Feuerwehr Bernitt : Klein, aber gar nicht oho

Bürgermeisterin Birgit Czarschka und Wehrführer Torsten Hohmann kämpfen für ein neues Feuerwehrgerätehaus. Im alten ist sogar zu wenig Platz, um das Einsatzfahrzeug vernünftig zu besteigen.
Bürgermeisterin Birgit Czarschka und Wehrführer Torsten Hohmann kämpfen für ein neues Feuerwehrgerätehaus. Im alten ist sogar zu wenig Platz, um das Einsatzfahrzeug vernünftig zu besteigen.

Das Feuerwehrgerätehaus in Bernitt ist nach 100 Jahren in einem schlechten Zustand. Ein Neubau würde 400 000 Euro kosten

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05. November 2015, 08:00 Uhr

Das kleine Feuerwehrgerätehaus in Bernitt ist auf den ersten Blick nichts besonderes. „Von außen sieht es gar nicht so schlecht aus“, weiß der Wehrführer Torsten Hohmann.

Der erste Schritt in das Gerätehaus bringt aber bereits die Ernüchterung: klamme, kalte, muffige Luft steht in den Räumen. Ein Gefühl wie im Keller überkommt Besucher. Und genau das ist das Problem. 98 Prozent Feuchte wurde von einem Gutachter in den Wänden gemessen. Zudem sind die wenigen Räume sehr beengt.

„Das Gebäude ist vermutlich in den 1920er-Jahren gebaut worden“, so Wehrführer Torsten Hohmann. Denn genau so lang gibt es die freiwillige Feuerwehr in Bernitt. Damals gab es nur einen kleinen Raum – in den heute nicht mal mehr das Einsatzfahrzeug passen würde. Später wurde ein Mannschaftsraum angebaut, der Fahrzeugraum nach hinten verlängert und ein Spitzdach aufgesetzt. Schließlich wurde der Boden tiefer gesetzt, vermutlich um Platz für die immer größer werdenden Fahrzeuge zu schaffen. „Es wurde Flickschusterei betrieben“, sagt Bürgermeisterin Birgit Czarschka nüchtern.

„Das ist das eine Problem. Das andere ist, dass die Räume nicht richtig beheizt werden können“, fügt sie an. Derzeit sorgen kleine Elektroheizkörper dafür, dass die Temperatur irgendwie gehalten wird. Von warmen Räumen kann jedoch keine Rede sein, ganz abgesehen von den Kosten, die die Heizkörper mit sich bringen.

Selbst mit Sanierung jenseits der Norm

Für die Kameraden ist dieser Zustand eine doppelte Belastung. Sie müssen bei Einsätzen – zu denen sie oft nachts aus dem Schlaf gerissen werden – in kalte, klamme Kleidung schlüpfen. „Wenn man sich das mal vorstellt...“, winkt Hohmann ab. Denn oftmals warten die Kameraden dann in Bereitschaft und müssen bei den jetzigen Temperaturen ordentlich frieren. „Der Körper kommt einfach nicht auf Temperatur“, so Hohmann weiter. Neben der körperlichen Belastung kommt auch hier ein Kostenfaktor hinzu. Denn unter der Feuchtigkeit leidet auch die Einsatzkleidung. Die Ausrüstung für eine Person kostet knapp 1000 Euro.

Die einzige Lösung, die Bürgermeisterin und Wehrführer sehen, ist ein Neubau. „Wenn wir jetzt sanieren würden, sind wir trotzdem jenseits der Norm“, stellt Hohmann klar. Eine davon verlangt, dass das Einsatzfahrzeug im Gerätehaus bestiegen wird. In Bernitt ist das unmöglich. „Wir stehen mit dem Spiegel fast an der Wand“, erklärt er und: „Wir müssen rausfahren, stehen dann schon voll im Kreuzungsbereich und müssen dann aufsteigen“, führt Hohmann aus. In der Nacht warnt das Blaulicht herannahende Autofahrer vor der Gefahr. „Heute am Tage ist es kritisch, da sieht man es einfach nicht“, so Hohmann weiter.

Im Raum steht eine Summe von 400 000 Euro – so viel kostet ein Neubau. „Alles andere macht keinen Sinn“, meint der Wehrführer. Doch genau das ist die Zwickmühle, in der sich die Gemeinde befindet. An dem Gebäude festzuhalten macht keinen Sinn, ein neues ist mit hohen Investitionen verbunden.

Vorgespräche seien inzwischen mit mehreren Partnern, darunter dem Kreisbrandmeister Maik Tessin, geführt worden. Das Problem ist bekannt. Die Kosten sind für die Gemeinde – die keinen ausgeglichenen Haushalt vorweisen kann – eine nicht zu nehmende Hürde.

„Was wir brauchen sind Fördertöpfe“, sagt Torsten Hohmann. Das Projekt benötigt dringend Geldgeber, denn die Gemeinde kann nur einen Teil selbst stemmen. Ohne Spenden wird ein neues Gebäude wohl ein Traum bleiben, sind sich beide einig.

Was nicht in Frage steht, ist die Wehr selbst. In diesem Jahr seien die 18 aktiven Kameraden bereits zu nahezu doppelt so vielen Einsätzen wie im Vorjahr gerufen worden.

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