Jabelitz : Kuhstall statt Homeoffice

Der Stall von Landwirt Martin Vorbeck in Jabelitz ist zurzeit eine Kinderstube: Es ist Abkalbungszeit.
Der Stall von Landwirt Martin Vorbeck in Jabelitz ist zurzeit eine Kinderstube: Es ist Abkalbungszeit.

Landwirte in der Region arbeiten trotz Corona-Gefahr auf Hochtouren für die Versorgung der Bevölkerung

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30. März 2020, 05:00 Uhr

Beim Schlagwort „Homeoffice“, das in der Corona-Krise so populär geworden ist, kann Lars-Peter Loeck nur müde lächeln. Auch mit der „Wir bleiben Zuhause“-Kampagne kann der Landwirt aus Lüssow nur wenig anfangen. „Mit dem Homeoffice kann ich keine Tiere füttern, melken und betreuen“, sagt er. „Auch kann ich von zu Hause aus nicht Gülle auf dem Acker ausbringen, Dung streuen und die Maisaussaat machen, die Mitte April ansteht.“ Auf der Agrofarm Lüssow von Loeck herrscht gerade trotz Corona-Krise Hochbetrieb. „Mit Homeoffice funktioniert nichts in der Landwirtschaft“, unterstreicht er.

960 Kühe und noch einmal die gleiche Anzahl Nachzucht stehen in den Ställen der Agrofarm. Zweimal täglich wird gemolken. „Wir Landwirte sind dazu da, die Bevölkerung zu ernähren“, sagt Loeck. Das werde den Menschen in der derzeitigen Krise hoffentlich stärker bewusst.


„Es gibt viele saisonale Produkte“

Eine Hoffnung, die der Lüssower mit Landwirt Martin Vorbeck in Jabelitz teilt. Der zweifache Familienvater betreibt bereits in vierter Generation einen kleinen Familienbetrieb an der Straße zwischen Bützow und Neukloster. „Ich habe einfach die Hoffnung, dass die Verbraucher wieder umdenken, nein nachdenken, wo die ganzen Lebensmittel herkommen“, sagt der 46-Jährige und weiter: „Muss wirklich jederzeit immer alles da sein? Ich komme aus einer Zeit, wo es nur zweimal im Jahr Bananen gab und das auch nur mit Beziehungen. Natürlich wollen wir das nicht wiederhaben. Aber hier muss keiner Hungern. Es gibt viele saisonale Produkte“, bricht Martin Vorbeck eine Lanze für seinen Berufsstand.

Bei ihm selbst auf dem Hof herrscht gerade reges Treiben. Im Vergleich zum Lüssower Betrieb von Lars-Peter Loeck gibt es auf dem Hof von Martin Vorbeck beide Szenarien. Zum einen muss auch der Jablitzer Landwirt hinaus auf die Felder. „Die Bestände wachsen. Wir sind beim Steine sammeln“, erklärt Martin Vorbeck. Außerdem züchtet Vorbeck Fleischrinder. Ein Drittel seiner 55 Zuchttiere hat bereits gekalbt. Jederzeit können weitere Neugeborenen hinzukommen. Während der Landwirt nach seinen Tieren schaut, toben die Töchter Klara, 4 Jahre alt, und Martha, gerade mal ein Jahr, auf dem Hof herum. Vorbecks Frau Franziska, Mitarbeiterin beim Bildungswerk der Wirtschaft MV, befindet sich im Homeoffice. Der Familienmensch Martin Vorbeck gewinnt dieser Situation auch etwas Gutes ab, genießt diese Zeit zwischen Stall- und Feldarbeit einerseits, und dem Leben als Vater andererseits. Bei allem weiß aber auch er: „Während der Arbeit außerhalb vom heimischen Hof gilt es, Abstand zu halten, alles Vorsichtsmaßnahmen zu beachten.“ Da unterscheidet er sich nicht von allen anderen.


Feldbetten für den Quarantänefall

So wie auf dem kleinen Hof von Martin Vorbeck kann bei aller notwendigen Arbeit auch die Agrofarm die Krise nicht ignorieren. „Wir haben Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit unserer 50 Mitarbeiter und sieben Lehrlinge getroffen“, versichert Loeck. Zudem seien Futtermittel für zwei Monate eingelagert worden, um auf eine eventuelle Hof-Quarantäne vorbereitet zu sein. „Dafür habe ich auch 14 Feldbetten und Schlafsäcke gekauft, um die Melkschichten sowie die Tierbetreuung bei so einer Quarantäne gewährleisten zu können“, sagt Loeck.
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