Führerschein : „Lappen“ weckt Erinnerungen

Vor 27 Jahren wurde der Führerschein von Harry Görn aus Moisall ausgestellt. Die erste Fahrprüfung legte er aber schon 1972 ab.
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Vor 27 Jahren wurde der Führerschein von Harry Görn aus Moisall ausgestellt. Die erste Fahrprüfung legte er aber schon 1972 ab.

Bund plant früheren Umtausch von alten Führerscheinen / Harry Görn, der eine alte Fahrerlaubnis hat, bedauert das

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17. August 2016, 21:00 Uhr

Harry Görn hält seine Fahrerlaubnis  in den Händen. Sie wurde am 29. Januar 1989 ausgestellt.  Wenn es nach dem Mann aus Moisall ginge, würde er den „Lappen“ so lange  es geht behalten. Aktuell wäre das bis zum Jahr 2033. Denn so lange gelten die  unbefristeten Führerscheine, die vor 2013 ausgestellt wurden. Dazu gehören sowohl die aus Papier, als auch die modernen in Kreditkartenformat. „Warum soll ich ihn umtauschen, das kostet nur Geld“, fragt Görn.

Doch  der Verkehrsausschuss des Bundesrates hat andere Pläne.  Er möchte die Schonfrist für die „Pappe“ verkürzen, etappenweise, gestaffelt nach Geburtsjahren, den Umtausch vorziehen.  Harry Görn, Jahrgang 1956, müsste  dann spätestens 2021,  also in nicht einmal fünf Jahren,  die hellrosa   Klappkarte  gegen den EU-Führerschein eintauschen.   

 Begründet wird die geplante Gesetzesänderung mit dem hohen Verwaltungsaufwand, der möglicherweise  im Jahr 2033 – also in 18 Jahren – mit dem massenhaften Umtausch verbunden sein könnte. Sind diese Befürchtungen aber begründet? Ein Blick auf die aktuellen Zahlen der Zulassungsbehörde des Landkreises Rostock stützt diese Vermutungen nicht unbedingt.

Schon heute werden jährlich rund 4000 neue Führerscheine für  Einwohner des Landkreises Rostock ausgestellt. 2015 waren es zum Beispiel 4092, davon waren  2033 Erst-Ausstellungen.  Im ersten Halbjahr 2016 vermeldet der Landkreis Rostock 1932 neue Führerscheine,  davon 1134 für Fahranfänger. Das heißt, bereits jetzt sind bis zu 50 Prozent der  ausgestellten Dokumente ein Ersatz, zum Beispiel wenn die Fahrerlaubnis verloren gegangen ist oder gestohlen wurde.  Das zeigt, dass bereits jetzt  ein kontinuierlicher Austausch der alten  „Fleppen“ stattfindet.

Und dies scheint ziemlich reibungslos zu verlaufen. Im Durchschnitt beträgt die Wartezeit zwischen neun und 18 Minuten,  um beispielsweise einen Antrag abzugeben, informiert Kreissprecher Michael Fengler auf Nachfrage von SVZ.   Dabei gebe es  keine Unterschiede zwischen den Zulassungsstellen in Güstrow und Bad Doberan.   Insgesamt erledigten die Mitarbeiter der Zulassungsstellen im Jahr rund 8000 Anträge. Beispielsweise ließen sich im ersten Halbjahr  248 Autofahrer einen internationalen Führerschein ausstellen.

Andere haben die Prüfung für weitere Führerscheinklassen absolviert und lassen ihre Zulassung erweitern. Das war auch bei Harry Görn der Grund, dass er vor 27 Jahren  nicht mehr seine erste Fahrerlaubnis behalten durfte. „Die bekam ich  bereits 1972. Damals legte ich bei der Gesellschaft für Sport und Technik an der Schule in Klein Sien meine Motorradprüfung  ab“, erzählt Görn. Erst als er Ende der 1980er-Jahre Schichtleiter wurde, sei die Führerscheinklasse für Pkw hinzugekommen. „Leider durfte ich die Fahrerlaubnis nicht behalten, musste sie  umtauschen“, erinnert sich der Moisaller. „Mensch, damals war ich wirklich noch schmaler“, stellt er mit Blick auf das Foto fest und lacht.  Manche Erinnerung ist so mit dem „Lappen“ verknüpft. Den  abzugeben, das wäre schade, meint Görn. „Der Führerschein ist doch noch gut.“

 Ralf Badenschier

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