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Bützower Zeitung

18. August 2017 | 18:34 Uhr

Schwaan : Jugendclub als geschützter Raum

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Anlaufpunkte für Kinder und Jugendliche in der Region – Teil 3: Im „JotCee“ hilft Jörg Quandt in allen Lebenslagen

„Hier sollen die Kids keinen Stress haben.“ Das ist die maßgebliche Philosophie von Jörg Quandt, dem Leiter des Schwaaner Jugendclubs. Vor knapp drei Jahren hat Quandt die Stelle in dem etwas abseits gelegenen Gebäude in der Lindenbruchstraße übernommen. Zu den Jugendlichen, die täglich in den Club kommen, hat er einen guten Draht. Um pure Bespaßung dreht sich seine Arbeit allerdings nicht. „Meine Hauptaufgabe hier sind Gespräche“, erzählt er. „Die Zeiten, in denen es nur darum ging, die Jugendlichen in ihrer Freizeit zu beschäftigen, sind vorbei. Im Vordergrund steht die Lebenswegplanung.“


Spontanität statt starrer Strukturen


Jörg Quandt steht den Jugendlichen bei allen drängenden Fragen, die ihre Zukunft betreffen, zur Seite. Er helfe bei Bewerbungen, sei im Moment sogar dabei, jemandem eine Wohnung zu besorgen. „Ich nerve sie schon viel mit diesen Themen. Meine Lieblingsfrage ist immer ,Wo siehst du dich in fünf Jahren?‘.“ Getreu seines Anspruchs, im „JotCee“ eine möglichst stressfreie Atmosphäre zu schaffen, zwingt der Jugendlcubleiter seinen Schützlingen diese ernsten Gespräche aber nicht auf. Vieles ergebe sich nebenbei, etwa beim gemeinsamen Billardspielen.

Geredet wird aber nicht nur über die berufliche Zukunft, sondern auch viel über Privates. Probleme in der Schule, mit den Eltern und Liebeskummer seien stets präsente Themen, erzählt Quandt. „Das ist immer auf der Tagesordnung bei jungen Erwachsenen.“

Generell ist der Ablauf der Nachmittage im Schwaaner Jugendclub nicht akribisch durchstrukturiert. „Früher habe ich auch Billardturniere und Ähnliches organisieren wollen. Dann habe ich Plakate mit dem Termin aufgehängt – und am Ende hat die sowieso keiner gelesen“, erzählt Quandt. Deswegen laufe alles eher spontan ab. Neben dem Billardtisch steht immer auch ein Kicker, diverse Video- und Brettspiele und vieles mehr zur Verfügung. Zudem gibt es einen Proberaum, der laut Quandt vor allem freitags genutzt wird.

Etwa 15 Jugendliche nutzen den Jugendclub täglich. Was sich nach einem stabilen Kern anhört, ist für Jörg Quandt jedoch nicht zufriedenstellend. „Das ist ein Einbruch von mehr als der Hälfte. 2016 waren es immer um die 30, freitags sogar 40“, erzählt er. Diese „Abwanderung“ sei ganz natürlich, vor allem, wenn die Jugendlichen in die Lehre gehen, wegziehen, neue Freundeskreise aufbauen. „Trotzdem wünsche ich mir, dass wieder mehr dazustoßen. Vor allem würde ich mich über jüngere Schüler, die in die siebte und achte Klasse gehen, freuen.“


Campus könnte sich positiv auswirken


Positiv kann sich nach Quandts Ansicht der geplante Campus auswirken. „Ich bin sehr gespannt darauf. Es ist zwar schade um das Gelände hier, aber durch die Nähe zur Schule wird sich hoffentlich automatisch auch ein jüngeres Publikum bei uns einfinden.“ Sollte es so kommen, könnten sich auch die Prioritäten in der Freizeitgestaltung unter dem Dach des Jugendclubs verschieben. „Die Lebensplanung muss ich mit Fünft- und Sechstklässlern zum Beispiel noch nicht durchsprechen. Da würde es dann sicher wieder mehr ums Spielen und Hausaufgaben machen gehen“, so Quandt.

Um mehr Leben in den Jugendclub-Alltag zu bringen, nutzt Quandt besondere Aktionen. Eine davon, ein Fotoprojekt mit dem Titel „Zeitensprünge“, ist bereits angelaufen. Gemeinsam mit dem Seniorenclub stellen die Jugendlichen alten Stadtansichten von Schwaan aktuelle Fotos gegenüber. Jeder, der in seinem Fundus Bilder der Warnowstadt aus vergangenen Zeiten hat, kann diese beisteuern. Die Projektgruppe sucht sich 20 davon aus, die sie aus heutiger Sicht fotografieren und dann vergrößern. Das Ergebnis soll als Ausstellung zum Brückenfest gezeigt werden. „Geplant ist auch, die Geschichte zu erforschen, also herauszufinden, wer in den Häusern mal gewohnt hat und was diese Menschen gemacht haben“, sagt Jörg Quandt.

Ein weiteres Projekt, das wieder zusammen mit dem Seniorenclub umgesetzt wird, ist für Ende Mai geplant. Der freischaffende Künstler Karl-Michael Constien bringt den Teilnehmern Grafittis näher. Der pädagogische Effekt zielt hier vor allem auf die Senioren ab. „Viele ältere Leute denken ja, dass Grafitti Schmierereien sind. Das ist oft wahr, aber wir wollen bei dem Projekt vermitteln, dass es sich auch um Kunst handeln kann“, so Jörg Quandt.

Komplett allein muss Jörg Quandt die Verantwortung nicht händeln. Unterstützung bekommt er von Florian Kunze, der als Schüler selbst seine Freizeit im „JotCee“ verbrachte. Auf Anraten des Jugendclubleiters hat der 24-Jährige, der mittlerweile in der Ausbildung ist, an einem Lehrgang zum Erlangen der Jugendleiterkarte teilgenommen. „Jörg hat schnell mitbekommen, dass ich mich gut mit den Jugendlichen verstehe und mir dann den Vorschlag gemacht“, erzählt Florian Kunze. Beim Seminar wurden viele Themen behandelt, unter anderem das Jugendschutzgesetz.“


Humorvoller Umgang miteinander


Durch den Einsatz von Florian Kunze kann der Jugendclub auch aufmachen, wenn Jörg Quandt im Urlaub ist. „Er schließt dann für ein paar Stunden auf, wenn ich nicht da bin. So bleibt der Anlaufpunkt geöffnet“, sagt der Jugendclubleiter. Florian Kunze kümmert sich dann um die Jugendlichen, ist für sie Ansprechpartner. „Das gefällt mir gut. Ich kann sie oft zwar nicht so gut beraten wie Jörg, aber ich gebe schon meinen Senf dazu, wenn sie Probleme haben.“

Neben negativen Gefühlen und Erlebnissen wird im „JotCee“ aber auch Positives geteilt. „Das muss noch mehr in den Vordergrund kommen, schließlich besteht das Leben ja nicht nur aus Problemen“, sagt Jörg Quandt. Egal, was gerade aktuell los ist, er gehe seine Aufgabe vor allem mit Ironie und Humor an. „Das kommt immer gut.“


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erstellt am 24.Apr.2017 | 12:00 Uhr

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