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70 Prozent als mangelhaft bewertet : Kreisstraßen in prekärem Zustand

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Die Situation ist prekär: Rund 70 Prozent der 617 Kilometer Kreisstraßen im Landkreis Rostock befinden sich in einem mangelhaften bis schlechten Zustand. Sechs der 38 Brücken müssen zudem saniert werden.

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erstellt am 27.Apr.2012 | 10:19 Uhr

Güstrow | Die Situation ist prekär: Rund 70 Prozent der 617 Kilometer Kreisstraßen im Landkreis Rostock befinden sich in einem mangelhaften bis schlechten Zustand. Sechs der 38 Brücken müssen zudem saniert werden. "Hier ist der Bauzustand kritisch bis ungenügend", sagt Burkhard Krause, Leiter des Amtes für Straßenbau und Verkehr im Landkreis Rostock. Den aktuellen Finanzbedarf für den Ausbau der Kreisstraßen und Brücken beziffert er auf ca. 170 Millionen Euro - eine immense Summe. Als wenn das alles nicht schon alarmierend genug wäre, setzte Krause bei der jüngsten Sitzung des Wirtschafts- und Verkehrsausschusses noch einen drauf: "Aufgrund der späten Haushaltsbestätigung des Landkreises zeichnet sich ab, dass wir dieses Jahr kein Stück Kreisstraße fertig stellen können." Mit einem Haushalt für den Landkreis rechnet Krause erst im dritten Quartal - dann sei es für den Straßenbau zu spät.

Wegen der dieses Jahr nicht vorhandenen öffentlichen Aufträge für den Straßenbau werde auch die Wirtschaft in der Region geschwächt, so Krause. "Das wird sich auf Straßenbaubetriebe, Asphaltmischwerke, Betonwerke, auf Garten- und Landschaftsbaubetriebe, auf Planungsbüros und auch auf Spediteure auswirken. Da hängt ein ganzer Rattenschwanz dran", sagt er. Krause legt die Fakten auf den Tisch. 170 Millionen Euro werden benötigt, der Landkreis verfügt gegenwärtig - vorbehaltlich der Beschlussfassung zum Haushalt - aber nur über ein Jahresbudget von rund drei Millionen Euro für den Ausbau und die Erhaltung der kreiseigenen Straßenbaulast. Eine Lösung scheint unmöglich. "Wir haben einen überproportionalen Verschleiß an Straßen und Brücken im Landkreis im Gegensatz zum Neubau und zur Instandsetzung", schildert Krause die Situation.

Als besonders prekäre Beispiele für den schlechten Zustand der Kreisstraßen nennt der Leiter des Straßenbauamtes die Straße zwischen Zehna, Bellin und Marienhof. Ebenfalls stark sanierungsbedürftig ist die Straße zwischen Sabel, Kankel und Hohen Sprenz. Zwischen Bansow und Hinzenhagen ist die Straße zudem überhaupt nicht befestigt. Unbedingt erneuert werden müsste zum Beispiel auch die Brücke über die Nebel zwischen Koppelow und Ahrenshagen, erläutert Krause.

Trotz dieser düsteren Fakten sieht der Vorsitzende des Wirtschafts- und Verkehrsausschusses des Landkreises, Peter Stein, "die wesentlichen Strecken in Ordnung". Nur in Einzelfällen sei die Situation prekär. "Ich habe allerdings mit dieser schlechten Situation gerechnet. Dazu muss man nur sehenden Auges durch den Landkreis fahren und sich die Haushaltsansätze der vergangenen Jahre für den Straßenbau anschauen. Hier wurde wenig Geld reingesteckt. Das kann nicht ohne Folgen bleiben", sagt Stein. Dass dieses Jahr keine Investitionen in den Straßenbau möglich sein sollen, wie Krause sagt, sieht auch Stein als "Katastrophe für unsere Straßenbauer. Die sind von öffentlichen Aufträgen abhängig."

Der Wirtschafts- und Verkehrsausschuss hat den Beschluss gefasst, dass die Kreisverwaltung für den Ausschuss einen Einzelhaushalt, vor allem auch für den Straßenbau, erarbeiten soll. "So hoffen wir einen Überblick zu bekommen, um den Finger gezielter in die Wunde legen zu können", sagt Stein. Zudem müsse ergebnisoffen über die Frage diskutiert werden, ob der Landkreis jeden Streckenabschnitt, den er heute noch habe, auch zukünftig noch brauche.

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