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Krötenwanderung : Kröten meiden Hindernisparcours

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Nur 127 Tiere in vier Wochen: Amphibienfreunde verzeichnen in Letschow einen traurigen Negativrekord

von
erstellt am 20.Apr.2016 | 05:00 Uhr

Der Blick in die Eimer an der Amphibienleiteinrichtung in Letschow ist für Peter-Christian Mundt schon lange keine Freude mehr. Immer weniger Tiere zählt er während der Laichzeit. Gerade einmal 127 Tiere erreichten die Eimer in den vergangenen vier Wochen. „Das ist ein Negativrekord“, sagt Peter-Christian Mundt enttäuscht. Kein Vergleich zu früher, als hier täglich zum Teil hunderte Amphibien unterwegs waren.

Die Tiere suchen sich von ihrem Winterquartier auf der einen Seite der Kreisstraße – hinter einem Acker gelegen – den kürzesten Weg zu ihrem Laichgewässer auf der anderen Seite der Straße. Den Weg über die Straße überlebten viele der Tiere nicht.

Deshalb wurden im Jahr 2000 einige Tierfreunde aktiv, nachdem sie im Frühjahr auf der Kreisstraße unzählige überfahrene Tiere beobachteten. „Entscheidend für das Gelingen eines solchen Vorhabens war, ein Team zu finden, das zur ehrenamtlichen Mitwirkung an einem aktiven Naturschutz bereit ist“, sagt Mundt. 16 Jahre kümmerten sich Bärbel und Peter-Christian Mund aus Hof Tatschow gemeinsam mit Roland Radcke aus Schwaan darum, dass der Krötenzaun zum richtigen Zeitpunkt aufgestellt wurde. Hilfe beim Auf- und Abbau bekommen sie zudem von Peter Jung, der auch gestern wieder mit anpackte.

In den vergangenen Wochen waren Mundt und Roland Radcke täglich am Zaun, um Tiere einzusammeln, die sie dann wohlbehalten auf die andere Straßenseite beförderten. „Die Eimer müssen jeden Morgen geleert werden – bei jedem Wetter“, erzählt Roland Radcke. Ist die Witterung besonders günstig, kontrolliert er die Eimer auch mehrfach am Tag, damit kein Tier vertrocknet. Doch die Zeiten haben sich seit Beginn der Initiative geändert. „Früher war das explosionsartig. Ein Frosch ging los und alle anderen folgten“, erinnert sich Peter-Christian Mundt. Dann war es besonders wichtig, den Zaun keinen Tag zu spät aufzustellen, wenn Moor- und Grasfrösche die Wanderung schlagartig antraten.

Doch nach 16 Jahren denkt Peter-Christian Mundt daran aufzuhören – aus Frust, sagt er. Denn nach 2009 änderte sich die Situation an der Amphibienleiteinrichtung. Der einst brach liegende Acker wurde bewirtschaftet und bedeutete für die Amphibien ein weiteres Hindernis. „Die Landwirtschaft wird immer intensiver“, kritisiert Radcke. Die Zahl der Tiere, die es überhaupt bis zur Straße – dem ursprünglichen Problempunkt – schaffen, ist drastisch gesunken.

Jedes Jahr werde die untere Naturschutzbehörde über die Entwicklung informiert, erklärt Mundt. Auch habe er Maßnahmen empfohlen, um der Entwicklung entgegen zu wirken. Doch passiert sei in all den Jahren nichts. „Die Zukunft ist, dass auf der anderen Seite ein Objekt hinkommt“, fügt Roland Radcke an. Dann kommt eine weitere Hürde zum Laichgewässer hinzu.

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