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Bützower Zeitung

20. November 2017 | 22:17 Uhr

Passin : Lehrer mit vier Hufen

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Während einer Intensivwoche rund ums Pferd lernen Kinder viel – auch über sich selbst

svz.de von
erstellt am 24.Okt.2017 | 12:00 Uhr

Das weiche Fell, die sanftmütigen Augen und feuchten Lüstern, so stellt man sich im Allgemeinen keine Lehrer vor. Doch trotzdem lernen die Kinder an diesem Vormittag viel von den vierbeinigen Therapeuten. „Beim Umgang mit den Pferden kommt es vor allem auf die Kommunikation an. Die Kinder müssen sich erst einmal Respekt vor dem Tier verschaffen. Anschließend geht es darum, Vertrauen füreinander aufzubauen“, erzählt die Reitpädagogin Katy Burmeister. Auf ihrem Hof macht sie in einer Intensivwoche rund ums Pferd Kinder und Tiere miteinander bekannt und lässt sie vier Tage lang zusammenarbeiten. Im sogenannten Freundlichkeitsspiel zeigen die Kinder den Huftieren, dass sie, egal was sie in der Hand halten, ihnen vertrauen können. Am Ende soll dabei ein kleines Kunststück, das die Teams in einem Programm einstudieren, herauskommen.

Lea Warkenstein und Anna Burmeister versuchen dem isländischen Wallach Leifur einige Reifen um den Hals zu legen. Dies lässt er erst nach einer gewissen Zeit zu, nachdem die Kinder ihm zu verstehen gegeben haben, dass sie umsichtig mit ihm umgehen. Ein anderes Team nimmt sich vor, mit dem Pferd ein paar Dosen umzuschmeißen. „Jedes Team sucht sich sein Pferd aus, Sympathie ist sehr wichtig. Am Anfang müssen sie das Tier als Freund für sich gewinnen. Später lernen sie aber auch, wo die Grenzen ihres Partners liegen und müssen diese dann akzeptieren. Somit erfahren die Kinder viel über Sozialkompetenz. Sie lernen, zu beobachten und die Körpersprache des Pferdes zu interpretieren“, sagt Katy Burmeister.

Fast schon intuitiv führen die Kinder die Vierbeiner durch die Koppel, immer wieder belohnen sie die Tiere mit kleinen Streicheleinheiten oder zeigen ihnen mit leichtem Stoßen die Richtung. Wenn ein Pferd eine Pause braucht, wird es ihm ebenso gegönnt.

Ziel für das Ende des Ferienprojektes ist schließlich ein Ausritt in die Natur. Dieser verlangt Konzentration, Durchhaltevermögen und auch Rücksichtnahme ab. „Einerseits schult das Reiten die koordinativen Fähigkeiten der Kinder, andererseits lernen sie, sich und das Pferd bewusster wahrzunehmen“, erzählt die Reitpädagogin. Da die Förderung mit dem Pferd so wirkungsvoll sein kann, bietet sie mit ihrer Reit- und Erlebnispädagogik dauerhaft Therapien für Kinder und Erwachsene mit Verhaltensauffälligkeiten, Lernstörungen und geistigen sowie körperlichen Behinderungen an. Aber auch für Kinder, die schwierige Situationen, wie beispielsweise die Scheidung der Erltern, durchleiden, kann der Umang mit den Tieren heilsam sein.

„Ich habe in meiner Ausbildung als Pferdewirtin erlebt, welche positiven Auswirkungen das Reiten auf Körper, Geist und Emotionen für Menschen haben kann. Von da an war für mich klar, mich in dem Bereich weiterzubilden“. Heute ist die dreifache Mutter eine zertifizierte Reitpädagogin und seit einem Jahr auf ihrem Hof in Passin selbstständig.

Auch nach der Intensivwoche kann sich Katy Burmeister vorstellen, weitere Kurse dieser Art zu veranstalten. Die Sommerferien würden sich dazu sehr gut anbieten. „Die Köpfe der Kinder funktionieren anders als bei uns Erwachsenen. Sie lernen besonders gut durch Bewegung und indem sie sich und ihre Umgebung fühlen“, erklärt sie. Das erreiche man nicht, wenn Kinder den ganzen Tag im Klassenzimmer säßen.

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