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Bützower Zeitung

21. November 2017 | 22:37 Uhr

Schwaan : Im Zarenpalast an der Uhr gedreht

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Der Schwaaner Uhrmachermeister Helmut Langner widmete sich der Restauration historischer Uhren in russischen Museen

svz.de von
erstellt am 10.Nov.2017 | 12:00 Uhr

Der Katharinenpalast in Puschkin in der Nähe von St. Petersburg ist ein bekanntes Touristenziel. Große Besuchergruppen werden regelmäßig durch den ehemaligen Zarenpalast mit der Rekonstruktion des berühmten Bernsteinzimmers geführt. Doch der Schwaaner Uhrmachermeister Helmut Langner schaut nicht mit dem typischen Touristen-Blick auf die Sehenswürdigkeiten. Er genießt die Details und die versteckten Geheimnisse, die den meisten Urlaubern verborgen bleiben. Das Auge für die Feinheiten hat er schließlich jahrelang durch seine Arbeit als Uhrmacher geschult.

Zwei Wochen lang war Helmut Langner jetzt wieder im Katharinenpalast. Als Mitglied des Fachkreises Historische Uhren Schloss Raesfeld restaurierte er dort historische Uhrwerke. Schon zum vierten Mal zog es den Schwaaner in das ehemalige Zarenreich. Er und der Verein haben es sich zum Ziel gesetzt, das Kulturgut historischer Uhren zu erhalten und sich über aktuelle Kenntnisse und Entwicklungen in ihrem Handwerk auszutauschen. Ihr gesamtes Engagement ist ehrenamtlich, nur für Verpflegung und Unterkunft sorgen die Museumsleiter.

„So eine Reise ist natürlich nicht nur Arbeit. Es ist auch so etwas wie Urlaub für mich. Aber am wichtigsten ist mir, möglichst viel von der dortigen Kultur zu erleben“, erklärt der 59-Jährige. „Mit meinen beiden Kollegen aus Seehausen und Duisburg haben wir uns eine Werkstatt im Metalllager des Katharinenpalastes eingerichtet. Nach ungefähr drei Tagen kannten uns alle Wächter im Palast und wir konnten uns alles anschauen. Später haben wir sogar ganz allein die originalgetreue Nachbildung des Bernsteinzimmers besichtigt.“ Aber auch abseits des Palastes erlebten die Uhrmacher viel. So lernten sie zufällig in einer Gaststätte einen Restaurator kennen, der sie dann spontan in seine Werkstatt einlud.

Die eigentliche Arbeit von Helmut Langner kam bei all seinen Erlebnissen jedoch nicht zu kurz. So restaurierte der Uhrmachermeister insgesamt drei Uhrwerke – eine englische Barockuhr, eine Empireuhr (Zeit des Klassizismus) und eine Uhr aus dem Neobarock. „Als erstes betrachten wir die Uhren von allen Seiten, um sie zeitlich in eine Epoche einzuordnen und die Mängel zu erfassen. Danach bauen wir das Werk aus und beraten uns im Team, was gemacht werden muss. Wir müssen uns in allen Schritten sicher sein, da die Uhren unter Denkmalschutz stehen. Die Reparaturen an sich sind dann immer unterschiedlich. Man kann im Vorfeld nie genau sagen, was auf einen zukommt“, erzählt Helmut Langner. „Bei der Empireuhr war beispielsweise ein Teil komplett falsch herum eingesetzt worden. Man kann allerdings nicht zurückverfolgen, wer dafür verantwortlich war.“ Wesentlich anspruchsvoller sei hingegen die Reparatur der englischen Barockuhr gewesen. „Bei ihr waren die Stahlseile an der sogenannten Schnecke kaputt, wodurch die Federkraft ungleichmäßig war.“

Wann er das nächste Mal verreisen werde, sei noch unklar. Das lose der Verein jährlich aus. Bis dahin vertreibt sich Helmut Langner die Zeit mit dem Bau seiner eigenen mechanischen Präzisionsuhr. Vor sieben Jahren hat er mit dem Projekt begonnen. Bis zum Ende des Jahres will er damit noch fertig werden.

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