Bützow : Knapp an großer Tragödie vorbei

Das Wohnzimmer, in das am Dienstag ein Auto krachte, gleicht einem Trümmerfeld. Claudia Voges ist froh, dass niemand zum Zeitpunkt des Crashs zu Hause war.
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Das Wohnzimmer, in das am Dienstag ein Auto krachte, gleicht einem Trümmerfeld. Claudia Voges ist froh, dass niemand zum Zeitpunkt des Crashs zu Hause war.

Nach dem Horrorunfall in Bützow, bei dem ein Auto in ein Haus krachte, stehen die Bewohner vor einem riesigen Chaos

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30. November 2017, 05:00 Uhr

Das Wohnzimmer von Familie Voges ist ein einziger Scherbenhaufen, kaum ein Möbelstück steht noch an seinem Platz, ein Teil der Hauswand liegt mitten im Raum. Nachdem am Dienstagabend ein Auto mit voller Wucht in ihr Haus in der Bahnhofstraße Ecke Schwaaner Straße krachte, ist nichts mehr wie es vorher war. Dennoch sind Claudia und Andreas Voges relativ gefasst. „Wir haben eigentlich großes Glück gehabt. Wenn jemand zuhause gewesen wäre und sich im Wohnzimmer aufgehalten hätte, dann wäre jetzt auf jeden Fall jemand tot“, sagt Andreas Voges. „Unsere Couch stand genau an der Wand, an der das Auto reinkrachte.“

Andreas Voges war zum Zeitpunkt des Crashs noch beruflich unterwegs. Seine Frau und sein Sohn kamen gerade vom Einkaufen und stellten fest, dass ein Auto in der Hauswand steckt. „Da muss es gerade einige Minuten her gewesen sein. Man darf gar nicht darüber nachdenken, was passiert wäre, wenn wir da gewesen wären“, sagt Claudia Voges.

 

Doch wie konnte es überhaupt zu diesem Horrorcrash kommen? Laut Gert Frahm, Sprecher der Polizeiinspektion Güstrow, lieferte sich der 38-jährige Fahrer des VW Golf eine Verfolgungsjagd mit der Polizei. Auf seiner Flucht verlor der Mann dann die Kontrolle und krachte in das Haus. Ein Streifenwagen begegnete ihm kurz zuvor zufällig im Gegenverkehr. Die Beamten erkannten den Mann, der bekanntermaßen nicht im Besitz eines Führerscheins ist, drehten um und verfolgten ihn mit Blaulicht. Der 38-Jährige hatte offenbar allen Grund zur Flucht, schließlich ist er laut Frahm in der Vergangenheit schon mehrfach – unter anderem wegen Verkehrsdelikten – in Erscheinung getreten. Nicht nur er, auch seine 19-jährige schwangere Beifahrerin erlitt schwere Verletzungen, beide kamen in ein Krankenhaus.

Nachdem die Feuerwehr das Auto aus der Hauswand gezogen hatte, klaffte dort zunächst ein riesiges Loch auf. Das ist mittlerweile durch eine Plane abgedeckt. „Wir haben bis auf Weiteres aber ein Sicherheitsunternehmen beauftragt, nachts Wache zu stehen, damit niemand auf dumme Gedanken kommt, solange es diese Öffnung gibt“, berichtet Andreas Voges.

Die finanzielle Komponente hat die Familie ebenfalls schon geklärt. „Unsere Versicherung übernimmt den kompletten Schaden. Der Fahrer des Autos hat keine“, sagt Andreas Voges. Das Geld werde aber eventuell von ihm eingeklagt. Diese rechtlichen Aspekte würden jetzt noch geklärt.

Der Unfall wirft einmal mehr die Frage nach erhöhten Sicherheitsmaßnahmen an dieser Ecke in Bützow auf. Denn es ist nicht das erste Mal, dass die Voges’ ein Szenario dieser Art erleben mussten. In den zwölf Jahren, in denen die Familie dort lebt, ist schon ein Auto in den Vorgarten gekracht, ein anderes kam kurz vor dem Haus zum Stehen, weil es die Kurve nicht richtig kriegte. „Die Kreuzung hier ist schon gefährlich“, sagt Andreas Voges. Um dem Nachdruck zu verleihen, bespricht sich Claudia Voges heute mit dem Bürgermeister. „Ich frage erstmal nach, ob es eine Möglichkeit geben würde, die Kreuzung mehr zu sichern“, sagt sie. „Ich würde es sehr gutheißen, wenn mehr Schutz da wäre. Die letzten Male ist es nicht annähernd so schlimm gewesen, da haben wir uns auch an niemanden gewandt. Aber dass es mal so schlimm kommt, damit rechnet ja keiner.“

Wann ihr Wohnzimmer wieder in Schuss sein wird, wissen die Voges’ noch nicht. „Zuerst durften wir wegen der möglichen Einsturzgefahr gar nicht rein. Jetzt sind wir dabei, schon mal einige persönliche Dinge herauszuholen, an die wir rankommen“, sagt Claudia Voges. Aber ob alles zu retten ist, ist zur Zeit auch fraglich. Denn das, was in den Schrankwänden stand, ist so mit Schutt und Schmutz bedeckt, dass vieles davon wahrscheinlich weggeschmissen werden muss. „Ich rechne damit, dass es mindestens drei Monate dauert, bis alles wieder in Ordnung ist“, sagt Andreas Voges. Wohnen kann die Familie aber trotzdem weiter in dem Haus. Der andere Teil des Gebäudes wurde bei dem Crash nicht in Mitleidenschaft gezogen. Auch das Büro, das ebenfalls dort untergebracht ist, läuft weiter wie bisher.

Das Materielle steht für ihn und seine Frau deutlich im Hintergrund. „Wir sind froh, dass niemandem etwas passiert ist. Dieses Wissen hilft. Außerdem haben sich bei uns so viele Menschen gemeldet, sich erkundigt und gefragt, wie sie helfen können. Das ist tröstlich in so einer Situation.“

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