Bützow : Kostspielige Pflicht für Gemeinden

Bei einem Löschwassereinsatz mit viel Material, muss die Wasserversorgung sichergestellt werden. Aber nicht auf Kosten des Trinkwassers.
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Bei einem Löschwassereinsatz mit viel Material, muss die Wasserversorgung sichergestellt werden. Aber nicht auf Kosten des Trinkwassers.

Feuerwehr-Einsatzwagen müssen aufgerüstet werden

svz.de von
05. Mai 2017, 09:00 Uhr

Auf die Gemeinden der Region kommt eine Ausgabe zu, die bislang nicht im Haushalt enthalten war. Die Einsatzfahrzeuge der Feuerwehren müssen aufgerüstet werden, um den Schutz des Trinkwassers zu gewährleisten.

Hintergrund: „Es ist vermehrt aufgetreten, dass Trinkwasser bei Löscharbeiten verschmutzt wurde, vor allem in den alten Bundesländern“, erklärt Amtswehrführer Ralf Ackerhans. Bei der Entnahme von Löschwasser aus einem Hydranten kann es passieren, dass verunreinigtes Wasser zurück in das Trinkwasser fließt. „Durch Rückstöße kann das passieren“, weiß der Wehrführer. Vermieden werden kann das durch einen sogenannten Rückflussverhinderer. Ackerhans’ Wissen nach kostet ein Standrohr mit Rückflussverhinderer 500 Euro. Etwas billiger sei die Alternative, die Umrüstung für Standrohre. Die Kosten würden sich auf zirka 300 Euro belaufen. Tragen müssen die Ausgaben die Gemeinden, die den Brandschutz zu gewährleisten haben. „Nach und nach werden alle Wehren umgerüstet“, sagt der Wehrführer.

Die Pflicht, das Trinkwasser bei der Entnahme von Löschwasser zu schützen, bestehe schon immer. Die Um- beziehungsweise Aufrüstung ist nun allerdings Pflicht. „Mit der Technik ist man als Feuerwehrmann abgesichert“, sagt Ralf Ackerhans. „Sonst kann es ein teurer Spaß für den Einsatzleiter werden.“ Der Schutz des Trinkwassers liege auch den Kameraden am Herzen. „Man möchte als Feuerwehrmann auch selbst sauberes Wasser aus dem Hahn haben. Wir gehen da nicht leichtfertig mit um.“

Der Clou an der Thematik: Die Gerätschaften aller Wehren müssen umgerüstet werden. Auch die der Gemeinden, die gar kein Hydrantennetz vorhalten. „Alle Gemeinden sind betroffen“, erklärt Ackerhans. Denn theoretisch kann es passieren, dass im Zuge einer Brandkatastrophe, zum Beispiel in Bützow, alle umliegenden Wehren an den Einsatzort gerufen werden. Dann muss jede Wehr in der Lage sein, unter den örtlichen Bedingungen Wasser zu entnehmen – unter Wahrung des Trinkwasserschutzes.

Birgit Czarschka (SPD), Gemeindebürgermeisterin von Bernitt, weiß von der bevorstehenden Ausgabe noch gar nichts. Drei Ortswehren sind von der Aufrüstung betroffen. Sie nimmt die Maßnahme per se in Schutz, kritisiert jedoch die Vorgehensweise. „Brandschutz ist eine wichtige Sache.“ Man müsse so ausgerüstet sein, dass man überall helfen kann. Czarschkas Problem daran ist, dass es von oben herab beschlossen wurde, ohne die Finanzierung zu überdenken. „Das ist wie mit der Brandschutzbedarfsplanung“, hadert die Bürgermeisterin, „das wird per Gesetz beschlossen und wir müssen bezahlen“. Es werde wieder einmal in die kleinste Tasche gegriffen. Bei drei Wehren käme eine Summe zusammen, die erst einmal irgendwo anders eingespart werden müsse. „Jede Ausgabe tut weh.“

Ähnlich sieht es auch Gunter Brietzke (EB), Bürgermeister von Dreetz. „Vom Grundsatz her sind alle mittleren dreistelligen Beträge eine Beratung im Gemeinderat wert. Wir sagen nicht ad hoc ,das können wir, das machen wir’“. Brietzke betonte zwar, dass der Brandschutz wichtig sei, die Ausgabe jedoch umso ärgerlicher, da in der gesamten Gemeinde jedoch kein einziger Hydrant sei. „Das Geld würden wir lieber woanders ausgeben. Aber den gesetzlichen Bedingungen werden wir uns nicht entziehen können.“

Ralf Ackerhans empfiehlt, dass alle Wehren ihren Bedarf melden, da es gesammelt vielleicht kostengünstiger ausfallen könnte. „Bei 23 Feuerwehren im Amt wäre das eine ganz andere Größenordnung.“ Ähnlich verfährt das Amt Bützow-Land mit der Vergabe der Aufstellung des Brandschutzbedarfsplanes für die Gemeinden (SVZ berichtete).

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