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Bützow : Lebensretter im Ehrenamt fordern Profis im Rathaus

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Wehrführer Holger Gadinger übt scharfe Kritik an Verwaltung / Bürgermeister Christian Grüschow räumt Fehler ein

von
erstellt am 13.Feb.2017 | 09:00 Uhr

Am Freitagabend saßen sie noch gemütlich bei der Jahreshauptversammlung im Gerätehaus in der Gartenstraße zusammen. In der Nacht zum Sonnabend, gegen 1 Uhr, mussten sie schon wieder zu einem Einsatz. In Güstrow brannte ein Mehrzweckgebäude. Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Bützow rückten mit aus (Lesen Sie auch den Beitrag auf Seite 8). Für sie ist das eine Sache der Ehre.

Die Bützower Wehr gehört mit ihren 61 aktiven Mitgliedern zu den leistungsstärksten in Mecklenburg-Vorpommern, sagte Landesbrandmeister Hannes Möller auf der Jahrestagung. Und diesen Status haben sich die Männer und Frauen hart erarbeitet. „Gemeinsam haben wir Brände gelöscht, Menschenleben gerettet und Sachwerte geschützt, technische Hilfe geleistet, Ausbildung betrieben, Jugendarbeit gefördert. Wir waren immer einsatzbereit und das an allen 366 Tagen im Jahr“, so Gadinger rückblickend auf 2016.

Beim Blick auf die Fahrzeugflotte der Wehr werde die Stadt in den kommenden Jahren nicht mehr an einer Ersatzbeschaffung vorbeikommen, so der Wehrführer. „Viele Fahrzeuge sind weit über 20 Jahre alt.“ Das sei auch den Stadtvertretern und dem Dienstherrn der Feuerwehr, dem Bürgermeister bekannt. Die Stadtvertreter hätten deshalb schon 2015 beschlossen, dass die Wehr ein neues Fahrzeug bekommt, dafür ein Gerätewagen (Baujahr 1991) und ein Löschfahrzeug (1992) aussortiert werden, so Gadinger. Doch hier beginnen die Probleme. Mit dem Doppelhaushalt 2016/17 wurde Anfang 2016 das Geld eingeplant. Kosten: rund 220 000 Euro. Ohne Fördermittel sei das natürlich nicht zu stemmen. Gadinger erkundigte sich beim Kreis, der sagte Unterstützung zu. Doch erst nach mehrmaliger Nachfrage im Rathaus ging ein entsprechender Antrag im September (!) beim Kreis ein, sagt Gadinger. Der Landkreis sagte 60 000 Euro zu. Wieso 60 000 Euro? „Ich hatte 80 000 Euro erwartet“, sagt Gadinger. Doch die Stadt hatte nur die 60 000 Euro beantragt. Gadinger intervenierte erneut beim Bürgermeister. Es sollte noch einmal bis Weihnachten dauern, bis der richte Antrag beim Kreis vorlag. Parallel schrieb die Verwaltung im September die Leistung aus. Jedoch nur begrenzt, anstatt öffentlich, wie es bei diesem Auftragsvolumen notwendig wäre. Noch einmal sollte es bis Ende Januar 2017 dauern, bis die richtige Ausschreibung erfolgte. Auch das sei nicht nachvollziehbar, lagen doch alle Unterlagen vor, sagt der Feuerwehrchef

Zuvor hatte es bereits Ärger im Ortsteil Parkow gegeben. Dort wurde eine Sanierung des Löschwasserteiches nach Auffassung von Gadinger in den Sand gesetzt. „Eine schöne nagelneue Saugleitung kam zum Vorschein. Jedoch der Löschteich, besser Biotop, war vollkommen zugewachsen und Wasser führte es auch keins“, so Gadinger. Er wolle ihn nicht ärgern, sagte er in Richtung Bürgermeister Grüschow. Als Wehrführer sei er aber auch Berater des Bürgermeisters in Sachen Löschwasserversorgung. „Wenn ich Missstände nicht aufzeige, kann er auch davon nichts wissen und schnell gerate ich im Schadensfall in die Schusslinie“, sagt Gadinger. „Die gleiche professionelle Arbeitsweise können wir auch von den hauptamtlichen Mitarbeitern der Verwaltung erwarten“, fand der Wehrführer deutliche Worte.

Christian Grüschow räumte dann auch ein: „Wir haben Mist gebaut.“ Es sei nicht so gelaufen, wie die Wehrleute das erwartet dürfen. Es liege auch an fehlender Kommunikation in seinem Haus. Deshalb setzte er auf die angeschobene Umstrukturierung der Verwaltung. „Wir arbeiten dran, dass es besser wird und so etwas nicht mehr passiert“, so Grüschow.

 

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