Negativrekord : Immer weniger Jungstörche in der Region

Wieder vier Jungstörche:  Im Schwaaner Nest am Tannenberg trotzen die Tiere dem Negativrekord.
Wieder vier Jungstörche: Im Schwaaner Nest am Tannenberg trotzen die Tiere dem Negativrekord.

Trockenheit erschwert die Aufzucht

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13. Juni 2016, 21:00 Uhr

Ein Jungstorch aus Gnemern wird derzeit in der Rostocker Tierklinik wieder aufgepäppelt. Das Tier war am Freitag aus dem Nest gefallen. „Die Anwohner waren sehr fürsorglich und aufmerksam“, lobt der Storchenbeauftragte Prof. Dr. Stefan Kroll, der die Population im Altkreis Bad Doberan dokumentiert. Sie alarmierten den Zoo in der Hansestadt, sodass der kleine Storch schnellstmöglich versorgt wurde. Die Chancen stehen gut, dass das Tier sich vollständig erholt, so Kroll hoffnungsvoll. Denn 2016 verlief für die Population Adebars bisher nicht gut.

„Es ist ein ausgesprochen schlechtes Storchenjahr“, sagt der Storchenbeauftragte. Verschiedene Umstände seien dafür verantwortlich. So seien viele Tiere erst sehr spät aus ihrem Winterquartier zurückgekehrt. „Das hängt mit Problemen auf der Reise zusammen“, mutmaßt Kroll. Problematisch daran ist, dass viele Storchenpaare deshalb gar nicht erst zu brüten begannen oder die Brut abbrachen.


Hälfte der Störche ohne Bruterfolg


„Insgesamt ist der Brutstand auf einem Tiefstand“, fasst Kroll zusammen. Nur 45 Horste im Altkreis Bad Doberan seien besetzt – das sind nach der Negativbilanz im Vorjahr noch einmal fünf besetzte Nester weniger. Etwa 50 Prozent der Storchenpaare bleiben in diesem Jahr ohne Brut – 2015 waren es noch 42 Prozent. „Das ist ein negativer Rekordwert.“ Im Bereich Bützow zeichnet sich ein ähnliches Bild ab, bestätigt Paul Thomzick aus Rühn, der den Kreis Güstrow betreut.

Für die Paare, die gebrütet haben, wurde das Wetter zum Problem, „weil es sechs Wochen lang kaum Regen gab“, so Kroll. „Dadurch haben sie große Probleme Futter zu bekommen. Es herrscht großer Nahrungsmangel aufgrund der Trockenheit.“

Vor allem Regenwürmer seien bei dieser Witterung kaum zu finden. „Regenwürmer sind aber das A und O“, betont Kroll. Denn die Jungtiere könnten noch keine Mäuse oder andere Kleintiere fressen. „Das kriegen sie einfach nicht runter“, erklärt er.

Das Nest am Tannenberg in Schwaan – hier wachsen gerade vier Küken heran – ist eine der wenigen Ausnahmen. In Satow wurden ebenfalls vier Jungstörche beobachtet. Hier scheinen die Störche bessere Bedingungen vorzufinden, um den Nachwuchs durchbringen zu können, meint der Storchenbeauftragte.

In Ziesendorf, Bentwisch und Hohen Luckow hat die anhaltende Trockenheit währenddessen für Brutabbrüche gesorgt. In Zeez und Berendshagen gab es einen Totalverlust der Brut. In Zeez waren bereits Ende April/Anfang Mai bei heftigen Kämpfen drei Eier aus dem Nest geworfen worden. Aus dem vermutlich letzten, vierten Ei schlüpfte ein Küken, das am Sonnabend leider tot unter dem Nest gefunden wurde.

Am kommenden Montag reist der Storchenbeauftragte mit seinem Team durch die Region, um erste Jungtiere zu beringen. Dann soll nach Möglichkeit auch der kleine Storch aus Gnemern ausgewildert werden. „Das ist die beste Chance, so ein Tier wieder einzuhorsten“, so Kroll.

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