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Bützower Zeitung

18. August 2017 | 01:27 Uhr

Bützow : Integration auf dem Fußballplatz

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Team aus Prangendorf gewinnt erstes Fußballturnier für Asylbewerber um den Maltesercup. Gastgeber auf Platz 4

Das erste Fußballturnier für Asylbewerber um den Maltesercup ist Geschichte. Die Mannschaft aus Prangendorf siegte nach einem Elfmeterschießen im Finale und konnte am Ende den Wanderpokal in die Höhe strecken. Insgesamt gingen zehn Mannschaften aus dem Landkreis auf dem Sportplatz am Wall an den Start. Das Bützower Team um Betreuer Philipp Benn belegte den vierten Platz.

Es herrschte den ganzen Tag über eine ausgelassene Stimmung. Auf den beiden Spielplätzen ging es so richtig zur Sache. Die Teams kämpften mit viel Einsatz um Tore und Siege. Es gab strittige Entscheidungen und enttäuschte Männer. Dabei schenkten sich die Mannschaften nichts, doch es blieb auch immer fair.

„Es geht um den olympischen Gedanken“, sagte beispielsweise Thorsten Meyer. Der Polizeihauptkommissar gehört zum Team der Polizei Bützow. Das wurde, verstärkt mit Kollegen von der Polizeiinspektion Güstrow, vom stellvertretenden Bützower Revierleiter Sebastian Haacker aufs Feld geführt. In früheren Jahren habe er aktiv Fußball gespielt, sagt Meyer. „Jetzt nur noch in der Freizeit mit den Kindern“, erzählt der 48-jährige Rostocker.

Gegen die Mannschaft der Asylbewerber aus Lüssow, Gülzow und Wilhelminenhof (LGW) kann das Polizeiteam mit 1:0 gewinnen. Am Ende steht Platz 7 zu Buche.

Integrationsprojekt lockte nach Gülzow

Rainer Rehbein verfolgt die Partie vom Spielfeldrand sehr genau. Schließlich sind es „seine Jungs“, die da an den Ball treten. Der Pfarrer der evangelischen Kirche im Ruhestand kommt aus Gülzow. Dort lebt er mit seiner Frau in einem Wohnblock mit syrischen Flüchtlingen. Vor knapp einem Jahr kam er nach Mecklenburg-Vorpommern. „Ich habe 40 Jahre lang als Pfarrer Integrationsarbeit mit Flüchtlingen in ganz Deutschland geleistet“, erzählt Rehbein. Vor einem Jahr habe er dann von dem Projekt „Leben und Wohnen“ in Gülzow erfahren, das ein Investor aufgelegt hat. In mehreren Wohnblocks wohnen deutsche und syrische Familien zusammen.

„Es ist ganz selbstverständlich, das die Bevölkerung Ängste hat. Die gibt es aber auch auf der anderen Seite“, weiß Rehbein. In Gülzow sei der Bürgermiester das Thema Asylbewerber offensiv angegangen. „Hier wurden die Ängste sehr Ernst genommen. Es wurde ein runder Tisch organisiert. Rund 100 Menschen waren gekommen“, erinnert sich Rainer Rehbein. Und als die Syrer einzogen, wurden gleich Deutschkurse organisiert. „Da gab es noch kein Bundesprogramm“, erzählt der 73-Jährige. Mittlerweile gibt es ein gutes Miteinander. „Meine Nachbar wollten eigentlich ausziehen. Nun helfen sie, wo sie können“, sagt Rehbein.

Zum Fußballspiel geht es nach Klein Sien

Erst seit knapp eineinhalb Monaten sind in Moisall Asylbewerber untergebracht. „Die Jungs spielen gerne Fußball. Es gibt einen Platz im benachbarten Klein Sien“, erzählt Betreuer Rolf Schneiderbach und weiter: „Nun machen wir hier mit.“

Das Bützower Team besteht aus Ukrainern, Syrern, Afghanen und Deutschen. Vom Spielfeldrand aus wird es lautstark von den beiden Betreuern, dem Russen Dmitry Mayzels und dem aus Münster stammenden Iraner Ilghar Teihoueian, angefeuert. Gegner im zweiten Spiel ist die Mannschaft des Landkreises. Doch einen Deutschen sucht der Beobachter in deren Reihen vergeblich. „Es hat organisatorisch nicht ganz so geklappt“, erklärt Landrat Sebastian Constien (SPD). Doch das ist kein Problem. Eine Mannschaft von Asylbewerbern aus Eritrea war überraschend aus Rostock angereist. Also bekamen sie die von den Organisatoren vorbereiteten Trikots mit der Aufschrift Landkreis in die Hand gedrückt und können nun am Turnier teilnehmen.

Landrat Constien: „Es geht ja nicht um uns, sondern dass hier etwas für die Flüchtlinge getan wird.“

Am Ende zeigte sich auch Kathrin Braun, bei den Maltesern Koordinatorin für die Flüchtlingsbetreuung im Landkreis Rostock, zufrieden. „Es geht ja darum, die Leute mal zusammenzubringen. Einige sind ja doch weiter außerhalb von den Städten, wie zum Beispiel die Moisaller oder die Prangendorfer. Und Bützow ist für alle gut erreichbar“, sagt Braun. „Vielleicht können wir daraus ja eine kleine Tradition werden lassen. Deshalb auch ein Wanderpokal.“

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erstellt am 26.Mai.2016 | 21:00 Uhr

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