Bützow : Mahnmal der Geschichte

In den Ausstellungsräumen des Heimatmuseums hat der Balken jetzt einen Platz gefunden. Ihn dort hinzubekommen, war nicht einfach, erzählen Annette Hübner (links) und Sabine Prescher.
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In den Ausstellungsräumen des Heimatmuseums hat der Balken jetzt einen Platz gefunden. Ihn dort hinzubekommen, war nicht einfach, erzählen Annette Hübner (links) und Sabine Prescher.

Im Heimatmuseum ist ein historischer Hausbalken ausgestellt, der mit einer Inschrift an den Stadtbrand von 1716 erinnert

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17. Mai 2017, 12:00 Uhr

Das Bützower Heimatmuseum ist um eine Attraktion reicher: Die bereits ausgestellten Exponate im Obergeschoss des Krummen Hauses werden durch einen etwa fünf Meter langen Holzbalken ergänzt. Das massive Ausstellungsstück ist durch den Umzug des Depots vom Bürgerhaus in die Musikschule wieder in den Fokus der Museumsleitung geraten. Denn während die anderen Stücke in den neuen, beheizten Räumen gut aufgehoben sind, ist das für den Balken nicht die richtige Umgebung, sagt Sabine Prescher, Leiterin des Krummen Hauses. „Das ist für das Holz nicht gut.“ Hinzu kommt auch die Größe des Balkens, der zwar nicht mehr in einem Stück ist, aber dennoch für die kleinen Räume des neuen Depots viel zu groß.

Der ursprünglich fast zehn Meter lange Holzbalken gehörte früher zum Haus Gödenstraße 15 – ein Eckhaus an der Stelle, wo heute die SVZ-Redaktion zu finden ist. Als das Gebäude in den 1990er-Jahren abgerissen wurde, fiel die Entscheidung, den Balken im Museum aufzubewahren. Damals noch ganz, war er zu groß für die Ausstellungsräume, die sich zu dieser Zeit noch im Schloss befanden, und wurde daher auf dem Boden liegend vor dem Schloss abgelegt. „Das gab viel Protest aus der Bevölkerung. Die Leute befürchteten, dass der Balken so Schaden nimmt“, berichtet Sabine Prescher.

Als das Heimatmuseum im Jahr 2000 schließlich ins Krumme Haus zog, wanderte der Balken mit. „Er lag dann hinter dem Haus, was wieder für viel Aufregung sorgte“, sagt die Museumsleiterin. Schließlich wurde entschieden, dass der Balken beim Bauhof zwischengelagert werden soll. Beim Transport dorthin zerfiel er dann in zwei Teile. Als das Museum schließlich im Bürgerhaus sein Depot bekam, bekam der Balken dort seine Heimstatt. „Wir haben in dieser Zeit immer dafür gesorgt, dass er gepflegt wird. Alle zwei Jahre wurde er mit Firnis und Öl eingepinselt, um ihn vor dem Verfall zu schützen“, erzählt Sabine Prescher.

Der Balken ist aber nicht nur ein Erinnerungsstück aus längst vergangenen Tagen, sondern auch eine Art Mahnmal. Denn er wird von einer Inschrift geziert, die an den verheerenden Stadtbrand von 1716 erinnert: „Was anno 1716 den 10. August von dieser Stelle durch den großen Brand ist weggeraubet, steht Anno 1717 den 10. Mai hier schon wieder durch Gottes und Fürsten Gnad gebauet“.

Beim Entziffern des Textes, der heute nur noch schwer erkennbar ist, bekamen die Bützower Hilfe von der Archäologin Beate Heyn. „Sie hat alles original festgehalten“, erzählt Museumsmitarbeiterin Annette Hübner, die den Balken als besonderes Zeitdokument sieht. „Fast jede Stadt hatte einen großen Brand, aber ob es überall auf so eine Weise dokumentiert ist, wage ich zu bezweifeln.“ Dem stimmt auch die Museumsleiterin zu. Sie sieht den Balken als Aufwertung der Sammlung – auch wenn er zeitlich eigentlich gar nicht zum Rest der Sammlung passt. Dennoch: „Es ist uns wichtig, Exponate zu haben, die nicht in jedem Heimatmuseum zu finden sind, sondern direkten Bezug zu Bützows Geschichte haben.“

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