Schwaan : Lebensretter springen in kalte Beke

Sie fragen nicht nach den folgen: heidemarie und Ulrich sprangen an dieser Stelle der Beke ins eiskalte Wasser, um einem Mann zu helfen.  Fotos: privat/Ralf Badenschier
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Heidemarie und Ulrich Wegener

Heidemarie und Ulrich Wegener aus Ziesendorf überlegen nicht lange, als ein Mann am Mühlenteichplatz in Schwaan in den Fluss stürzt.

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27. Januar 2018, 05:00 Uhr

„Eisbaden nie wieder“, sagt Heidemarie Wegener und lacht. Alles andere als lustig war das, was die Ziesendorferin vor genau einer Woche, am Sonnabendvormittag gegen 10.30 Uhr in Schwaan erlebte. Bei den Einkaufsmärkten am Mühlenteichplatz war ein Mann in die Beke gefallen. Heidemarie Wegener und ihr Mann Ulrich zögerten keinen Augenblick und holten den Verunglückten zurück ans Land, retteten ihm so das Leben.

Noch immer hat sich die 47-Jährige von den Ereignissen nicht ganz erholt. Der Sprung in das eiskalte Wasser der Beke hat gesundheitliche Nachwehen. Dennoch würde sie immer wieder so handeln, sagt Heidemarie Wegener.

Was war passiert? „Ich war zum Friseur in Schwaan. Mein Mann war zugleich einkaufen. Als wir auf dem Parkplatz waren, sahen wir da diesen Mann, wie er so nach hinten kippte.“ Der Stadtbekannte hatte Schwierigkeiten, gerade zu stehen. „Mein Mann sagte noch, Hauptsache passiert ihm nichts. Und da lag er schon im Wasser“, erzählt die Ziesendorferin.

Sie seien sofort losgelaufen. Dass das Wasser eiskalt sein würde, sie sich möglicherweise selbst in Gefahr bringen? „Das haben wir gar nicht realisiert, gar nicht darüber nachgedacht. Wir müssen dem Menschen helfen, der in Not ist, das war der einzige Gedanke“, sagt Heidemarie Wegener. Da ihr Mann gerade operiert worden war, habe sie sich entschieden, ins Wasser zu springen. „Ich habe meine Jacke ausgezogen und bin rein“, erzählt die 47-Jährige. Sie habe versucht, den Mann zu fassen. Doch die Strömung war ziemlich stark, denn wie alle Flüsse und Bäche trägt in diesen Wochen auch die Beke sehr viel Wasser mit sich. Heidemarie Wegener drohte mit dem Mann abzutreiben. Da Ulrich Wegener Hobbyangler ist, hatte er Angelsachen im Auto. „Er hat sich auf dem Parkplatz splitternackt aus- und seine Angelsachen angezogen und ist dann zur Hilfe gekommen“, erzählt Heidemarie Wegener. Mit vereinten Kräften hätten sie den Verunglückten dann an Land gebracht.

Überrascht war auch Friseurin Nicole Macht im Salon „dybaré“, als plötzlich Heidemarie Wegener zurück in den Salon kam. „Sie war ja gerade eine viertel Stunde vorher hier gewesen, hatte sich die Haare machen lassen. Ich wunderte mich, dass sie so nass war, schaute erst einmal an ihr vorbei nach draußen, ob es so stark regnet“, erzählt Nicole Macht. Dann erfuhr sie aber auch schon, was passiert war. Zunächst hieß es erst einmal, raus aus den nassen Klamotten. „Die Friseurin hat mir dann Handtücher gegeben und mich abgerubbelt“, erzählt Heidemarie Wegener. „Sie hat ja am ganzen Körper gezittert. Wir haben auch einen Tee gemacht“, ergänzt Nicole Macht. Natürlich kümmerten sich jetzt auch die Notfallsanitäter, die in der Zwischenzeit eingetroffen waren und die First Respondergruppe der Freiwilligen Feuerwehr Schwaan, um die völlig durchnässten und unterkühlten Menschen.

Angetan von der Zivilcourage der Ziesendorferin ist auch Schwaans Bürgermeister Mathias Schauer. „Es war ja nicht ungefährlich. Denn die Beke ist gerade an dieser Stelle nicht so flach“, so Schauer. Er habe mittlerweile Kontakt mit seinem Amtskollegen in Ziesendorf aufgenommen. Gemeinsam werden sie sich noch etwas einfallen lassen, wie sie sich bei den Wegeners bedanken können.

Sie habe die ganze Nacht nach diesem Ereignis nicht richtig schlafen können, sagt Heidemarie Wegener. Doch mit dem Abstand von ein paar Tagen ist das vorbei. „Es ist jetzt wieder alles gut“, sagt die Ziesendorferin.

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