zur Navigation springen
Bützower Zeitung

19. November 2017 | 11:39 Uhr

Zepelin : Imker ziehen schlechte Bilanz

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Der Bützower Imkerverein geht mit hohen Verlusten an Bienenvölkern aus dem vergangenen Winter / Hoffnung auf Erholung bleibt

svz.de von
erstellt am 21.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Seit Beginn dieser Woche ist der Frühling wieder eingeläutet. Die Tage werden länger und das Wetter freundlicher. „Endlich geht es wieder los“, sagt Werner Grigull, Vorsitzender des Bützower Imkervereins. Kaum scheinen die ersten Sonnenstrahlen auf seine Bienenkästen, regt sich das Volk im Innern. Der Anblick der fleißig ab- und anfliegenden Insekten freut ihn, lässt ihn aber trotzdem nicht lächeln. Der Grund: „Es wäre ein so schöner Anblick, wenn ich nicht wüsste, wie es in den Kästen aussieht“, so Grigull. Denn der vergangene Winter forderte seine Opfer unter den Bienen.

„Momentan ist es eine Katastrophe. Viele der Bienenvölker existieren nicht mehr. Das geht leider allen Vereinsmitgliedern so.“ Alle hätten laut Grigull in diesem Winter Verluste hinnehmen müssen. Das sei in einem geringen Maße auch normal. „Ein bisschen Schwund ist immer. Ein normales Volk umfasst 50  000 bis 70  000 Tiere. Nach einem Winter sollten es dann um die 15  000 sein.“

Dieses Jahr gehen die Imker aber mit weit mehr als den üblichen Verlusten in die Saison. Auch Grigulls Bestand ist dezimiert. „Die Hälfte der Völker, die in den Winter gingen, sind verschwunden. Einige weitere werden den Frühling nicht überstehen.“ Bei seinen Vereinsmitgliedern sind die Zahlen nicht anders. „Die meisten melden 40 bis 50 Prozent Verluste, aber auch Totalausfälle sind nicht selten.“ Von dem Bienenschwund sind sowohl alteingesessene Bienenzüchter als auch Nachwuchsimker betroffen. Grigulls Fazit: „So große Verluste hatten wir noch nie.“


Bienen verschwinden ohne Spuren


Der Bützower Imkerverein kann sich die massiven Verluste kaum erklären, auch wenn es kein ausschließlich regionales Problem ist. Vor allem bei den Totalverlusten sieht Grigull ein bekanntes Muster. „Das nennen die Imker Colony Collapse Disorder, kurz CCD und bedeutet, dass ganze Völker ohne irgendein Anzeichen äußerer Einflüsse spurlos verschwinden. Die Kästen sind leer und sauber, als hätten dort nie Bienen gelebt.“

Im Gegensatz zu diesem unerklärlichen Verschwinden kennt Grigull auch nennbare Gründe. „Eingeschleppte Viren durch die Varroamilbe, eine einseitige Pollenernährung, weil Wildpflanzen fehlen, und zu kleine Populationen, die im Winter bei Erschütterungen der Kästen losfliegen und erfrieren. „Gerade im letzten Fall ist ein Volk sehr anfällig dafür, den Winter nicht zu überstehen“, sagt Grigull.

Trotz dieses Rückschlages bleibt Grigull hoffnungsvoll. „Starke Völker können sich gut regenerieren. Wenn die Blütezeiten wieder beginnen, hoffe ich auf eine Erholung der überlebenden Tiere.“ In erster Linie müssen sich die Bestände erholen. Dazu werden Teile einer gesunden Population von einem Kasten in einen neuen umgesiedelt. Wenn sich dort eine Königin etabliert, kann dort ein neues Volk entstehen. Dafür würde er auch auf höhere Honigerträge verzichten, so Grigull.

Zum Frühlingsanfang möchte der Vorsitzende seinen Vereinsmitgliedern zudem Mut machen. „Nächstes Jahr wird es sicherlich besser. Ich bin froh, dass alle anderen Imker im Verein trotz der Verluste am Ball bleiben. Natürlich erschrecken die Rückschläge, aber durchhalten lohnt sich – für uns und für die Bienen.“

Dass die Honigbiene ein besonderes Nutztier ist, zeigt auch ihre Wahl zum diesjährigen Tier der Mela. „Endlich steht sie im Fokus“, sagt Grigull. Nun möchten er und andere Imker die Besucher dort mit Vorführungen und Schaukästen auf die Biene aufmerksam machen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen