Landtagswahl : Kandidaten auf dem Prüfstand

Nur rund 20 Interessierte waren zum ersten und einzigen Wahlforum in Güstrow gekommen.
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Nur rund 20 Interessierte waren zum ersten und einzigen Wahlforum in Güstrow gekommen.

Landtagswahl: Wahlforum des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Güstrow / Viele Themen – geringer Zulauf

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18. August 2016, 05:00 Uhr

In gut zwei Wochen dürfen die Wahlberechtigten im Land wieder ihre Kreuze setzen. 16 Direktkandidaten sind in den beiden Wahlkreisen unserer Region für die Landtagswahl am 4. September aufgestellt – die Qual der Wahl. Eine Entscheidungshilfe bot der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) am Dienstagabend an und lud Kandidaten von SPD, CDU, Die Linke, FDP und Bündnis 90/Die Grünen zu einem öffentlichen Wahlforum ein. Gerne folgten die Direktkandidaten Philipp da Cunha (SPD), Heiko Karmoll (CDU) und Karen Larisch (Die Linke) der Einladung – für FDP und die Bündnisgrünen waren indes Johannes Weise (Listenplatz 3, FDP) und Silke Gajek (Listenplatz 1, Bündnis 90/Die Grünen) gekommen.

Nur rund 20 Interessierte folgten der Einladung des DGB in das Güstrower Heizhaus. „Wir hätten uns natürlich mehr Zuspruch gewünscht, aber es ist gut, solch ein Wahlforum zu machen“, fasste Jutta Reinders, Kreisvorsitzende des DGB, zusammen. Die freie Journalistin Anette Pröber führte durch den Abend, hakte nach bei Themen wie Bildung, kostenlose Kindererziehung und Integration. Auch die persönliche Motivation, für den Landtag zu kandidieren, stand im Fokus. „Durch meinen Vater (ehemaliger Güstrower Landrat/Red.) bin ich natürlich familiär vorgeprägt – er hat mich aber nie in eine Richtung gedrängt. Themen wie Breitbandausbau, Ausbau der Infrastruktur und Energiepolitik habe ich mir auf die Fahnen geschrieben“, erklärte Philipp da Cunha. „Ich will Politik für die Bürger machen, an der Basis mitgestalten“, fügte Heiko Karmoll an. Chancengleichheit und Mitbestimmung seien die Ziele von Karen Larisch. „Ich will nicht für, sondern mit den Menschen Politik machen“, sagte sie.


Streitthema: kostenfreie Kitaplätze


Einig waren sich die Landtagskandidaten beim Thema Bildung. „Wir müssen in jedem Fall in die Bildung investieren“, konstatierte Johannes Weise. Als Schornsteinfeger hielt Heiko Karmoll indes ein Plädoyer für das Handwerk: „Wir haben gerade im Handwerk einen deutlichen Fachkräftemangel. Viele machen heute Abitur und studieren – die fehlen natürlich auf dem Arbeitsmarkt. Wir müssen Werbung für Ausbildungen machen.“ Zudem müsse man die Mittlere Reife aufwerten und Kinder nicht ausschließlich in Richtung Abitur drängen, ergänzte Karen Larisch.

Uneinigkeit herrschte beim Thema kostenfreie Kitaplätze. „Perspektivisch sind wir natürlich dafür – das Ziel sollte sein, die Eltern deutlich zu entlasten“, sagte da Cunha. „Wer soll das bezahlen“, fragte indes Heiko Karmoll – und kassierte prompt eine Antwort. „Natürlich ist dafür Geld da – für andere Dinge ist auch Geld da“, sagte Silke Gajek, relativierte aber schon im nächsten Satz: „Aber es ist naiv zu glauben, dass es schon in der nächsten Legislatur kostenfreie Kitaplätze für alle gibt.“

Einen breiten Raum nahm schließlich das Thema Integration ein. Hier blieben die Kandidaten mit ihren Antworten zunächst recht vage – zu vage für Jutta Reinders, die in Rostock die Flüchtlingsinitiative „Füreinander da sein in Rostock“ gründete. „Kennen sie sich mit den Problemen der Flüchtlinge aus? Haben sie Kontakt zu Geflüchteten?“, fragte sie spitz. „In der Villa Kunterbündnis haben wir viel Kontakt zu Geflüchteten. Ich finde es wichtig, zuzuhören und sie mitzunehmen – Integration ist keine Einbahnstraße“, erklärte Karen Larisch. Heiko Karmoll hat sich indes mit Syrern aus dem Waldweg angefreundet: „Wir kochen gemeinsam bei mir zu Hause, und auf dem Inselseefest waren wir ein Kanuteam – das ist für mich Integration.“

Wenig Raum blieb am Ende der knapp dreistündigen Veranstaltung schließlich für Fragen aus dem Publikum. Walter Lindemann, selbst Sachkundiger Einwohner in der Güstrower Stadtvertretung (Freie Wähler), wollte wissen, wie die Kandidaten zu einem möglichen Burka-Verbot stehen. „Das ist Quatsch und hat schon in Frankreich nichts gebracht“, antwortete Johannes Weise. Auch Philipp da Cunha hält von diesem CDU-Vorstoß nichts. „Ich frage mich, ob eine Partei im Wahlkampf nichts besseres zu tun hat“, kritisierte er. „Nicht nachvollziehbar“, nannte selbst CDU-Mann Heiko Karmoll diesen Vorstoß.

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