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Brummi stößt gegen 20-kV-Leitung : Lkw-Fahrer "dreht" Region Strom ab

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Weil ein Lkw-Fahrer einen kleinen Moment unaufmerksam war, waren gestern zigtausende Menschen in Bützow, Schwaan und Umgebung für knapp 90 Minuten von der Strom- und teilweise auch von der Wasserversorgung getrennt.

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erstellt am 30.Aug.2013 | 06:14 Uhr

Bützow/Schwaan | Weil ein Lkw-Fahrer einen kleinen Moment unaufmerksam war, waren gestern Vormittag zigtausende Menschen für knapp 90 Minuten von der Strom- und teilweise auch von der Wasserversorgung getrennt.

Ein kleines Klicken und um kurz nach 8.30 Uhr ging in Bützow, Schwaan, Gülzow und vielen anderen Dörfern nichts mehr. Licht schaltete sich aus, Maschinen verstummten, Computer fuhren ihr System herunter, Ampeln erloschen, die Sicherheitsvorkehrungen z. B. in der Sparkasse in Bützow sprangen an.

"Die Mitarbeiter konnten unsere Kunden an der Tür aber abfangen", erzählt Ospa-Sprecher Matthias Bohn. Glück im Unglück. Der Sparkassenbus war noch nicht zu seiner Landtour aufgebrochen. "So konnten wir trotzdem Geld auszahlen." Zumal gerade an einem Freitag viele Menschen aus den Dörfern nach Bützow kommen, schließlich ist Markttag.

Auch Geschäftsleute in der Langestraße versuchten ohne Strom, ihre "Läden am Laufen zu halten". Da wurde zu Block und Stift gegriffen, um zum Beispiel Preise auszurechnen. Denn auch die Kassen funktionierten logischerweise nicht mehr. Anders im Gewerbegebiet. "Wir standen plötzlich im Dunkeln, haben unsere Kunden aus dem Markt geführt und mussten dann den Betrieb erst einmal einstellen", so Ricardo Iwen, Leiter des Famila-Warenhauses.

Nicht einfach unterbrechen können die Ärzte der Warnow-Klinik ihre Arbeit, vor allem wenn sie bei einer Operation sind. Damit der Krankenhaus-Alltag in einem solchen Notfall reibungslos weiterlaufen kann, dafür gibt es eine Notstromversorgung. "Die ist auch sofort angesprungen", sagt Klinikgeschäftsführer Thomas Blum. Er konnte der Havarie sogar etwas Gutes abgewinnen. "Wir konnten gleich mal live testen, ob in unserem neuen Anbau der Klinik alles funktioniert. Und das hat es", so Blum und lacht. Einmal im Monat werde die Notstromversorgung überprüft und getestet. "Wir haben sie gerade vor sechs, sieben Jahren erneuert."

Das automatische Notstromsystem sprang um kurz nach 8.30 Uhr auch im Bützower Wasserwerk an. Deshalb gab es in der Stadt auch keine Versorgungspro bleme. Jedoch kam in einigen Dörfern auch kein Wasser aus der Leitung. "Das kann dort passieren, wo kleinere Wasserwerke stehen, die kein Notstromaggregat haben", so Eurawasser-Gebietsdirektor Axel Hamann. Das Wasserwerk in Prüzen sei jedoch vom Stromausfall nicht betroffen gewesen. "Da funktionierte alles", so Hamann.

Denn von der Havarie waren 7000 Kunden im Großraum Bützow betroffen. Auch in Schwaan, Gülzow und den vielen Dörfern ging nichts mehr, so Jost Broichmann, Pressesprecher des Energieversorgers Wemag. Die Ursache: Das komplette Umspannwerk in Bützow war um kurz nach 8.30 Uhr abgeschaltet worden. Wie es dazu kam, schildert Peter Dethloff, Geschäftsführer der Bützower Wärme GmbH: "Ein Lkw-Fahrer hat Getreide abgeladen und vergessen, die Ladefläche wieder herunterzulassen, bevor er losgefahren ist. Dadurch stieß er gegen die 20-kV-Leitung."

Die Leitungsseile kamen ins Schwingen und es kam zu einem Kurzschluss. "Da das alles ist unmittelbarer Nähe des Umspannwerkes passierte, wurde das komplett heruntergefahren", erklärt Broichmann. An diesem Freitagvormittag seien sehr viele Brummifahrer aufs Gelände gefahren, um Getreide für die Biogasanlage anzuliefern, schildert Dethloff die Situation. Und die Anlage steht nur wenige hundert Meter Luftlinie vom Umspannwerk entfernt. Bereits eine knappe Stunde nach der Havarie waren Mitarbeiter der Wemag schon wieder im Einsatz, um die Schadensstelle zu reparieren. Während sie noch an der 20-kV-Leitung arbeiteten, konnte das Energieunternehmen aber schon wieder den Strom durch andere Leitungen fließen lassen.

Kurz nach 10 Uhr gab es zumindest in Bützow wieder vielerorts ein kleines Klicken: Lampen gingen an, Motoren ließe ihr Brummen hören, Computer "fuhren hoch", Geschäfte öffneten wieder ihre Türen ... Das Leben nahm seinen gewohnten Rhythmus wieder auf.

"Wir haben Stück für Stück alle Bereiche wieder zugeschaltet. Gegen 11 Uhr waren wieder alle Kunden am Netz", so Jost Broichmann

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