Projekt „Papa ist auf Montage“ in JVA Bützow gestartet : Kinderspiele hinter Gittern

<strong>Den Kindern fehlt es</strong> auch hinter den Gittern an nichts. Projektinitiatorin Barbara Hansen sowie Karl-Michael Constien und Sebastian Volgmann (v. r.), die für die farbenfrohe Wandgestaltung sorgten, richteten in der JVA Bützow eine 'Wohlfühloase' ein. <foto>Robert Grabowski (2)</foto>
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Den Kindern fehlt es auch hinter den Gittern an nichts. Projektinitiatorin Barbara Hansen sowie Karl-Michael Constien und Sebastian Volgmann (v. r.), die für die farbenfrohe Wandgestaltung sorgten, richteten in der JVA Bützow eine "Wohlfühloase" ein. Robert Grabowski (2)

Die JVA Bützow ist in MV Vorreiter eines neues Projektes, das inhaftierten Vätern ermöglicht, mehr an der Erziehung ihrer Kinder teilzuhaben. Dafür wurde unter dem Namen "Papa ist auf Montage" eine Initiative gegründet.

svz.de von
01. Juni 2012, 10:02 Uhr

Bützow | Die Justizvollzugsanstalt Bützow ist in Mecklenburg-Vorpommern Vorreiter eines neues Projektes, das inhaftierten Vätern ermöglicht, mehr an der Erziehung ihrer Kinder teilzuhaben. Dafür wurde unter dem Namen "Papa ist auf Montage" eine Initiative gegründet, die es zehn Gefangenen für sechs Monate erlaubt, ihre Familie, insbesondere den Nachwuchs, neben den zwei üblichen Besuchen für drei weitere Stunden im Monat zu sehen.

Initiatorin des Projektes ist Barbara Hansen, die mit ihrer Idee, das Eltern-Trainingsprogramm "Triple P" bei den Gefangenen anzuwenden, überall auf Gegenliebe stieß, doch keiner wollte es bezahlen. "Es war von Anfang an eine Frage des Geldes. Der Justizvollzug hat eben keine große Lobby", sagt ihre Chefin Agnete Mauruschat, Leiterin der JVA Bützow. Hansen und Mauruschat ließen sich aber nicht entmutigen und bewiesen bei der Suche nach potenziellen Geldgebern langen Atem. Nachdem mit der Jacobs-Foundation ein privater Investor seine Hilfe mit 40 000 Euro zusicherte, wurden auch noch die restlichen 52 000 Euro aufgetrieben.

Es gab nur ein Problem, nicht alle Väter der JVA Bützow können am Projekt teilnehmen. Dabei hat knapp die Hälfte der Inhaftierten Kinder. "Die Gefangenen mussten sich bewerben. Nach den Auswahlgesprächen haben wir uns dann für die ersten zehn Teilnehmer entschieden", sagt Barbara Hansen. Diese genießen nun schon seit dem 16. April ihren Sonderstatus. Das Projekt läuft erst einmal über 2,5 Jahre. "Der Sinn ist, dass die Gefangenen das Erlernte so schnell wie möglich in der Freiheit wieder anwenden", sagt die Initiatorin. Deshalb haben vor allem die Insassen gute Möglichkeiten, an dem Projekt teilzunehmen, die in naher Zukunft entlassen werden.

Letztlich soll das Projekt vor allem den Kindern zugute kommen, die als Halt eine starke Familie benötigen. Denn nicht wenige Familien zerbrechen an einer Inhaftierung des Vaters. Gerade deshalb ist ein enger Kontakt zwischen Kind und Vater wichtig. Für einen liebevollen Umgang innerhalb der Gefängnismauern gestaltete die JVA den ehemaligen Kirchen- und Kinosaal mit ehrenamtlicher Unterstützung, z. B. bei der Wandgestaltung, in einen großen Spielplatz um, der altersgerecht unterteilt ist. Aber auch um die Mütter und Frauen wird sich außerhalb des Vollzuges gekümmert, von der "Evangelischen Jugend" betreut.

Prominente Unterstützung erhält das Projekt auch von Box-Weltmeister Arthur Abraham, der gestern die JVA Bützow und damit erstmals ein Gefängnis besuchte und mit den Gefangenen das Gespräch suchte.

Letztlich steht das Projekt "Papa ist auf Montage" auch unter dem Motto: "Das Ziel des Strafvollzugs ist die Resozialisierung."

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