageslicht. Seit Kurzem sind die Bilder vier potenzieller Kandidatinnen in der Schwaaner Kunstmühle zu besichtigen.

„Bei einer Haushaltsauflösung fanden wir das Foto, auf dem eine malende Frau abgebildet ist. Im Hintegrund ist der Schwaaner Kirchturm zu erkennen. Das gab uns den Anstoß dazu, intensiver nach Malerinnen in der Künstlerkolonie zu recherchieren“, sagt Heiko Brunner, Leiter des Kunstmuseums. Um wen es sich bei der Frau auf dem Foto handelt, ist bisher nicht bekannt. Hinweise dazu nehmen die Mitarbeiter der Kunstmühle gern entgegen wie auch solche, um weitere Malerinnen in Schwaan nachweisen zu können.

In der Kunstmühle sind die Arbeiten der Malerinnen Helene Dolberg, Hedwig von Germar, Ilse Jonas und Erna Heinsohn zu besichtigen. „Dolberg ist uns schon lange als Künstlerin, die in Schwaan malte, bekannt. Bei Heinsohn sehen wir im Moment nur die Verbindung zu ihrem Bruder Alfred Heinsohn, der zur Künstlerkolonie gehörte“, sagt Brunner. Dalberg habe in Rostock gearbeitet. Durch ihre in Schwaan lebende Schwester bestand die Verbindung zur Warnowstadt. Das ausgestellte Bild ist auf der Rückseite mit dem Titel „Motiv bei Schwaan“ beschriftet. Das Ölgemälde auf Karton soll um 1920 entstanden sein. Zu sehen ist der Blick auf die Stadt von der Fritz-Reuter-Straße aus. Daneben hängt ein Bild von Ilse Jonas. Betitelt als „An der Warnow bei Schwaan in Mecklenburg“ entstand das Gemälde 1916. „Dass dieses Bild hier hängt, verdanken wir einer Familie aus Hamburg. Der Neffe Ilse Jonas forschte im Familienstammbuch. Er stellte uns eine Kopie zur Verfügung. Die zeigt ein Bild betitelt als „Scheune von Wiendorf“. Das Bild ist in Mischtechnik auf Papier gestaltet“, so Brunner. Mit den zwei Werken, die Schwaaner Motive zeigen, zähle auch sie zu den malenden Frauen der Zeit.

Die letzte im Bunde ist Hedwig von Germa. Geboren in Weimar besuchte sie die dortige Malschule, in der der Schwaaner Franz Bunke lehrte. In den Sommermonaten nahm er regelmäßig Schüler zu Malstudien mit in die Warnowstadt. Das Ölgemälde betitelt als „Mecklenburgisches Dorf im Sommer“ lässt auf einen Besuch der Malerin in Schwaan schließen.

Die Forschung um weibliche Malerinnen in Schwaan gestalte sich schwierig, so Brunner. „Nicht viele Frauen malten zu dieser Zeit. Meist wurden ihre Arbeiten als Hausfrauenmalerei abgestempelt. Es gehörte viel Stärke dazu, sich als Künstlerin durchzusetzen“, sagt der Museumsleiter. Somit sei sowohl die Anzahl malender Frauen als auch der noch vorhanden Werke eingeschränkt. „Doch wir recherchieren weiter.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen