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Klinikclowns im Seniorenpflegeheim "Eichengrund" : Lachen weckt die Lebensgeister

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Rita Finck lacht herzhaft, als sich die Clowns "Flitze" und "Kiki " von ihr verabschieden. Rita Finck ist Bewohnerin im Seniorenpflegeheim "Eichengrund" Bützow und kann leider das Bett nicht mehr verlassen:

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erstellt am 17.Aug.2012 | 10:50 Uhr

Bützow | "Ein so toller Besuch und dann auch noch ein Fotograf." Rita Finck lacht herzhaft, als sich die Clowns "Flitze" und "Kiki " von ihr verabschieden, winkt den beiden hinterher. Rita Finck ist Bewohnerin im Seniorenpflegeheim "Eichengrund" Bützow und kann leider das Bett nicht mehr verlassen. Umso mehr ist ein wenig Abwechslung wichtig. Das weiß auch Wilfried Neßhöver, Leiter des Hauses, nur zu gut und hat deshalb "Flitze" und "Kiki" nach Bützow eingeladen.

"Flitze" hießt im bürgerlichen Leben Tanja Streller und ist mimische Schauspielerin und seit fünf Jahren selbständig. "Kiki", alias Kerstin Beese, ist gelernte Erzieherin und war über 20 Jahre in diesem Beruf tätig. Seit eineinhalb Jahren ist sie nun auch als "Clown" unterwegs. Die beiden Frauen gehörten 2007 zu den Gründungsmitgliedern des Vereins "Rostocker Rotznasen". "Ich war die Initiatorin", erklärt Streller.

Seit dem touren die beiden Frauen und weitere Vereinsmitglieder durch Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen des Landes. Sie bringen krebskranke Kinder zum Lachen, an Demenz erkrankte Menschen zum Singen, zum Tanzen oder zum Sprechen. "Lachen macht gesund." Das ist schon längst nicht mehr ein sicherlich gut gemeinter tröstender Satz. Klinik clowns sind Therapie.

Mittlerweile sind "Flitze" und "Kiki" in der Wohngruppe im ersten Stock des Hauses angekommen. Erstaunte Blicke bei den Bewohnerinnen. "Flitze" verwickelt Gerda Pierstorf sofort in einen kleinen Plausch. Seit drei Jahren wohnt die Bützowerin im "Eichen grund". "Flitze" dreht sich mit einem Hula-Hoop-Reifen. Das könne sie nicht mehr, sagt Gerda Pierstorf, aber dafür mache sie jeden morgen zehn Kniebeugen. "Kiki" hat sich derweil eine andere Dame geschnappt und tanzt nun mit ihr einen Walzer. Die anderen Frauen und "Raini", der einzige Mann in der Runde, singen freudig den Schneewalzer mit. Die Stimmung wird immer gelöster. Auch die Schwestern staunen über die Reaktion ihrer Bewohner, freuen sich, lachen.

Wer Tanja Streller und Kerstin Beese beobachtet, merkt schnell, das hat nichts mit Faxenmachen zu tun. Sie sind Improvisationskünstlerinnen. Sie beobachten, wie ihr "Publikum" reagiert, stellen sich blitzschnell auf eine neue Situation ein. "Das ist ganz wichtig. Wir suchen ja den direkten Kontakt. Da gibt es schnell auch mal eine Umarmung. Doch mancher möchte das nicht, möchte vielleicht ein wenig Distanz. Das müssen wir spüren und reagieren", erklärt Tanja Streller. Da brauche man nicht nur schauspielerisches Talent und die Leidenschaft fürs Theater und die Clownerie. "Wir erlernen Techniken, besuchen Lehrgänge", erklärt Tanja Streller. Und die "Rotznasen" trainieren gemeinsam viele Stunden. "Flitze" hat eine ganz kleine Drehorgel dabei. Als die helle Melodie, ein russisches Kinderlied, erklingt, fängt Gertrud Theilemann an, zu singen: "Kommt ein Vogel geflogen..." Andere stimmen mit ein. Es wird gescherzt, gesungen und gelacht. Bewohner und Mitarbeiter sind gleichermaßen dabei.

Genau das ist das Ziel: "Viele Pflegekräfte macht der Alltag zu schaffen: zu wenig Zeit, viel Arbeit, viel Bürokratie", sagt Hausleiter Wilfried Neßhöver. Das alles lasse sich nicht verändern, aber: "Wir werden versuchen, die Komik des Alltags, den Clown in uns, den Humor bei den Bewohnern zu entdecken. Damit gibt es zwar nicht weniger Arbeit, sie macht aber mehr Spaß." Deshalb soll der Besuch von "Flitze" und "Kiki" keine Eintagsfliege bleiben.

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