Schwaan : Kirchdach wird komplett erneuert

Die St.-Pauls-Kirche in Schwaan ist derzeit von Baugerüsten verhüllt.  Fotos: Sabine Herforth
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Die St.-Pauls-Kirche in Schwaan ist derzeit von Baugerüsten verhüllt. Fotos: Sabine Herforth

Konstruktionsfehler und ungeeignetes Material einer früheren Dachsanierung kommen die Kirchengemeinde teuer zu stehen

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23. Juni 2016, 21:00 Uhr

Die St.-Pauls-Kirche in Schwaan ist derzeit in Baugerüste gehüllt. Seit Jahren soll das Dach gerichtet werden. Ein Mammutprojekt für die Kirchengemeinde, denn es mussten insgesamt 250  000 Euro aufgebracht werden. Doch nachdem Experten nun das Dach genau unter die Lupe nahmen, zeigt sich, dass der Schaden weit größer als angenommen ist.

„Anfang der 1990er-Jahre wurde das Kirchdach neu gedeckt – aber nicht fachgerecht“, erklärt Pastor Heiner Jungmann. Es konnten jedoch keine Regressansprüche an das ausführende Unternehmen gestellt werden, weil es insolvent wurde.

Die Schwaaner Kirche behielt also viele Jahre ein besonders anfälliges Dach, das nun nach etwa 20 Jahren gerichtet werden kann. „Man muss das Geld haben, um es wieder in Ordnung zu bringen“, bringt Pastor Jungmann die größte Hürde auf den Punkt. Die Kosten sind immens. Denn mit einer Reparatur ist es nicht getan. „In der Konstruktion wurden Fehler gemacht, was zur Folge hat, dass das Dach bei starkem Sturm vibriert“, berichtet Jungmann. Häufig brachen die Ziegel dadurch auf dem Dach oder lösten sich.


Finanzielle Mittel reichen nicht aus


Mit finanzieller Hilfe durch Fördermittel für den Städtebau kann die Kirchengemeinde das Großprojekt nun endlich angehen. Die Gemeinde selbst beteiligt sich mit einem Eigenanteil von 25  000 Euro. Doch seit dieser Woche ist klar, dass das Bauvorhaben wohl deutlich teurer wird und deshalb in mehrere Bauabschnitte geteilt werden muss. Die ursprüngliche Planung sah vor, die alten Steine zu verwenden, die Konstruktionsmängel zu beseitigen und die fehlenden Ziegel nachzukaufen. Doch nachdem nun die Unterspannbahnen geöffnet wurden, zeigte sich, dass die benötigten Biber heute nicht mehr hergestellt werden, „aber auch nicht wirklich geeignet sind“, weiß Jungmann. Nicht zuletzt, weil die Biberschwänze nicht verschraubt, sondern jeweils lediglich mit einem Nagel befestigt wurden, generell aber ungeeignet für das Kirchendach sind. Immer wieder mussten deshalb Dachsteine nachgesteckt werden. „Es wurde immer wieder geflickt. Das ist natürlich kein Dauerzustand.“


Zeitplan ändert sich völlig


„Was jetzt passieren muss, ist, dass der mittelalterliche Dachstuhl auf Schäden kontrolliert wird.“ Ein Statiker überprüft, ob die Konstruktion die Last der neuen, deutlich schwereren Ziegelsteine – das Dach muss etwa 90 Kilogramm pro Quadratmeter tragen – hält und in wiefern nachgebessert werden muss. Vertreter der Denkmalschutzbehörde verschafften sich am Mittwoch einen ersten Überblick. Mit der Behörde muss abgestimmt werden, wie stark bei Nachbesserungen im Dachstuhl in das Gebälk aus den Jahren 1260 und 1256 eingegriffen werden darf, beispielsweise, wenn Holzbalken getauscht werden. Erst danach erfolgt eine neue Deckung mit sogenannten Kirchenbibern.

Einen konkreten Zeitplan gibt es derzeit nicht. Die Erkenntnis, dass das Dach komplett neu gedeckt werden muss, wirft das Projekt zurück. Von den verfügbaren finanziellen Mitteln kann nur ein Teil der erforderlichen Arbeiten erledigt werden. Deshalb wird es mindestens zwei Bauabschnitte geben.

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