Bützower Geschichte : In der Kugel liegt ein Schatz

Stadtgraben mit Hospital 1903:1878 wurde das Hospital an der Ecke Pferdemarkt/2. Wallstraße durch Landbaumeister Adolf Prahst erbaut.  Repro: Hossmann
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Stadtgraben mit Hospital 1903:1878 wurde das Hospital an der Ecke Pferdemarkt/2. Wallstraße durch Landbaumeister Adolf Prahst erbaut.

Geschichten aus dem Schuhkarton-Serie (Teil 116) / Reparaturarbeiten ermöglichen Einblicke in die Geschichte des Hospitals (Teil 1)

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12. März 2016, 05:00 Uhr

Kräftig durchgerüttelt hat der Tornado vom 5. Mai vergangenen Jahres den Turm des Hospitals am Pferdemarkt. Während seine solide Konstruktion dem Unwetter einigermaßen standhielt, löste sich die Helmspitze aus der Verankerung. Mit einem Kran rückte die Dachdeckerfirma Gerullat aus Laage an, untersuchte in luftiger Höhe den Schaden und baute schließlich das auf der Turmspitze befindliche Wetterrad, das die Windrichtung anzeigt, ab. Ob wohl in der Kugel unterhalb des Rads ein Schatz sei, fragten sich Gottfried Hägele und Volkmar Rossnagel vom Verein Pferdemarktquartier. Als die Dachdecker die Kugel öffneten, fanden sie tatsächlich für die Nachwelt bestimmte Zeitdokumente: Handschriftliches zu Geschichte und Gegenwart des Hospitals, die Ausgabe des Bützow-Schwaaner Abendblatts „Der Volksfreund“ vom 10. September und die Ausgabe des Öffentlichen Anzeigers für die Ämter Bützow, Güstrow und Schwaan vom 12. September 1878, beide herausgegeben und verlegt durch Friedrich Werner und gedruckt in der Wernerschen Ratsbuchdruckerei in Bützow. Volkmar Rossnagel, der schon seit Jahren zur Geschichte des Hospitals forscht und zwei interessante Vorträge über das Gebäude, insbesondere zu seiner Glocke, im Kultursalon des Vereins am Pferdemarkt gehalten hat, machte sich gleich an die Handschrift. Gottfried Hägele meinte, dass die Dokumente aus der Kugel eine Vorlage für „Geschichten aus dem Wetterhahn“ sein könnten.


Urkunden lösen noch nicht alle Rätsel


Unter dem Titel „Das Hospital oder Ratsarmenhaus“ nannte der Verfasser des Schriftstückes 1878 zu Beginn bekannte Fakten über die Gründung 1566 durch Herzogin Elisabeth, geborene Prinzessin von Dänemark, Gemahlin des Herzogs Ulrich, „zuerst außerhalb des Rostocker Thores in christlicher Barmherzigkeit aus ihrem Leib-Eigenem.“ Sie hat den Bau also aus ihrem Vermögen finanziert. Zur Unterhaltung desselben hat Herzog Ulrich es „mit allen Äckern und Pächten des Klosters Bethlehem, das gleichfalls außerhalb des Rostocker Thores lag, dotiert. Die Dotationsurkunde ist vom 15. Maerz 1571.“ Die Ausstattung mit Einnahmen und Gütern des Klosters war der Gründungstag der herzoglichen Stiftung des „Hospitals zum Heiligen Geist“. Zufrieden ist Volkmar Rossnagel mit den Angaben nicht, denn damit ist nach wie vor unklar, wo sich einst das Hospital und das Kloster Bethlehem, das als Nonnenkloster schon 1468 urkundlich erwähnt wurde, vor dem Rostocker Tor befanden. „Später ist das Hospital in der Stadt an jetziger Stelle erbaut, wo es sicher hundert bis hundertfünfzig Jahre gestanden hat“, fährt der Schreiber fort.
Nach einer von Friedrich Franz II. veranlassten Reorganisation der Anstalt durch den Bützower Kriminalrat von Wick übergab der Großherzog das Eigentum der landesherrlichen Stiftung mit Erlass vom 24. Mai 1852 an die evangelisch-lutherische Kirche.

1864 war das Gebäude so baufällig, das es abgebrochen werden musste. Da die Mittel des Hospitals nicht ausreichten, wurde der Wiederaufbau verschoben und „alle möglichen Ersparnisse zurückgelegt.“


Adolf Prahst hat das Hospital gebaut


Erst 1878 wurde das Hospitalgebäude aus den Mitteln des Hospitals „neu und schön unter Protection Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Friedrich Franz II. aufgebauet.“ Landbaumeister Adolf Prahst, der 1870 vom Großherzog nach Bützow berufen wurde, hatte das Gebäude entworfen, die Kosten geplant und „in Accord“ (mit Zustimmung) gebaut. Der Bau gelangte zur Ausführung durch die ortsansässigen Firmen des Zimmermeisters Heinrich Hering und des Maurermeisters Johann Voth. An dem Windrad auf der Bützow weithin überragenden Turmspitze waren der Hofklempnermeister Louis Engel und der Schlossermeister Friedrich Willert beteiligt. Handwerker mit gutem Ruf, an die Adolf Prahst auch zukünftig immer wieder Aufträge vergab, wie zum Beispiel beim Bau der Großherzoglichen Mühle 1894. 36  500 Mark hat der Bau gekostet. Das wären heute etwa 445  300 Euro. Für die Nachwelt listete der Verfasser des Dokuments das Vermögen des Hospitals auf: Hospitalgebäude, eine Hospitalbude, diverse Ackerstücke, Wiesen und Gärten vor den Toren Bützows in Richtung Parkow, Rühn und Wolken, Erbpachten in Passin und Baumgarten. Alles zusammen in einer Größe von etwa 50 Hektar. Das zinstragende Kapital wurde mit 12  000 Mark (etwa 146  000 Euro) angegeben. Das Schriftstück vom 14. September 1878 endet mit dem Wunsch des Vorstands: „Der Herr verleihe dem Hospitale einsichtige Vorstände, die das Gut in Treue und Liebe verwalten, und mache das Hospital selbst zu einer Stätte des Glaubens und der Liebe, damit alle Glieder des Hauses in Ruhe und Frieden beieinander wohnen und sich rüsten auf eine selige Heimfahrt.“

Der Vorstand setzte sich zusammen aus Kirchenrat Chrestin, Pastor Gabert, Kanzleirat von Wick, Amtsverwalter von Lehsten, Maurermeister Voth, Stellmacher Vigenschow und Berechner (Kassenwart) Kühl.

Auf einem weiteren Blatt folgt der Stempel „Paul von Zepelin“ und die handschriftliche Anmerkung: „geboren am 4. April 1859, Stiefsohn von Landbaumeister Prahst.“

(Fortsetzung folgt)









































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