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Bützow : Kleinstadt in Miniatur beliebtes Ausflugsziel

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Bis ein Haus originalgetreu in Bützows Miniaturstadt steht, vergehen Monate, manchmal sogar Jahre. Es sind Häuser, die das Stadtbild Bützows aus der Zeit von 1850 bis 1910 nachempfinden.

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erstellt am 05.Jul.2013 | 05:06 Uhr

Bützow | Bis ein Haus originalgetreu in Bützows Miniaturstadt steht, vergehen Monate, manchmal sogar Jahre. Es sind Häuser, die das Stadtbild Bützows aus der Zeit von 1850 bis 1910 nachempfinden. Den historischen Stadtkern einer Kleinstadt - einer Stadt, die sich noch kleiner macht. Am Nebelring sind seit 1995 auf einer Fläche von 2,6 Hektar 143 Miniatur-Bauten entstanden. Neben den Häusern sind auch Wallanlagen, Straßenzüge (mit Kopfsteinpflaster) und Gewässer originalgetreu dargestellt. Und das alles im Maßstab 1:10. Eine Besonderheit in der Miniaturwelt. "Das ist deutschlandweit einzigartig", betont Birgit Czarschka, Geschäftsführerin des Fördervereins "Miniaturstadt Bützow". Feine Muster, Türen und Fenster seien in einem kleineren Maßstab nicht mehr gut zu sehen.

"Unser erstes Gebäude war das Rats-armenhaus in der Kirchenstraße, das damals großen Anklang fand. Daraus entstand die Idee zu dem Projekt, den gesamten Altstadtkern Bützows nachzubauen", erläutert Birgit Czarschka. Finanziert wird das Projekt über den Förderverein und die Arbeitsgelegenheiten. Gelder kommen aber auch von der Stadt Bützow. So konnte jüngst das Krumme Haus in Miniatur am Schlosspark eingeweiht werden. Es ist eines der ältesten Gebäude Bützows überhaupt. Künftig sollen noch etwa 100 Nachbauten entstehen. Eine weitere Besonderheit ist, dass nicht Bützows jetziges Stadtbild nachgebaut wird, sondern die Stadt vor 100 Jahren. Grundlage für die Nachbildung im historischen Stil sind alte Fotos, Postkarten und Baupläne. Doch einige Häuser gibt es schon gar nicht mehr.

Damit ein Gebäude entstehen kann, ist eine technische Zeichnung notwendig. "Wir verwenden handelsübliche und wetterbeständige Baumaterialien. Alles wie bei einem großen Haus. Eben nur kleiner", berichtet Birgit Czarschka. Verschiedene Arbeitsschritte sind erforderlich: Betonplatten, Türen, Fenster und das Fachwerk zuschneiden sowie die Fugen mit Zahnarztbesteck verspachteln. Kleinteile werden per Hand geschnitten. Alle Feinheiten exakt zu rekonstuieren, erfordert von allen Mitarbeitern geduldiges und akribisches Arbeiten. Dabei sind die Arbeiter keine Fachleute. 90 Prozent sind ungelernt. In den neunziger Jahren begannen ABM-Kräfte mit den Nachbauten. Derzeit sind es Beschäftigte aus AGH, Bürgerarbeit und Bundesfreiwilligendienst.

Um die Minigebäude zu erkunden, kommen jährlich 10 000 Besucher nach Bützow. Darunter auch Schulklassen und Kindergruppen. Wie Erzieherin Heidrun Ritter mit den Hortkindern der Grundschule Warnow. Sie zählen zu den Stammbesuchern des Freizeitparks. Immer wieder spannend für die Kinder ist der Spaziergang durch die Straßen der Miniaturstadt. Lea Kahra aus Qualitz freut sich immer über neue Bauten. "Ich kann mir das Schloss ganz genau angucken und durch die Fenster schauen. In Wirklichkeit geht das ja nicht so einfach", schmunzelt die Neunjährige. Bei der Nachtwanderung im Miniaturpark war sie auch schon. Wie im Märchen ließ Rapunzel ihren langen Zopf von einem Turm herunter. "Meine kleine Schwester hat einfach an dem Zopf gezogen. Und auf einmal war er ab", berichtet die Grundschülerin. Auch Moritz Delpha ist regelmäßig auf Entdeckungstour in der Ministadt. "Ich finde es cool, dass die Kirchglocken auch läuten können", sagt der Zehnjährige. Alles aus luftiger Höhe überschauen zu können und für einen Blick in ein Fenster in die Knie zu gehen, da fühlen sich die Kinder wie einst Gulliver im Land der Zwerge. "Und zwischendurch toben wir auf dem Spielplatz", rufen Julia Michelle Ahrens und Fritz Boijink.

Künfig soll "Klein-Bützow" weiter ausgebaut werden. Für sein Projekt Walddorf möchte der Verein sechs Stelzenhäuser errichten. Sie sollen über Laufstege miteinander verbunden werden und sich in das Gelände und den Bewuchs einpassen. "In dem Haus auf zwei Metern Höhe sollen vier Schlafplätze für Kinder entstehen. Das ist mit einer Art stabilem Zelt vergleichbar", erklärt Projektleiter Thomas Schuchardt. Die Hütten sind schon vorgefertigt. Wenn die Baugenehmigung kommt, wird das Walddorf schon im kommenden Jahr zum Übernachten einladen. Für die Besucher eine weitere Möglichkeit, sich wie Gulliver in Liliput zu fühlen.

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