Kambs : "Jäger sind doch keine Mörder"

<strong>Dr. Ulrich Bauer</strong> geht auf die Jagd. <foto>Ariadna Anaschkina</foto>
Dr. Ulrich Bauer geht auf die Jagd. Ariadna Anaschkina

Reportage: Eine Russische Gastschülerin geht mit dem Kambser Bürgermeister und Jäger Ulrich Bauer auf die Jagd. Doch an diesem Tag aber schweigt die Jagdwaffe.

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01. Juni 2012, 05:37 Uhr

Kambs | Ein ernster Mensch, der von früh bis spät nur mit wichtigen Papieren zu tun hat - genau so stellte ich mir das Leben eines Bürgermeisters vor, bis Doktor Ulrich Bauer mich in den Wald eingeladen hat. Diesmal aber nicht, um die Verwaltung mit dem Bürgermeister zu besprechen, sondern um mit dem Jäger zu jagen.

Es ist Mittwoch, 18 Uhr, und da ich noch nie an einer richtigen Jagd teilgenommen hatte, steht am Anfang eine kleine Vorbereitung. Einen Buchenwald finden, dann eine blühende Buche von der einfachen zu unterscheiden und zum Schluss sagen, ob ich mich entweder im Wald oder Forest befinde - ich bin sicher, alles, was ich während unseres Spaziergangs gelernt habe, werde ich zum nächsten Mal ohne Schwierigkeiten selbst können. Zum Beispiel, sagen, wessen Spuren auf der Erde sind.

"Diese sind von Wildschweinen, genau sie erwarten wir heute Abend, andere sind von Rehen", erklärte mir Dr. Bauer am Anfang.

Außerdem habe ich auch erfahren, wie alle Pflanzen und Blumen auf Deutsch heißen. Doktor Bauer studierte früher an der russischen Universität und konnte mir alle Namen übersetzen.

Das war wie ein "Hallo" aus der Heimat an diesem Abend. Ganz überrascht war ich auch, als ich das "Waldauto" von dem Bürgermeister gesehen habe. Es ist ein Lada Niva, in derselben Farbe und von demselben Modell wie bei meinem Vater!

20 Treppen und etwa 20 Meter hoch - gegen 21 Uhr, nach dem Füttern der Tiere mit Mais waren wir schon in einem kleinen Häuschen inmitten des Waldes. "Es soll nicht kalt werden, weil der Wind hier nur vom Süden kommt und meistens warm ist", erklärt mir der Bürgermeister. Ich freue mich. Schon am Anfang unserer Tour habe ich den richtigen Mantel des Jägers angezogen und einen Hut aufgesetz - alles grün, damit die Tiere mich nicht bemerken.

Wie immer habe ich mehrere Fragen, aber während der Jagd spricht man fast nicht, um die Aufmerksamkeit der Tieren nicht zu erregen. "Die Ruhe ist eine gute Gelegenheit zu überlegen, was du morgen machen oder worüber du in einem Brief schreiben wirst", sagt Dr. Bauer. Doch besprechen wir mit dem Bürgermeister alles, was mich interessiert. Und eine erste Frage ist natürlich, was wir schießen werden. "Wenn wir Glück haben, besuchen uns Wildschweine. Aber die können wir nur im Alter von zwei bis drei Jahren schießen, Jäger haben auch bestimmte Regeln", sagt er. Aber am diesem Abend haben wir mehr Glück als arme Tiere zu töten - schon in einer Stunde nach dem ungeduldigen Warten erscheinen auf dem kleinen Feld vor dem Häuschen Rehe.

Zuerst ruhig, dann schneller und schneller sprangen sie ganz in der Nähe umher, ohne uns zu bemerken. "Die Natur ist so, dass die nach oben nicht gucken - da ahnen sie überhaupt keine Gefahr". Dann kamen noch zwei Rehe, die uns auch nicht sahen. "Pro Jahr darf der Jäger nur vier Rehen schießen, aber das ist gar nicht der Grund, warum ich sie nicht schieße. Sie sind ganz jung und sollen was erleben, haben ihr eigenes Schicksal. Jäger sind keine Mörder", antwortet mir mein "Lehrer", wenn ich frage, warum das Gewehr sich heute erholt. So habe ich an einem Tag verstanden, dass Bürgermeister und Jäger nicht ganz so sind, wie viele Leute sie sich vorstellen. Und, was auch wichtig ist, dass die Rolle des Bürgermeisters und Jägers nur ein guter Mensch erfolgreich spielen kann. Dankeschön Doktor Bauer für dieses Wissen!

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