Schwaan : Ideenschmiede auf der Couch

Ganz ohne Leitung: Sina Bacher, Christian Schultze, John Pardeyke, Sanny Schröder, Jakob Rese, Camilla Päplow (von links) im Gespräch.
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Ganz ohne Leitung: Sina Bacher, Christian Schultze, John Pardeyke, Sanny Schröder, Jakob Rese, Camilla Päplow (von links) im Gespräch.

So tüfteln die Mitglieder der Jugend für Schwaan an ihren Veranstaltungen – Sie wollen auch auf dem Brückenfest Flagge zeigen.

svz.de von
14. Juni 2018, 05:00 Uhr

17 Uhr im Schwaaner Jugendclub. Wo sich Jugendliche sonst zu einer Runde Kicker oder Tischtennis treffen, sind die Sessel heute zu einer Planungsrunde zusammengerückt. Die Mitglieder der Jugend für Schwaan treffen sich, wollen über zukünftige Veranstaltungen sprechen. Zwischen Energiegetränken, Tablets und Kartoffelchips offenbart sich eine handfeste Struktur und Gesprächskultur.

Es gibt eine Tagesordnung, die die Heranwachsenden chronologisch abarbeiten wollen. Diese steht allerdings auf keinem Blatt Papier. Eine Präsentation auf Jakob Reses Tablet gibt die Stichpunkte vor. Nach und nach ploppen Stichworte wie Flohmarkt, Brückenfest und Disco auf.

Gleichaltrigen eine Anlaufstelle bieten

Über das Kommunale Netzwerk Schwaan hat Jakob Rese erfahren, dass der Offene Treff im September einen Flohmarkt veranstalten will. Er stellt direkt die Frage: „Wollen wir da mit einem eigenen Stand mitmachen?“ Die Prämisse: „Man muss dabei helfen, den Flohmarkt aufzubauen und es braucht natürlich auch jemanden, der den Stand betreut.“ Doch schnell sind sich die Jugendlichen einig, wollen einen Stand mit Kuchenverkauf und etwas Musik vorbereiten. Die Gruppe beschließt außerdem noch einen Aufruf für Trödel zu machen, wollen ihren Altersgenossen dafür eine Anlaufstelle bieten. Beim Schwaaner Brückenfest im August wollen sie ebenso mit einem Stand Flagge zeigen. Und das vielleicht sogar mit einer Popcorn-Maschine im Retro-Stil.

Jugendliche, die allesamt eine Skaterbahn fordern, sucht man in der Runde vergebens. Diese Teenager wollen lieber etwas dafür tun, dass die Jugendkultur in Schwaan wieder hochlebt. „Wir wollen heutigen Jugendlichen quasi das ermöglichen, was damals unsere Eltern in Schwaan hatten“, sagt Sanny Schröder.

Dieser Gedanke, selbst anzupacken und etwas Größeres für die Altersgenossen zu schaffen wird auch bei den Diskussionen für die nächste Jugenddisco deutlich. Bevor die Heranwachsenden überhaupt über Pläne sprechen, soll jeder von ihnen seine Ziele und seine Motivation für die nächste Veranstaltung erklären. Kein Mitglied bleibt außen vor, jedem wird ein offenes Ohr geschenkt. So mancher Politiker könnte sich davon etwas abschauen.

„Ich möchte einfach, dass zwischen Fasching und dem Brückenfest in Schwaan trotzdem etwas los ist“, sagt John Pardeyke. Viele stimmen ihm da zu.

Alle unter einen Hut, kann das klappen?

Die vergangene Disco im Schwaaner „Bunker“ sei da schon ein Erfolg gewesen, doch gleichzeitig wurde ein Problem deutlich: Alle unter einen Hut zu bekommen ist ganz schön schwer. Besonders beim Musikgeschmack hätten sich die Geister geschieden, berichtet John Pardeyke. „Die Älteren wollen natürlich etwas anderes hören, als die Jüngeren. Das setzt uns als DJs natürlich unter Druck.“

Jetzt wird die Diskussion hitziger, denn es geht mehr oder weniger um den Kern der Zielgruppe, die die Jugend für Schwaan ansprechen möchte. Mit dem Jugendclub hat die Gruppe allerdings einen Jugendhilfeträger an ihrer Seite, merkt dessen Leiter Jörg Quandt an. Das sei ein Alleinstellungsmerkmal, denn somit können überhaupt Veranstaltungen wie die Jugenddisco für Jüngere umgesetzt werden. Die Diskotheken in Rostock, zu denen ohnehin die Älteren hinfahren, haben diese Möglichkeit nicht.

Der Abend wird später, die Chipsdose leerer. Doch eine Lösung scheint in Sicht: „Wir könnten die Disco, wie beim Fasching üblich, für verschiedene Altersgruppen aufteilen“, schlägt Jakob Rese vor. Das erhöht zwar nochmals den Zeitaufwand für Truppe. Aber mehr Freizeit zu opfern, daran haben sich die Mitglieder der Jugend für Schwaan längst gewöhnt.

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