Bauantrag zur Errichtung von Windkraftanlagen : Laues Stürmchen über Vorbeck

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Ein Bau von Windkraftanlagen auf dem Gebiet der Gemarkung Vorbeck/Kambs nimmt Formen an. Die Bauanträge für die Anlagen liegen den Gemeindevertretern vor. Eine Entscheidung soll bis Mitte Februar getroffen werden.

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09. Januar 2013, 11:05 Uhr

Vorbeck | Ein Bau von Windkraftanlagen auf dem Gebiet der Gemarkung Vorbeck/Kambs nimmt Formen an. Derzeit liegen den Gemeindevertretern der Kommune die Bauanträge für die Anlagen vor. "Es sind zwei dicke Ordner mit jeweils 150 Seiten", weist Vorbecks Bürgermeister Ulrich Bauer auf die umfangreichen Dokumente hin. Bis zum 14. Februar solle ein gemeindliches Einvernehmen hergestellt werden, das heißt, die Gemeindevertreter müssen dem Antrag zustimmen oder nicht, fügt er hinzu.

Gestellt hat den Bauantrag die Hof Tatschow Windkraft GmbH, ein Zusammenschluss der Wareg GmbH und der Kloss New Energy GmbH. Das Unternehmen will insgesamt 17 Windkraftanlagen errichten, von denen zwei in der Gemarkung Passin, sechs in der Gemarkung Klein Belitz und neun in der Gemarkung Vorbeck/Kambs stehen sollen.

"Die Höhe des Turms soll 140 Meter betragen, und bis zur Spitze der Rotorenblätter sind es dann insgesamt 190 Meter", schildert Ulrich Bauer die Maße der möglichen künftigen Anlagen. Erfreut ist er sowie Gemeindevertreter Guenter Radtke nicht über diese "monströs"-großen Anlagen. So etwas sei über 20 Kilometer in der Ebene zu sehen, sagt Bauer. "Es ist kilometerweit ein die Landschaft veränderndes Bild", sagt der Bürgermeister besorgt.

Auch die vielen Fachbegriffe und -bezeichnungen, die in dem Bauantrag vorhanden sind, seien störend und jedenfalls für Laien relativ schwer zu verstehen, moniert er.

Beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg (Stalu MM) liegen die Unterlagen der Hof Tatschow Windpark GmbH derzeit im Zuge eines Baugenehmigungsverfahrens vor. "Sollte etwas unverständlich sein, stehen wir im Rahmen der Auslegungsphase für Erläuterungen gern zur Verfügung", sagt Hans-Joachim Meier, der Leiter der Behörde.

Rückblick: Jahrelang, seit 2009, hatte die Gemeinde gegen die Pläne des Regionalen Planungsverbandes Mittleres Mecklenburg gekämpft, dass Flora-und Fauna-Habitat (FFH) als Eignungsgebiet für Windkraftanlagen auszuweisen. In dem Gebiet sollen die Rotbauchunke und der Kammolch, die vom Aussterben bedroht sind, geschützt werden. Auch eine Einwohnerbefragung hatte einst ergeben, dass 84 Prozent der Einwohner dagegen sind. Allerdings war alles vergeblich.

Die Bürger der Gemeinde können nun keinen Blick mehr in die Unterlagen werfen, ein öffentliches Auslegungsverfahren ist für diese Dokumente nicht mehr vorgesehen. "Das FFH-Gebiet war bei den Unterlagen zum Regionalen Raumentwicklungsprogramm dabei", sagt Birgit Nehls, Leiterin des Schwaaner Bauamtes. Da die Bürger in dieser Phase ihre Einwände zu möglichen Vorhaben geltend machen konnten, sei es nun nicht mehr möglich, Hinweise anzumerken, erklärt sie.

Ob die Gemeinde Vorbeck den Bau-Antrag annehmen oder ablehnen wird, ist bisher noch unklar. Sollte generell eine Gemeinde den Antrag ablehnen, müssten sie hieb- und stichfest angeben, inwieweit sie in ihren hoheitlichen Belangen, also in wichtigen Planungen, durch den Bau der Windkraftanlagen eingeschränkt sei, sagt Meier. Sollten die Gründe der jeweiligen Gemeinde nicht ausreichen, dann könne die Behörde das gemeindliche Einvernehmen ersetzen und den Bau-Antrag annehmen, fügt er hinzu. Derzeit prüfen die Gemeindevertreter noch die Unterlagen. Auch andere Einrichtungen wie die untere Naturschutzbehörde sind mit der Sichtung der Dokumente beschäftigt. "Die Unterlagen zur FFH-Verträglichkeit liegen den Antragsunterlagen bei und werden nun durch die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises geprüft, fügt Anke Streichert, Umweltmanagementbeauftragte und Pressesprecherin des StaluMM, erläuternd hinzu.

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