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Steinhagen : Junge Ungarn lernen die Praxis kennen

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Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Zwölf Lehrlinge vom Balaton absolvieren beim Bützower Berufsbildungsverein ein vierwöchiges Berufspraktikum / EU-Austauschprogramm macht es möglich

svz.de von
erstellt am 03.Mär.2017 | 21:00 Uhr

In Steinhagen wird berufliche Bildung groß geschrieben. Dafür ist der Bützower Berufsbildungsverein (BBV) vor über zwei Jahrzehnten gegründet worden. Und seit Jahren profitieren davon auch junge Menschen aus anderen Ländern. In den kommenden vier Wochen werden zwölf ungarische Lehrlinge durch ein Berufspraktikum im BBV gefördert.

„Unser Grundgedanke ist, den Jugendlichen fachliches Wissen zu vermitteln, damit sie dann im eigenen Heimatland das Gelernte anwenden können“, sagt Geschäftsführer Peter Müller. Denn viel zu oft seien die Chancen dort, qualifiziert zu lernen, nicht ausreichend.

Ein Beispiel: „Zwei der jungen Ungarn, die in der Heimat zum Maler ausgebildet werden haben noch nie tapeziert.Und das im zweiten Lehrjahr. Das war dann das erste, was wir ihnen gezeigt haben“, sagt Müller. In Ungarn würde die Ausbildung häufig nur schulisch und nicht dual – also mit praktischem Anteil – ablaufen. „Die Vergangenheit hat uns aber gezeigt, dass bei uns aufgenommene Jugendliche in der Heimat dann sehr gefragt sind“, sagt Müller.

Auch Edda Henze, Vorsitzende der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft sieht einen großen Vorteil in dem Berufspraktikum. „Für die Ungarn ist es eine gute Chance, sich weiterzubilden und neue Arbeitsweisen kennenzulernen.“ Das Austausch-Projekt, das von dem EU-Förderprogramm Erasmus Plus getragen wird, gebe vor allem benachteiligten Jugendlichen die Chance, gesellschaftliche Anerkennung zu gewinnen. „Hier sind auch junge Leute aus Minderheiten – also Roma – dabei. In der ärmlichen Region Szekszard in Süd-Ungarn haben sie es schwer, ein würdevolles und gut bezahltes Leben aufzubauen. Ein Praktikum in Deutschland hilft da sehr“, sagt Henze.

Geschäftsführer Müller begrüßt die entsprechend hohe Motivation der Jugendlichen sehr. „Die zwölf Jungs sind fleißig, pünktlich und freundlich.“ Neben praktischen Ausbildungsinhalten möchte Müller auch die Regeln der „alten Schule“ mit auf den Weg geben. „Wir möchten hier ja auch die Persönlichkeiten der Teilnehmer weiterentwickeln. Und respektvolles Miteinander gehört dazu“, sagt Müller.

Ein weiterer wesentlicher Punkt des Projektes sei laut Henze, dass der Austausch ein Beitrag zum europäischen Miteinander ist. „Europa kränkelt momentan leider an mangelnder Solidarität. Dieses Projekt hier in Steinhagen ist aber der Beweis, dass Miteinander funktionieren kann.“ Müller stimmt zu: „Wir bilden die Jugendlichen hier ohne Eigennutz aus. Sie sollen die Fertigkeiten ja später in der eigenen Heimat anwenden können. Das ist unser Beitrag zur EU.“

Zu den zwölf Lehrlingen gehört auch Zsolt Veröczev. Der 19-Jährige arbeitet als Schlosser im Stahlbau. Momentan lernt er das Schweißen, denn das könne er in Ungarn nicht üben. „Die Möglichkeit, praktisch zu schweißen, ist dort nicht gegeben“, sagt Veröczev. Er freue sich sehr über die Chance, hier zu sein. „Mir gefällt es sehr gut. Die neuen Techniken sind interessant und die Meister erklären die Vorgänge sehr genau. Außerdem mag ich die Landschaft.“ Auch der Stadt Bützow habe er schon einen Besuch abgestattet. „Alles ist sehr sauber und ordentlich und die Menschen freundlich. Das gefällt mir“, so der Schlosserlehrling.

Um den Jugendlichen auch etwas von der Kultur mitzugeben, bietet der Verein auch Ausflüge an. Neben Rostock und Schwerin geht es zum Beispiel ins Ozeaneum.

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