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Girls’ Day : Mädchen arbeiten in Männerberufen

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Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Güstrower Schülerinnen arbeiten bei der Tischlerei Rossnagel in Bützow

svz.de von
erstellt am 29.Apr.2016 | 05:00 Uhr

Donnerstagmorgen, 9.30 Uhr – die Pause ist vorbei. Die Schülerinnen des Güstrower John-Brinkmann-Gymnasiums Natalie Ihde und Elisa Kiel haben ihr mitgebrachtes Frühstück verdrückt. Nun müssen sie wieder ran. Doch keine Mathe- oder Deutscharbeit wartet auf die beiden 13-Jährigen, sondern die Hobelbank. Die Schülerinnen sind Teilnehmer des bundesweiten Girls’ Day. Ihr Einsatzort ist die Tischlerei Rossnagel in Bützow.

Elisa und Natalie bauen jeweils einen Nistkasten. „Wir möchten, dass die Mädchen an so einem Tag auch etwas Nützliches mit nach Hause nehmen können“, sagt Holger Klaiber. Als Mitarbeiter der Tischlerei ist er vor allem für die Betreuung der Auszubildenden zuständig. Im Vorwege zeigte er den Mädchen bereits die verschiedenen Abteilungen der Werkstatt und führte sie in die Sicherheitsmaßnahmen ein. Dann ging es ans Werken.

„Als erstes mussten wir das Holz schleifen, damit die Kanten rund werden und man sich nicht mehr verletzt“, sagt Natalie. Diesen Arbeitsschritt kennen die beiden Jugendlichen bereits. „Wir haben in der Schule im Werkunterricht mit Holz gearbeitet. Das ist im Stundenplan nun leider weggefallen“, erzählt Elisa. Auch Natalie ist keine blutige Anfängerin mehr. „Mit meinem Vater habe ich ein Baumhaus gebaut. Dafür habe ich dann noch alleine ein kleines Regal gemacht“, erzählt die 13-Jährige.

Als zweiter Arbeitsschritt erfolgt das Vorbohren der Löcher. „Ein Tischler muss genau arbeiten und alles korrekt abmessen. Außerdem muss er gut rechnen können“, erzählt Klaiber den beiden Schülerinnen, während er mit dem Zollstock die richtigen Abstände der Bohrlöcher abmisst und auf dem Holzstück markiert. Dann sind Elisa und Natalie an der Reihe. Voller Konzentration zieht Natalie langsam mit dem Bleistift eine Linie auf dem Brett entlang. Vorsichtig setzt sie dann den Bohrer an der markierten Stelle an und legt los. Schritt für Schritt arbeiten die beiden weiter bis die Vogelhäuser fertig sind.

„Der Girls’ Day ist uns wichtig. Wir müssen früh genug auf das Handwerk aufmerksam machen, denn der Fachkräftemangel ist da“, sagt Klaiber. Dass solche Schnuppertage oder andere berufsfördernde Maßnahmen Erfolg versprechen, weiß der Tischler. „Wir haben selbst über solche Wege Azubis einstellen können.“

„Frauen haben in der Regel ein gutes Gespür für Oberflächen. Das ist vor allem im Bereich der Restaurierung von Nutzen“, sagt Tischlereiinhaber Volkmar Rossnagel. Auch im nächsten Jahr will er seinen Betrieb für Girls’-Day-Teilnehmerinnen öffnen. Darüber hinaus bietet die Bützower Werkstatt die Möglichkeit an, Praktika zu absolvieren.

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