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Bützow : Liebe Kreistagsmitglieder, warum bekommt Annabell keinen Ausweis?

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Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Die Schule hat vor wenigen Tagen angefangen und schon jetzt gibt es Ärger / Nur wenige hundert Meter entscheiden über das Papier

svz.de von
erstellt am 29.Aug.2014 | 15:16 Uhr

Sie waren alle ein bisschen aufgeregt. Denn der Schulstart ist schon ein großer Schritt im Leben eines jungen Menschen. Und eigentlich ist sie doch auch die schönste Zeit des Lebens. Auch die kleine Annabell-Kathrin Schreiber hat sich auf die Schule gefreut – auf das Lernen und Entdecken. Und ihre Eltern freuten sich mit ihr. Bis Donnerstag. Da zogen graue Wolken am sonnigen Erstklässlerhimmel auf. Denn für Annabell und einige ihrer Freundinnen aus der Neuen Bahnhofstraße in Bützow gab es keinen Schülerausweis für den Stadtbus. Ihre Eltern können das nicht verstehen, denn Annabells großer Bruder hatte bis zum Ende des vergangenen Schuljahres immer einen Schülerausweis bekommen. „Jetzt ist er in einer anderen Schule, sodass auch der Weg ein anderer ist. Aber bislang haben wir immer einen Busfahrausweis für unser Kind gehabt. Und wir haben hier in diesem Haus gewohnt“, erklärt Silke Schreiber. In den ersten Tagen ist sie noch mit dem Bus gefahren mit dem Vertrauen, dass es auch diesmal für ihr Kind einen Ausweis gibt. Doch im Sekretariat der Schule wurde sie eines Besseren belehrt. Denn dort hieß es: „Da ihr Kind nicht zwei Kilometer oder weiter von der Schule entfernt wohnt, steht ihrer Tochter kein Schülerfahrausweis zu!“ Die von ihr angebrachten Beispiele aus den Vorjahren seien lediglich mit den Worten „Glück gehabt“ abgewiesen worden. „Das kann doch nicht sein. Wir reden hier von Erstklässlern. Und jetzt nachher im Herbst beginnt die kalte, dunkle und auch nasse Jahreszeit“, betont Silke Schreiber. Eine Nachbarin, die nur etwa hundert Meter entfernt um die Ecke wohnt, habe für ihr Kind so einen Ausweis bekommen. „Das ist doch nicht gerecht und auch nicht nachzuvollziehen. Denn zum Bus haben die beiden die gleiche Strecke“, sagt Mathias Schreiber. Der Vater hat sich auch schon beim Landkreis erkundigt.

Im Schulverwaltungs- und Kulturamt des Landkreises beruft man sich auf die Aktenlage. „Es gibt einen Kreistagsbeschluss vom 9. Mai 2012. Da haben sich die Kreistagsmitglieder darauf verständigt, dass eine Schülerbeförderung durch den Landkreis erst übernommen wird, wenn der Schulweg eine Grenze von zwei Kilometern überschreitet“, erklärt Sabine Stelley auf Nachfrage der Redaktion. Die Leiterin des Amtes bedauert zwar diesen Einzelfall, kann aber auch nichts ändern. „Selbst wenn ich wollte, ich kann hier kein Auge zudrücken. Mit dem 1. August 2012 ist dieser Beschluss in Kraft getreten und in der Satzung wird auch den Amtspersonen kein Handlungsspielraum gelassen“, erklärt die Amtsleiterin. Dieser Beschluss könne einzig und allein durch die Mitglieder des Kreistages geändert werden.

„Es steht im Grunde allen Schülern zu, den Bus zu nutzen. Doch in diesem Fall müssten die Kosten dann von den Eltern getragen werden“, ergänzt Sabine Stelley. Das wären im Fall von Familie Schreiber im Monat 31 Euro. Im Jahr würden das bereits 372 Euro sein.

Gehweg ohne Beleuchtung

„Und das kann doch nicht sein. Aber es geht auch ganz einfach um das Prinzip. Es betrifft ja nicht nur uns. Wenn wir vom Innenstadtbereich reden, wo die Kinder vielleicht 500 Meter zur Schule gehen, ist das ja in Ordnung. Aber wir sind hier hinten am Bahnhof. Unsere Tochter müsste dann jeden Morgen den langen Weg zwischen dem Supermarkt Lidl und dem Tattoo-Studio kurz vor der Warnowbrücke im Dunkeln laufen. Denn die Straßenlaternen beleuchten lediglich die Straße und nicht den Gehweg“, erklärt Matthias Schreiber. Dieser Weg sei für seine Tochter und auch für die anderen Grundschüler in der Nachbarschaft nicht zumutbar. Nicht zu vergessen, die teilweise schweren Schultaschen. Deshalb bitten er und seine Frau die Kreistagsmitglieder, sich noch einmal mit diesem Thema zu befassen. „Es muss doch nicht erst immer etwas passieren. Und die Kinder sind doch nun mal das Wichtigste, was wir haben“, betont Schreiber.

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