Privatinsolvenzen : Immer mehr Verschuldete im Landkreis Rostock

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Im Schnitt stehen Betroffene mit mehr als 45 000 Euro in der Kreide. Zahl der Privatinsolvenzen seit 2011 drastisch gestiegen

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17. Dezember 2017, 20:55 Uhr

Selbst Lotto-Millionäre und Wimbledon-Sieger bleiben nicht davon verschont: Landauf, landab ist für viele hoffnungslos überschuldete Privatleute die Insolvenz der letzte Ausweg. Im Landkreis Rostock meldeten im Jahr 2016 insgesamt 266 Verbraucher Insolvenz an, geht aus Zahlen des Statistischen Landesamtes hervor. Die Zahl der Fälle ist damit leicht gesunken, denn im Vorjahr waren es 267 Verbraucherinsolvenzen gewesen.

Für die Gläubiger ging es dabei um viel Geld, konkret um ausstehende Forderungen in Höhe von rund 12  Millionen Euro. In ganz Mecklenburg-Vorpommern meldeten 1665 Bürgerinnen und Bürger, darunter Angestellte, Arbeiter und Rentner, ihre Zahlungsunfähigkeit an. Das waren unterm Strich 70 weniger als im Vorjahr.

Bundesweit schlitterten in den vergangenen sechs Jahren, wohl aufgrund der guten Konjunktur- und Arbeitsmarktlage, immer weniger Verbraucher in die finanzielle Pleite. Die beginnt für Otto Normalverbraucher oftmals mit dem Verlust des Arbeitsplatzes, der Trennung vom Partner, Immobilienkrediten, Ratenkäufen oder auch einer zu niedrigen Rente. Rund 77 200 Verbraucherinsolvenzen (ohne ehemals Selbstständige und Nachlässe) registrierte das Statistische Bundesamt im Jahr 2016, im „Spitzenjahr“ 2010 waren es noch fast 109 000 Fälle gewesen. Auffallend sei aber weiterhin, so stellt beispielsweise die Hamburger Wirtschaftsauskunftei Bürgel fest, dass trotz dieser positiven rückläufigen Entwicklung eine Altersgruppe hervorsteche, die eine steigende Tendenz aufweise: und zwar die Gruppe der über 60-Jährigen. Die Auskunftei sieht das als ein Indiz für die zunehmende Altersarmut. Unterbrochene Erwerbsbilanzen oder auch Niedriglohnbeschäftigungen mit der Folge einer geringen Altersrente befeuern diesen Anstieg.

Die einen stecken finanziell in der Klemme, die betroffenen Gläubiger verlieren im Gegenzug ein Vermögen: Allein im Landkreis Rostock standen die 266 überschuldeten Konsumenten mit insgesamt rund 12,04 Millionen Euro in der Kreide. In ganz MV betrugen die Forderungen an Verbraucher (ohne ehemals Selbständige und Nachlässe) rund 62,14 Millionen Euro (Vorjahr: 59,86 Millionen Euro). Umgerechnet hatte jeder Betroffene im Kreis Rostock im Schnitt 45 263 Euro Schulden auf dem Buckel (Vorjahr: 43 700 Euro).

Die Insolvenz ist für viele Verschuldete der letzte Schritt; sie wird angemeldet, wenn sonst gar nichts mehr geht. Seit 1. Juli 2014 gibt es die Möglichkeit für die Verbraucher, die Verfahrensdauer von sechs Jahren zu verkürzen. So kann eine Restschuldbefreiung bereits nach drei oder fünf Jahren erreicht werden, wenn der Schuldner Teilzahlungen leistet, also mindestens 35 Prozent der Gesamtschuldsumme und/oder die Verfahrenskosten bezahlt. Kann er dies nicht, ist er nach einer sechsjährigen „Wohlverhaltensphase“ schuldenfrei – und kann einen Neuanfang starten. In dieser Zeit muss praktisch jede berufliche und finanzielle Entscheidung mit dem Insolvenzverwalter besprochen werden, das Gehalt fließt bis zu einer niedrigen Grenze an die Gläubiger. Bei den wenigsten Banken kann man noch ein eigenes Konto eröffnen, ein neuer Kredit ist ohnehin tabu.

Blickt man zurück, entwickelten sich die Zahlen im Landkreis Rostock folgendermaßen: Im Jahr 2011 meldeten 0 hoffnungslos überschuldete Konsumenten Insolvenz an. Ein Jahr später kletterte die Zahl dann schon auf insgesamt 190 Fälle. Im Jahr 2013 waren dann schon 212 Menschen zahlungsunfähig, ein Jahr später erhöhte sich diese Zahl auf 226 Fälle. Im Jahr 2015 kamen 267 Verbraucherinsolvenzen zusammen und vergangenes Jahr waren es nun 266 überschuldete Verbraucher.

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