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Bützower Zeitung

11. Dezember 2017 | 08:26 Uhr

Bützow : Interkulturelles Zentrum geplant

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Haus Kirchenstraße 36 soll Ort der Begegnung von Bützowern und Zuwanderern werden

von
erstellt am 02.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Es war ein toller Nachmittag. Über 70 Teilnehmer zählte das Sommerfest, zu dem Mitglieder des Bündnisses „Eine Blume für Bützow“ in die Badeanstalt am Rühner See eingeladen hatten, erzählt Monika Finck vom Bündnis. Gekommen waren Asylbewerber unter anderem aus Syrien, Afghanistan, Ägypten und der Ukraine. Weil es immer wieder regnete, habe man weniger miteinander gespielt, umso mehr im Zelt gesessen und miteinander geredet, sagt Monika Finck. Aber genau das sei wichtig. „Da alle dezentral untergebracht sind, sehen sie sich nicht so oft. Einige besuchen sich zwar. Aber die Möglichkeiten, sich zu treffen und sich auszutauschen, die gibt es nur bei solchen Treffen“, sagt die Bernitterin.

Deshalb haben die Mitglieder des Bündnisses die Idee, ein interkulturelles Zentrum in Bützow zu etablieren. Eine Begegnungsstätte nicht nur für die Asylbewerber und anerkannte Zuwanderer, sondern für alle Menschen. „Dort könnten sie sich begegnen und auch mehr voneinander erfahren“, sagt Monika Finck zu den Zielen, die das Bündnis damit verknüpft.

Im Bützower Rathaus stieß die Idee auf offene Ohren. Die Stadt hat das historische Gebäude Kirchenstraße 36 erworben. Es handelt sich um das stark sanierungsbedürftige Eckhaus Kirchenstraße/Ellernbruch. Es gebe erste Überlegungen, was mit diesem Haus passieren soll, sagt Bürgermeister Christian Grüschow. Dabei seien sich alle einig, „dass wir kein zweites Bürgerhaus wollen“, so der Bürgermeister. Er spielt damit auf das Bürgerhaus Am Ausfall an, dass Anlaufpunkt für Vereine und Verbände war und vor Jahren geschlossen wurde. Es müsse eine gemischte Nutzung her. Im Erdgeschoss könnte die interkulturelle Begegnungsstätte entstehen, im Obergeschoss zum Beispiel Räume für die Verwaltung, sagt Christian Grüschow. Für die Finanzierung sei die Stadt auf der Suche nach Fördermitteln.

Dass genau dieses Haus ins Auge gefasst wurde, hänge mit der historischen Bedeutung zusammen. In dem Gebäude habe der ehemalige Pagenhofmeister und spätere Pfarrer der evangelisch-reformierten Gemeinde, Johann Heinrich Finman, gelebt. Sie habe genaue Aufzeichnungen von der Grundsteinlegung im Jahr 1871, sagt Pastorin Christine Oberlin.

Für Monika Finck und die Mitglieder des Bündnisses ist genau dieser historische Ansatz wichtig. Bei den evangelisch-reformierten Gemeinden handelt es sich um Christen, deren Ursprünge auf die französischen Reformierten (Hugenotten) zurückgehen. Unter Ludwig XIV., der als Sonnenkönig in die Geschichte einging, setzte im 17. Jahrhundert eine Verfolgung der Hugenotten ein. Vielen blieb nur die Auswanderung. So kam es 1699 auch zur Gründung der evangelisch-reformierten Gemeinde in Bützow durch die Glaubensflüchtlinge. Deshalb sei das Haus Kirchenstraße 36 historisch betrachtet prädestiniert dafür, ein interkulturelles Zentrum zu werden, so Finck.

Von Anfang an möchte das Bündnis seine Vision mit der Öffentlichkeit teilen. Deshalb soll bereits am 11. August eine Ausstellung unter dem Thema „Flucht und Zuflucht“ eröffnet werden. Daniela Melzig zeigt transparente Kunstobjekte. „Zu allen Zeiten gab es Fluchtbewegungen. Das stellt die Künstlerin dar“, heißt es in der Projektbeschreibung für die Exposition. Bis Ende September soll diese an drei Tagen in der Woche geöffnet sein. Geplant seien zudem verschiedene Veranstaltungen, wie Kino, ein Workshop und ein „Fest der Kulturen“.

Der Hauptausschuss bewilligte dafür mehrheitlich einen Zuschuss von 1500 Euro. Geld, das unter anderem aus dem Topf „flüchtlingsgebundene Mehraufwendungen“ bereitgestellt wird.

Das Bündnis möchte die Ausstellung dazu nutzen, das Haus der Öffentlichkeit vorzustellen, den jetzigen Zustand zu zeigen und den baulichen Handlungsbedarf zu verdeutlichen.

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