Bernitt : Jugger ist der Renner

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Beim Kindercamp der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Bernitt, das gestern zu Ende ging, gab es viele Angebote

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15. Juli 2019, 12:00 Uhr

Alle paar Sekunden dröhnte ein metallenes Geräusch über den Platz. Jungen und Mädchen rannten mit gepolsterten Waffen und Schildern über die Wiese, riefen sich Anweisungen zu. Mitunter krachte eine „Pompfe“ auf eine andere, etwa ein gepolstertes „Schwert“ auf ein Schild. Aus der Ferne betrachtete Anatolij Derksen, der Gemeindepädagoge der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Bernitt, die Szenerie beim Kindercamp in Bernitt.

„Das ist Jugger“, erklärte er. Was zunächst martialisch wirkte, sei keine Gewalt-Geschichte. Das Spiel, das bereits 1989 nach einem Science-Fiction-Film entstand und in der Sport-Variante seit 1998 sogar Deutsche Meister hervorbringt, wurde in diesem Jahr der Renner des Kindercamps. „Es geht mehr um Fairness und Teamgeist“, erläuterte Anatolij Derksen. Die Teamer hätten den Kindern vermittelt, dass bei Jugger der Spaß wichtiger sei als der Sieg.

Aber das Camp, das die Teamer aufgebaut hatten, bestand aus viel mehr. Seit Dienstag verbrachten 120 Kinder ihre Zeit mit 44 Jugendlichen und Erwachsenen, die als ehrenamtliche Teamer den Sieben- bis 14-Jährigen „die beste Woche im Jahr liefern wollen“.

Diesen Anspruch hat der Camp-Leiter seit mehr als zehn Jahren. Bei so viel Erfahrung sei nur noch „Feinschliff“ nötig, erklärte Anatolij Derksen. Das Wochenthema lautete diesmal „Tipi topi, den Indianern auf der Spur“. Klar, dass dabei die Natur und ihre Materialien eine große Rolle spielten.

Zum Beispiel beim Basteln: Wiebke Wilhelmsen, die als Kind selbst sechs Mal im Camp war, hatte mit ihrer Gruppe Indianer-Rasseln gebastelt. Die 18-Jährige leitete mit vier weiteren Teamern diese Gruppe, die aus 18 Kindern unterschiedlichen Alters bestand.

Die Teamer selbst hatten sich auf einem Vorbereitungs-Wochenende kennengelernt. Dort wurden die einzelnen Teams gebildet. Die Teamer waren sich Wibke Wilhelmsen zufolge einig: „Im Mittelpunkt stehen die Kinder. So denken wir alle.“ Und wie es immer so ist: Sie bekommen viel zurück. Die 18-Jährige berichtete zum Beispiel, dass ein Achtjähriger sich morgens entschuldigte habe. Er hatte die Teamer am Abend zuvor lange wach gehalten. Und was fragte der Knirps am Morgen danach? „Soll ich Euch einen Kaffee bringen?“

Der Morgen war auf den Wiesen am Pfarrhaus in Bernitt stets entspannt. Kinder, die in aller Frühe spielen wollten, konnten ins Pfarrhaus gehen und die anderen auf diese Weise bis zum Wecken weiterschlafen. Frühstück gab es um 8 Uhr, Am Sonnabend und Sonntag eine Stunde später.

Für die Verpflegung standen Andreas Flade und ein Küchenteam bereit. Mittags gab es Hausmannskost, außerdem viel Kuchen. Oft brachten ihn auch Eltern der Camp-Kinder. Sie durften allerdings nicht aufs Gelände, sondern mussten ihn in den so genannten Kuchentresor legen. Dasselbe galt auch für den Fall, wenn der Schützling eine frische Hose erhalten sollte.

Der Tresor habe sich bewährt, erklärt Anatolij Derksen. Kämen Eltern aufs Grundstück, hätten es Kinder mit Heimweh noch schwerer: „Die fremden Eltern wirken dann als Verstärker“, weiß der Pädagoge. Die Eltern konnten aber Anatolij Derksen anrufen. Der schaute, wie es dem Zögling ging und rief die Eltern zurück. Auch bei Geburtstagen gab es keine Ausnahme. Es gibt dann eben zwei Feiern: eine im Camp und eine später zuhause.

Regeln seien wichtig, besonders in einem so großen Lager. Jedes Kind in MV konnte sich anmelden, es geht nach der Reihenfolge der Anmeldung – ohne Ausnahme. Und viele Teilnehmer kommen wieder, bringen oft ihre Freunde mit – zur vielleicht besten Woche im Jahr. Mit einem Gottesdienst ging das Sommercamp 2019 gestern zu Ende.

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