Bützow : Männer sind in Kitas noch Exoten

Steven Licher (links) ist bei den Kinder gefragt. Für Maximilian (vorne) und Till ist das Sandmännchen-Buch ganz spannend. Der 31-Jährige ist seit acht Jahren als Erzieher in der Kindertagesstätte „Piporello“ tätig.
Steven Licher (links) ist bei den Kinder gefragt. Für Maximilian (vorne) und Till ist das Sandmännchen-Buch ganz spannend. Der 31-Jährige ist seit acht Jahren als Erzieher in der Kindertagesstätte „Piporello“ tätig.

Nur 3,6 Prozent aller Erzieher im Landkreis Rostock sind Männer. Bund legt neues Programm auf, um Berufseinstieg schmackhaft zu machen

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06. Januar 2016, 20:10 Uhr

Männer in Kitas – das ist noch immer eine Besonderheit. Daran hat sich auch nichts geändert, seit dem der Bund spezielle Programme aufgelegt hat, um jungen Männern den Erzieherberuf schmackhaft zu machen. Zusätzliche Anreize soll nun das seit Juli 2015 laufende Programm „Quereinstieg – Männer und Frauen in Kitas“ schaffen. Das Bundesfamilienministerium stellt bis Mitte 2020 fast 34 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds zur Verfügung. Gefördert werden Modellprojekte, die speziell auf Berufswechsler zugeschnitten sind.

Für Steven Licher stand von Anfang an fest, dass er in einen sozialen Beruf seine Erfüllung findet. „Die Frage war, gehe ich in den medizinischen Bereich oder in Richtung Sozialpädagogik“, erzählt der 31-Jährige. Er habe sich dann für die Sozialpädagogik entschieden. Als Pfleger habe man doch eher mit älteren Menschen zu tun, in der Pä-dagogik mit Kinder von null bis 18. Seit mittlerweile acht Jahren ist der Güstrower nun schon in der DRK-Kindertagesstätte „Piporello“ tätig. Gegenwärtig hat er mit den ganz Kleinen im Krippenbereich zu tun und ist damit glücklich.

Damit gehört der Junggeselle zu den knapp fünf Prozent Männern, die heute bundesweit das pädagogische Kita-Personal stellen. Im Kreis Rostock liegt der Anteil bei 3,6 Prozent. Damit kletterte er um -0,8 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Somit sind die Männer wahre Exoten in Kindergärten. Das Programm „Männer in Kitas“ sollte das ändern: 16 Träger von Kindertagesstätten in dreizehn Bundesländern hatten zwischen 2011 und 2013 praxistaugliche Konzepte und Strategien erprobt. Die Arbeit der Modellprojekte zu Themen wie Berufsorientierung, Öffentlichkeitsarbeit, und Schutzkonzept wurden zu „Praxis-Handreichungen“ zusammengefasst.

Im Kreis Rostock zeigte die bundesweite Werbekampagne durchaus gewissen Erfolg: Hier erhöhte sich die Männer-Quote von 0,0 (2011) auf 3,6 (2014). Bundesweit kletterte der Anteil im selben Zeitraum stetig von 3,8 auf 4,8 Prozent. Gleichwohl bleibt die Erziehungstätigkeit in den Kitas vorrangig weiblich. Und die Erzieherinnen freuen sich über männliche Verstärkung. Erzieherin Andrea Wichmann jedenfalls ist glücklich, Steven Licher an ihrer Seite zu haben. „Es gibt doch eine ganze Reihe von Alleinerziehenden. Da ist es schön, wenn die Kinder auch hier eine männliche Bezugsperson haben“, sagt Wichmann.

Kita-Leiterin Elke Bornier ist ebenfalls froh, dass Steven Licher schon so lange zum Team dazugehört. „Das ist eine Bereicherung für uns. Und außerdem ist es schön, wenn die Kinder mal jemanden haben, mit dem sie so richtig rumtoben können. Steven ist schließlich Fußballer“, erklärt Bornier.

Er habe bei seinen Kicker-Kollegen mit seiner Berufswahl keine Probleme. „Viele sind eher erstaunt, wenn sie zum ersten mal hören, was ich mache“, erzählt der 31-Jährige. Er ist einer von zwei Erziehern, die es in den acht Einrichtungen im Amt Bützow-Land gibt. Lediglich in der Integrativen Kindertagesstätte der Lebenshilfe in Bützow gibt es ebenfalls einen Erzieher.

Steven Licher verweist darauf, dass es sich um eine schulische Ausbildung handelt. „Bei mir waren es noch fünf Jahre, ohne Geld zu bekommen.“ Heute dauere das noch vier Jahre. Er wisse aber auch, dass einige Männer mittlerweile die Möglichkeit nutzen, die Ausbildung berufsbegleitend zu machen. Das Interesse am Erzieherberuf scheint zu steigen, wie aus Zahlen der Ausbildungsstatistik des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Demnach waren im Ausbildungsjahr 2012/2013 bereits knapp 17 Prozent Männer.

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