Jürgenshagen : „Lindenkrug“ schließt seine Türen

Die ehemalige Gaststättenbetreiberin Renate Dose (links) und ihre langjährige Angestellte Roswitha Wahmkow blicken zurück auf mehr als 42 Jahre „Lindenkrug“.
Die ehemalige Gaststättenbetreiberin Renate Dose (links) und ihre langjährige Angestellte Roswitha Wahmkow blicken zurück auf mehr als 42 Jahre „Lindenkrug“.

Gaststättenbetreiber Renate und Lothar Dose gehen in den Ruhestand. Neuer Besitzer führt den „Lindenkrug“ nicht weiter

svz.de von
14. November 2015, 08:00 Uhr

Mehr als 42 Jahre lang öffneten Renate und Lothar Dose für Gäste von Nah und Fern die Türen ihrer Gaststätte „Lindenkrug“. „Nun geht eine Ära zu Ende“, sagt Renate Dose. Das Ehepaar gehe nun in Rente. Der neue Käufer werde die Gaststätte nicht weiter betreiben.

„Bis zum 15. November muss alles raus sein“, sagt Renate Dose. Seit zwei Wochen sei das Ehepaar mit fleißigen Helfern dabei, die Gaststätte auszuräumen. Bei den Aufräumarbeiten kämen so manche längst vergessene Stücke wieder zum Vorschein wie Münzen oder gar ein roter Minislip. „Ich könnte ein Buch schreiben über die Geschichten, die wir hier erlebt haben“, sagt die ehemalige Gaststättenbesitzerin.

Renate Dose stammt gebürtig aus Klein Belitz. Schon in frühen Jahren stand für sie fest, beruflich in der Gastronomie Fuß fassen zu wollen. Ein Lehrvertrag kam nicht zu Stande. Stattdessen begann Renate Dose eine Ausbildung in einem Bürgermeisterbüro. Als sie später den Bürgermeisterposten in Klein Belitz übernehmen sollte, stand für sie fest: „Nein, das mache ich nicht.“ Sie befürchtete in ihrem Heimatort als junge Frau in dieser Position nicht ernst genommen zu werden.


Mit zweitem Versuch in die Gastronomie


Renate Dose liebäugelte erneut mit der Gastronomie. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Kellnerin in Güstrow. Am 1. April 1973 übernahm sie schließlich die Leitung der Gaststätte in Jürgenshagen. „Eigentlich wollte ich nur drei Jahre bleiben, nun sind es mehr als 42 geworden“, sagt Renate Dose.

In den 1970er-Jahren gründetet Renate Dose eine Familie. Sie heiratete ihren Mann Lothar. Erst als Kraftfahrer beruflich unterwegs, stieg er nach ein paar Jahren in den Gaststättenbetrieb mit ein. Sie bekamen zwei Kinder – Bianca und Monique. „Unsere Töchter sind quasi hinter dem Tresen aufgewachsen“, sagt Renate Dose. Dass eine der Töchter den elterlichen Betrieb weiterführte, wäre auszuschließen, hatten sie doch beide eine Ausbildung zur Pferdewirtin absolviert.

Renate Dose sei dennoch stolz auf den Zusammenhalt in der Familie. „Wenn es mir einmal nicht gut ging, half immer jemand aus der Familie aus“, sagt sie. Auch auf ihre Freundin Roswitha Wahmkow könnte sie sich immer verlassen. Roswitha Wahmkow und die Eheleute Dose bildeten den festen Kern des Geschäft. „Wir waren irgendwann ein eingespieltes Team. Jeder wusste, was er zu tun hatte“, sagt Roswitha Wahmkow. Für größere Festlichkeiten stellten Doses zusätzliches Personal ein. „Es gab Tage, an denen hatten wir eine Gesellschaft im Hause und mussten zusätzlich noch drei Essen außer Haus vorbereiten“, sagt Renate Dose. Denn zum „Lindenkrug“ gehörte auch ein Partyservice.


Brasilianer tanzen im Lindenkrug


Viele Feste wurden im großen Saal der Gaststätte gefeiert. Die Dreier-Mannschaft könne auf viele schöne Momente zurückblicken. „Zu einer Geburtstagsfeier ließ der Sohn des Gastgebers brasilianische Tänzer einfliegen“, erzählt Renate Dose. „Das war wirklich etwas tolles, das muss man erlebt haben“, ergänzt Roswitha Wahmkow. Auch erinnern sich die Frauen an unglücklich verlaufende Feste, über die sie heute lachen können. Rund 80 Gäste feierten im „Lindenkrug“ mit einem Ehepaar deren Goldene Hochzeit. „Irgendwann kam eine Frau ganz aufgelöst hereingelaufen und erzählte, sie habe einen Strafzettel am Auto kleben gehabt. Dann war die Stimmung bei den Gästen dahin“, erzählt Renate Dose. Es stellte sich heraus, dass andere Gäste ebenfalls einen Strafzettel bekommen hatten. Grund dafür war ein Ausflug von Polizeischülern nach Jürgenshagen, die Verwarnungen an Falschparker verteilten. Im Nachhinein fragte Renate Dose an entsprechender Stelle nach, warum die Polizisten nicht auf ein Wort in die Gaststätte kamen. „Es ist doch klar, wenn so viele Autos bei einer Gaststätte stehen, dass der Grund dafür eine Feierlichkeit ist“, sagt Renate Dose. Die Wirtin erhielt die Antwort, die Schüler hätten den Eingang zum Saal nicht gefunden. „Komisch, dass meine 80 Gäste die Tür aber finden konnten“, sagt Renate Dose.

Es war eine Zeit mit vielen schönen aber auch schwierigen Momenten. Den Lindenkrug zu betreiben bedeutete viel Arbeit für das Ehepaar. „In den 25 Jahren nach der Wende haben wir nicht einmal Urlaub gemacht“, sagt Renate Dose. Nun möchten die zwei ihre Rente genießen und mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen.

„Wir möchten uns für die Treue unserer Gäste bedanken“, sagt Renate Dose.

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