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Bützower Zeitung

24. Oktober 2017 | 13:41 Uhr

svz-serie : Kein Geld für Bodenreformland

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Dr. Ulrich Bauer erinnert an das Kriegsende vor 70 Jahren

Nach dem 17. Juni 1953, als die Arbeiter in Berlin und in vielen anderen Städten sich gegen das Regime in der DDR auflehnten und der „Neue Kurs“ von der Regierung der DDR verkündet wurde, ließ der ideologische Druck auf die Bauern nach. Bis zum „Sozialistischen Frühling“ 1960 konnten die Altbauernhöfe ihre Selbstständigkeit behaupten. Wachsen war aber nicht mehr möglich, weil frei werdende Flächen von dem ÖLB übernommen wurden. Moderne Landmaschinen, zum Beispiel Traktoren, Mähdrescher oder Melkmaschinen, gab es für die Bauern ebenso wie Investitionen in Gebäude nicht. Die Neubauern gründeten 1959 die erste LPG in Groß Ridsenow. Als 1960 die Regierung den Zusammenschluss aller Bauern zur LPG durchsetzte, war der Widerstand auch in Groß Ridsenow geringer als in den Vorjahren. Die meisten Siedler von 1937 und 1945 waren inzwischen im Rentenalter oder kurz davor. Die Töchter und Söhne hatten an der Übernahme kein großes Interesse. Die junge Generation wollte nicht mehr hinter dem Pferdegespann herlaufen und auf dem Mähbinder sitzen, sie wollten Trecker und Mähdrescher fahren. Das war nur in der LPG möglich. Viele Kinder hatten auch andere Berufe gelernt, waren in die Stadt gezogen oder hatten ein Studium aufgenommen. Meine Eltern hatten mir geraten: „Geh zum Studium. Wenn die LPG kommt, kannst du Inspektor werden.“


Der Bund verkauft jetzt das Land


Zunächst wurden LPG des Typ I gebildet, wo das Vieh auf dem Hof blieb und nur die Flächen gemeinsam bewirtschaftet wurden. Dann ab 1970, mit der genossenschaftlichen Viehhaltung, kam der Übergang zum Typ III. Nach der Wende 1990 bestand für alle Bauern bzw. für die Erben der Höfe die Möglichkeit, wieder privat zu wirtschaften. Für alle die in den 50er-Jahren eine Neubauernstelle übernommen hatten, damit in die LPG gingen und Inventarbeiträge so wie Grundsteuer zahlten, kam die große Enttäuschung. Während die Neubauern 1945 wohl von Amts wegen im Grundbuch eingetragen wurden, hätten alle, die eine Siedlung später übernahmen, die Eintragung im Grundbuch beantragen müssen. Da das nicht erfolgte, weil man Bodenreformland ohnehin nicht verkaufen, sondern nur vererben durfte. Deshalb sind die Flächen wieder in den Bodenfonds gefallen und werden zur Zeit von der BVVG für 15 000 bis 30 000 Euro je Hektar zu Gunsten der Staatskasse verkauft. Über dieses Vorgehen hat es in den zurückliegenden Jahren juristische Auseinandersetzungen gegeben. Ein wesentliches Argument war, dass Bodenreformland an die Neubauern angeblich kostenlos übergeben wurde.


Erben führen Bauenhöfe nicht mehr fort


Mir liegt ein Schuldschein eines Neubauern vor, in dem er sich verpflichtet, als Bodenreformland-Empfänger den Betrag von 2797,50 DM an die Gemeinde zwecks Weiterleitung an die Landesregierung für seine Neubauernstelle zu zahlen. Der Betrag beläuft sich auf den Verkaufserlös einer damaligen Jahresgetreideernte. Von den Neubauern nahm nach der Wende keiner seine Stelle wieder in eigener Bewirtschaftung und von den Altbauern haben die Erben nur auf einem Hof die Bewirtschaftung im Nebenerwerb begonnen. Fast die gesamte Feldmark wird von Agrarbetrieben, die ihren Sitz außerhalb des Dorfes haben, bewirtschaftet. Einige Wirtschaften sind bereits zu DDR-Zeiten nicht von den Erben übernommen worden und so in das Eigentum der BVVG gekommen. Zwei Hofstellen sind abgebrannt und nicht wieder aufgebaut worden. Getrennt nach Gebäude und Acker wurden einige Bauernstellen von den Erben an Zugezogene aus der Stadt und an Agrarbetriebe verkauft.

Bauernwirtschaften in traditioneller Form hat es in der 700-jährigen Geschichte von Groß Ridsenow nur während der kurzen Zeitspanne zwischen 1937 und 1960 gegeben.


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