zur Navigation springen
Bützower Zeitung

16. Dezember 2017 | 18:05 Uhr

Wiendorf : Klangvolle Zeugen der Zeit

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Peter Reizleins Chronik über die Dorfkirche verrät einiges über deren Glocken

svz.de von
erstellt am 20.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Glocken sind in Kirchen ein elementarer Bestandteil. Wenn sie erklingen, weiß im Dorf oder in der Stadt jeder Bescheid. Ob Gottesdienste, Taufe, Hochzeiten, Bestattung, als Stundengeber, Signal bei Unglücken, als Jubel zum Frieden nach Krieg und Zerstörung. Ihren Ursprung finden sie in Asien, seit dem 6. Jahrhundert sind sie auch in Europa nachgewiesen. Viele Glocken haben, genau wie die dazugehörige Kirche, eine spannende Geschichte zu erzählen. So auch die Wiendorfer Kirchenglocken. Peter Reizlein schreibt darüber in der Kirchenchronik.

So habe die Wiendorfer Kirche ursprünglich mal vier Glocken gehabt. Der Glockenstuhl sei dafür sogar noch eingerichtet. Während sowohl die größte als auch die kleinste nicht mehr vorhanden sind, befinden sich zwei weitere noch immer in Wiendorf. „Das Wiendorfer Kirchengeläut besteht heute noch aus zwei Bronzeglocken, die an Eichenholzjochen hängen“, schreibt Peter Reizlein vom Förderverein Dorfkirche.

Während noch heute viele Glocken in den Kirchtürmen hängen und erklingen, vergessen viele die Entstehungsgeschichte dahinter. „Früher wurden Glocken oft von wandernden Gießern hergestellt, um den aufwendigen und schwierigen Transport der fertigen Stücke zu vermeiden“, schreibt Reizlein. Vor etwa 500 Jahren siedelten sich dann in größeren Städten Gießereien an.

Viele Glocken, nicht nur in Wiendorf, rückten zu Kriegszeiten in den Fokus. Nicht, weil sie so schön klingen, sondern weil sie seinerzeit für die Rüstungsindustrie gebraucht wurden. Dieses Schicksal ereilte auch das Geläut in Wiendorf.

So wurde etwa die in Wismar gegossene, knapp 700 Kilogramm schwere Glocke 1917 abgeliefert werden, ehe sie 1919 zurückgekauft werden konnte. Doch 1947 ist sie nach Recherchen von Peter Reizlein erneut abgeholt worden – seither verschwunden und der Glockenstuhl leer.

Die zweite wurde in Rostock gegossen und wog 550 Kilogramm. Der Bronzeguss wurde während des Ersten Weltkrieges nicht eingezogen, dafür aber später im Zweiten. Ersatzweise kam eine gleichwertige aus der gleichen Gießerei wieder zurück. Sie wurde 1743 in Rostock gegossen und trägt die Inschrift „Soli Deo Gloria“ sowie Wappen und Schriftzug von Carl Leopold, Herzog zu Mecklenburg. Noch heute erklingt sie in der Tonlage gis.

Die dritte Glocke bringt 150 Kilogramm auf die Waage und ist ebenfalls aus Bronze. „Sie hat die Kriegswirren überstanden“, schreibt Peter Reizlein. Das Geläut wird von der Inschrift „help + god + unde + maria +anno +domini mccccliiii “ geprägt. Sie erklingt im dis.

Die vierte Glocke mit einem kleinen Durchmesser von 40 Zentimetern trägt die Inschrift „o help god unde
maria A anno dni mcccccrir“. „Sie hat nach dem Krieg ihren Platz in der Kapelle in Göldenitz gefunden“, schreibt Peter Reizlein.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen