Bützow : Kosten der Tafel spärlich gedeckt

„Mein größtes Geschenk ist meine Familie“: Christina Rohde engagiert sich für die Bützower Tafel.
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„Mein größtes Geschenk ist meine Familie“: Christina Rohde engagiert sich für die Bützower Tafel.

Der kleine Verein in Bützow weiß kaum, wie er Rechnungen bezahlen soll. Es sind viel weniger Waren in den Regalen als im Vorjahr.

svz.de von
06. März 2018, 12:00 Uhr

Eine knappe Kasse haben nicht nur die Kunden, die wegen Lebensmitteln die Bützower Tafel aufsuchen. Auch der Vorstand des eingetragenen Vereins selbst weiß selten, wovon er zum Beispiel den TÜV oder Reparaturen einer der beiden Transporter bezahlen soll. In gewisser Weise lebt der Verein von der Hand in den Mund.

„Es ist eine Berg- und Talfahrt“, sagt die Vorsitzende Christina Rohde zum Aufkommen der Spenden im Verlauf des Jahres. Normalerweise steigen Spendensummen und Nahrungsmenge um Weihnachten – doch in diesem Jahr leider nicht so stark wie in den Vorjahren. Deshalb machen sich die Ehrenamtlichen Sorgen, ob sie den Betrieb das ganze Jahr 2018 aufrecht erhalten können.

Christina Rohde fragt einen der beiden Fahrer, wie viel Geld fürs Tanken der beiden Diesel im Monat drauf geht. „350 Euro“, heißt es wie aus der Pistole geschossen. Damit nicht genug: Der Transporter aus dem Jahr 2013 muss zum TÜV, der ältere aus dem Jahr 2006 braucht neue Bremsen. Woher nehmen?

Ohne die beiden Bullis geht es nicht. „Wer was haben will, muss fahren“, bringt es die Vorsitzende auf den Punkt. Die beiden Fahrer Holger Jürgens und Klaus Fritsche steuern dreimal die Woche Supermärkte von Bützow bis Kühlungsborn an sowie täglich in Schwaan. Wurstwaren bezieht die Bützower Tafel von einer Firma aus Ludwigslust, Milchprodukte aus einer Molkerei in Upahl.

Zwar unterstützt die Stadt Bützow das Holen und Verteilen von Lebensmitteln mit 3000 Euro und die Stadt Schwaan mit 1000 Euro, doch der Verein ist auf Spenden angewiesen, um die Mengen an Nahrungsmitteln umzuschlagen: Im vergangenen Jahr waren es geschätzt 47,7 Tonnen, also knapp vier Tonnen im Monat.

Knapp vier Tonnen Lebensmittel im Monat

 

Wer denkt, das sei viel, sollte diese Zahl kennen: Im Jahr 2016 hat die Bützower Tafel etwa 61,5 Tonnen Ware mit Muskelkraft ins tiefer liegende Haus befördert. „Der Wareneingang ist wahnsinnig zurückgegangen“, berichtet Christina Rohde. Sie vermutet, dass die Supermarkt-Ketten den Einkauf optimiert haben und damit weniger Ware das Mindesthaltbarkeits-Datum erreicht. Es ist sicher gut, wenn weniger Lebensmittel weggeworfen werden, aber die Menschen, die wenig Geld im Portmonee haben, erhalten dadurch auch weniger Waren über die Tafel.

Kunden können bei der Bützower Tafel für einen Beitrag von 2,50 Euro eine einheitlich große Tasche voller Lebensmittel bekommen, wenn sie ihre Bedürftigkeit mit ihrem Hartz-IV- oder Rentenbescheid nachweisen. Für jede zusätzlich unterstützte Person muss ein Euro entrichtet werden.

Christina Rohde trägt die Namen der Kunden in eine Liste ein, beim ersten Mal erhalten sie jeweils einen kleinen Ausweis. Die Verantwortlichen halten nach, wann ein Kunde die Tafel in Anspruch nimmt. Jeder erhält den gleichen Anteil der verschiedenen Waren.

Insgesamt suchen rund 300 Personen und 136 Vertreter eines Haushalts die Tafel am Rühner Landweg auf. „Sie haben eine unwahrscheinlich hohe Schamgrenze überwunden“, weiß Christina Rohde. Unter ihnen seien 16 ausländische Familien, die Sozialhilfe oder „Hartz-IV“ erhalten.

Kein Streit mehr um die Waren

 

Probleme gebe es zwischen ihnen und deutschen Kunden nicht mehr – eine Zeit lang hätten einige Ausländer andere Lebensmittel verlangt als die, die die Helfer allen einpacken. Dem schob Christina Rohde aber einen Riegel vor, denn es soll gerecht zugehen. „Da mache ich keine Unterschiede. Wer etwas anders haben will, kann vor der Haustür tauschen“, sagt die Vorsitzende.

Was würde sich die Vorsitzende der Bützower Tafel von einer Fee wünschen? „Ich würde mir für die Mitarbeiter eine Entlohnung wünschen. Sie arbeiten körperlich schwer: Es ist anstrengend, die Kisten herunterzutragen und die Waren zu sortieren.“

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